blickte mit einer gewissen Zärtlichkeit in die strömende Regenflut . Wellborn schüttelte den Kopf über diese Anschauung und zog sein Wetterglas zu Rate , das er mitgenommen hatte , und von dem er sich überhaupt nur selten trennte . Es war ein merkwürdiges Ding , das schon in der Form von allen anderen abwich , steckte in einem noch merkwürdigeren Gehäuse und wies eine Menge sibyllinischer Zahlen und Zeichen auf , deren Bedeutung wahrscheinlich nur der Erfinder und der glückliche Besitzer kannten . Leider hatte es die für ein Wetterglas etwas bedenkliche Eigenschaft , sich stets im Widerspruch mit dem Wetter zu befinden , und das war auch heute der Fall . » Wie steht denn das Glas ? « fragte der Geheimrat nach einer Pause . » Ausgezeichnet ! Wir werden am Nachmittage herrliches Wetter haben . « Rottenstein zuckte ungläubig die Achseln . » Das haben Sie gestern auch gesagt , als ich nicht mitfahren wollte . Ich traute gleich den Wolken nicht , die da so urplötzlich am Monte Salvatore aufstiegen , aber Sie garantierten uns ja Sonnenschein und dann faßte uns das Gewitter , mitten in den Bergen , im offenen Wagen . Ganz durchweicht kamen wir zurück , und heute meldet sich natürlich mein Rheumatismus wieder . Dafür habe ich mich bei Ihrem berühmten Glas zu bedanken ! « » Aber Herr Geheimrat ! « Der junge Mann nahm eine gekränkte Miene an , » wie können Sie nur das unschuldige Glas für dies gänzlich unmotivierte Gewitter verantwortlich machen ! Auf dieser Insel herrschen abnorme Witterungszustände , mit denen nicht zu rechnen ist . Als wir damals abreisten , in Triest – « » Stand Ihr Barometer auf Sturm – jawohl , und wir haben drei Wochen Prachtwetter gehabt . « » Das kam von der Seereise , « behauptete Wellborn , jetzt aber lachte der alte Herr laut auf . » Nun verträgt das Ding gar die Seefahrt nicht ! Ist es vielleicht seekrank geworden ? « Wellborn war tief beleidigt , er hob sein Glas hoch empor und begann dessen Vorzüge ausführlich auseinanderzusetzen , wurde aber darin durch den Eintritt Robert Adlaus unterbrochen , der den Geheimrat begrüßte , ohne viel Notiz von dem jungen Manne zu nehmen . » Ich komme eigentlich , um Ihnen zu sagen , daß ich in der nächsten Woche abreise , « wandte er sich an den Geheimrat . » Ich gehe mit dem Dampfer nach Triest und von da ohne Aufenthalt nach Hause . « » Sie wollen fort ? So bald schon ? « rief der Geheimrat fast erschrocken . » So bald ? Ich bin lange genug hier gewesen . Meta und mein Schwager wollen mich zwar durchaus nicht fortlassen , aber es bleibt dabei , ich reise . « » Meta ist eben bei meiner Tochter , « sagte Rottenstein , » Ah , Sie wußten das nicht ? Nun , jedenfalls kommen Sie doch mit hinauf und fahren dann mit Ihrer Schwester nach Hause . Sie hat den Wagen zum Abholen bestellt . « Adlau zögerte einige Sekunden , ehe er die Einladung annahm , dann aber sagte er kurz : » Das wird wohl bei diesem Wetter das beste sein . Also gehen wir ! « Die drei Herren brachen auf , denn auch Wellborn benutzte die Gelegenheit , sich anzuschließen . Er hatte die gnädige Frau heute noch nicht gesehen und mußte sich notgedrungen nach ihrem Befinden erkundigen . Möglicherweise hatte ihr die gestrige Regenpartie eine Erkältung zugezogen , die Frau Baronin war eine äußerst zarte Natur und der Süden schützte durchaus nicht vor katarrhalischen Zuständen , aber hoffentlich ... so schwatzte er unausgesetzt weiter , und es störte ihn gar nicht , daß niemand zuhörte , er war dergleichen schon gewohnt . In dem Salon , der die Zimmer der Frau von Wilkow und ihres Vaters trennte und zu ihrer Wohnung gehörte , hatten unterdessen die Damen eine lebhafte Unterhaltung geführt , die Glasthüren waren fest geschlossen . Sonst hatte man vom Balkon aus eine prächtige Aussicht über den Hafen , über den Meeresarm , der die Insel vom Festlande schied , und die jenseitigen Berge ; aber heute verschwand das alles in grauer Nebel- und Regenflut . Auf dem Eckdiwan saßen die beiden jungen Frauen , die zusammen aufgewachsen waren in der sonnigen Rheinstadt , wo Rottenstein mit den Seinigen gelebt hatte , bis er nach Berlin versetzt wurde . Freilich hatte die einstige Mädchenfreundschaft nicht jene Entfremdung überdauert , die später zwischen den beiden Familien eintrat und schließlich jedem Verkehr ein Ende machte . Aber jetzt , nach vollen zehn Jahren , als man sich so unvermutet wiederfand , waren die zerrissenen Fäden wieder angeknüpft und hier wenigstens die alte Vertraulichkeit wiederhergestellt worden . Frau Meta Rahnsdorf , eine hübsche , zierliche Blondine , ungemein lebhaft in Sprache und Bewegungen , war nur zwei Jahre jünger als Elfriede von Wilkow ; sie unterhielt heiter die Freundin , während jene , den Kopf in die Hand gestützt , meistenteils zuhörte . Jetzt aber fragte sie , ohne ihre Stellung zu verändern : » Also du bist glücklich in deiner Ehe , Meta ? Wirklich glücklich ? « Die kleine Frau , der das Glück nur so aus den blauen Augen lachte , fuhr in komischer Entrüstung auf . » Hör , Elfriede , die Frage ist eigentlich eine Beleidigung für meinen Mann . Denkst du , er verstände es nicht , mich glücklich zu machen ? Er hat es meinem Vater hoch und teuer versprochen , als er mich fortführte in das fremde Land , und er hielt Wort . Trotz alledem hatte ich arg mit dem Heimweh zu kämpfen in der ersten Zeit , wenn ich es auch meinem Fritz nicht zeigen wollte , aber dann kamen die Kinder – « » Die Kinder ! « wiederholte Elfriede leise . » Sind sie nicht herzig alle beide , der Bub und das Mädel ? « fragte die