: Der Narr des neunzehnten Jahrhunderts . Das Märchen wurde in der Nacht geträumt , vielleicht erlebt ... Es war wie die Sage erzählt ... Ein Knabe verirrt sich in die Berge , die Nacht beschleicht ihn , sein Auge späht durch eine Felsenritze , er sieht , was sich begibt ... Und was begab sich ? ... Hoch ragt das gewölbte Rund der alten Tempelkirche , malerisch vom Mondlicht umwoben . Zitternd blitzen die Sterne hernieder . Die Tannenwipfel rauschen , leise vom Winde bewegt . Jeder Stein , den uraltes Moos wie eine Inschrift überzieht , spricht von vergangenen Jahrhunderten und singt in sich erklingend noch das Sanctus nach , das einst in diesen Hallen tönte . Wer pflanzte den Hollunderstrauch in jene Nische , wo einst die Heiligen aus bunten Farben in den Fenstern prangten ? Wer säete Heidekraut auf diese Stufen , wo einst der aus Felsen gehauene Altar stand ? Noch ist die Schaale da , in der geweihtes Wasser floß ; sie und der Taufstein sind gefüllt vom letzten Regen , der an der Luft verdünstete . Sichtbare Höhlungen noch auf den Schwellen , wo einst der Priester die Messe las . Die Vögel nisten in den Blättern von Stein , die die obern Fensterrundungen schmücken , in den Rosen von Granit , die an den Pforten noch in einigen Resten erkennbar sind . Es ist als blühten sie neu wieder auf . Es rauscht von den Wänden , als spränge aus den Steinen die Orgel hervor , es lebt und ruft den frommen Wallern ... Sie kommen ! Nicht um zu beten nur ! Sie sind in Werkeltagstracht , Arbeiter im Schurzfell , gedungen der Kelle , angestellt bei dem Richtmaaß und dem Cirkel , sie sind Architekten , Steinmetzen , Maurer ... wie klatschen die ledernen Schurzfelle an den Füßen , wie trägt das Antlitz Spuren des Fleißes von Kalk und Mörtel und groß muß ihr Ziel sein , denn ihrer wol an Hundert sind es , die sich durch den Kreuzgang der Kirche zudrängen ! Hier werden Loosungen zugerufen ; man versteht , man erkennt sich . Wer die Männer ? und Von wo des Landes ? Namen , gefeierte und dunkle ; Mienen , freudige und hoffnungsvolle . Um die Stelle , wo einst der Priester Messe las , schaaren sich die Männer des geistigen Rütli . Etliche besteigen die Stufen . Wovon reden sie ? Sie enthüllen Pläne , Zeichnungen , Pergamente mit Siegeln . Sie zeigen sich unter einander die Rollen , die im Kreise wandern und Einer ergreift das Wort und ihm antwortet der Nachbar und Alle hören und Jeder spricht und räth und Allen gefällt , was auch nicht Jeder selbst ersann und zuerst gerathen . Einige Blätter sind in Jedes Hand . Sie enthalten des Bundes geheime Symbolik . Hundert Zeugen ! Die Kubikwurzel einer Million ! Wir sind Boten vom vierblättrigen Kleeblatt , dem Symbol des seltenen Fundes ! Vier zu vier gesellt und viermal vier zu viermal vier und so hinauf in Gruppen , Sippen , Abstufungen , wo das Band des äußeren Zusammenhanges aufhört und die Ordnung der Natur anfängt , die dem Krystall überall sein eignes Achteck lehrte . Hat sich das so fortgesponnen ? Von selbst ? Wodurch ? Wer bist du ? Und du ? Wer sandte dich ? Dort kennt man uns ? Auch uns ? Dich gewiß ! An der Donau ? An der Oder ? Am Neckar ? Hinaus in die Alpenwelt und schon auf fremdem Boden an der Rhone und an dem Themsestrand ? Willkommen , willkommen , Streiter für ein unsichtbares Palladium , das über unsern Häuptern schwebt ! Willkommen Ihr Ritter und Reisige vom Geist ! Hört Ihr die Feste der Großen , hört Ihr von untenher den Donner der Geschütze , seht ihr die leuchtenden Funken , die da unten von Buchau aus den Mond erreichen wollen ? Ihr habt Eure Wehr und Waffen in der Brust , die da fühlt , im Haupt , das denkt ! Es ist die Ordnung dieser Welt zur Ernte reif ! Nicht stürze sie die schwache Menschenhand ! Gestorben ist die Ähre längst , wenn sie der Schnitter mäht ! Seht Ihr die gelben Felder ? Seht bald die Stoppeln ! Dem festverschlungnen Bund der neuen Templer gehört die Wiege und das Grab der Menschheit ! Und einer der Maurer , von den Jüngsten Einer , trat auf und entrollte die Schrift , die er das Buch des Geistes nannte ... Es war die Symbolik des Bundes ... Man hörte sie , beschwor sie mit gehobenen Händen ... dann trat derselbe Sprecher zum zweiten Mal auf die Stufe und sprach von einem Hort , den er das Gold Fafner ' s nannte . Elfen hätten ihn gewoben in den tiefsten Schachten der Zeiten . Er sollte ihnen dienen als Schild im Kampfe , als Lanze zum Angriff , als Schwert des Wettkampfes . Es traten Sprecher auf , die gegen diesen Hort redeten , Andere für ihn , Alle bewunderten die Eigner und eine Selbstlosigkeit , die aber zuletzt nicht mehr allein stand , denn an Opferspenden wurde Großes versprochen nach solchem Beispiel , noch Größeres schon von Einigen geleistet . So scholl es fort in dem todten Schiff der Kirche , lebendig wieder , lebenweckend . Es schienen nur einfache Maurer und Steinmetzen , die da sprachen , aber ihre Münster , die sie zu vollenden gedachten , ragten über die Ruine hinaus und von ihrem Wirken in Nord , Süd , Ost , West blitzte es jetzt schon hin- und herüber , als sähe man plötzlich eine Hülle von der ganzen Welt genommen und erblickte Säulen eines Zaubertempels , der dem Lauscher die Augen blendete ... War es ein frommer Hirtenknabe , war es der Schalk Dystra , der lauschte , war es ein Engel des Glaubens oder der ewige Dämon der Ironie und Verneinung ... um zehn war es auch ihm todtenstill