nichts . „ Und wohin fuhr sie ? “ fragte Reinhold athemlos . „ Haben Sie nicht gehört , welche Adresse dem Kutscher zugerufen wurde ? “ „ Ich glaube – die Wohnung des Maestro Gianelli . “ „ Gianelli ! Also auch der ist im Complot . Nun , vielleicht ist er noch zu erreichen . Marco , sobald Signora wieder eintrifft oder auch nur irgend eine Nachricht von ihr , melden Sie es mir sofort ! Sofort ! Ich wiege Ihnen jedes Wort mit Gold auf . Vergessen Sie das nicht ! “ Mit diesem dem Diener wie im Fluge zugeworfenen Befehle eilte Reinhold fort . Marco sah ihm ganz bestürzt nach . Die heutige Scene spielte sich doch viel stürmischer ab als all die vorhergehenden bei ähnlichen Gelegenheiten , und die Aufregung Signor Rinaldo ’ s überstieg auch alles bisher Dagewesene . Was war denn nur vorgefallen ? Der Maestro konnte Signora [ 604 ] Biancona doch unmöglich entführt haben ? Es sah wirklich beinahe so aus . – In der Wohnung des Consul Erlau herrschte begreiflicher Weise die grenzenloseste Verwirrung und Aufregung . Capitain Almbach , der unverzüglich dorthin geeilt war , nahm sich zwar sofort mit größter Energie und Umsicht der noch im vollen Gange befindlichen Nachforschungen an , aber auch er vermochte nichts zu erreichen . Vorläufig stand nur die eine Thatsache fest , daß das Kind spurlos verschwunden war und blieb . Ob es freiwillig den Garten verlassen , ob es hinausgelockt worden war , darüber fehlte jede Vermuthung . Niemand hatte etwas ungewöhnliches bemerkt , Niemand den Kleinen vermißt bis zu dem Augenblicke , wo Annunziata zurückkehrte , um ihn zu holen . Die arme kleine Italienerin löste sich fast in Thränen auf , und doch war sie völlig unschuldig an dem Vorfalle , denn ihre junge Herrin selbst hatte sie in das Haus gerufen . Der Knabe war ja alt genug , um nicht einer unausgesetzten Aufsicht zu bedürfen , und er spielte oft genug allein in dem völlig abgeschlossenen Raume . Noch hatte Hugo es nicht gewagt , dem Verdachte Worte zu leihen , den er mit seinem Bruder theilte und der mit jeder Minute lebendiger in ihm wurde . Er hatte nur leise auf die Möglichkeit eines Raubes hingedeutet und war dabei dem vollsten Unglauben begegnet . Räuber in der Mitte der Stadt , im vornehmsten Theile derselben – unmöglich ! Weit eher war ein Unglück anzunehmen . Man machte sich nochmals , trotz der hereinbrechenden Dunkelheit , an die Untersuchung der Nachbargärten und der sonstigen Umgebung . Inzwischen bemühte sich Erlau vergeblich , seine Pflegetochter zu beruhigen und ihr all die Möglichkeiten und Wahrscheinlichkeiten auszumalen , die immer noch einen glücklichen Ausgang hoffen ließen ; Ella hörte ihn nicht . Stumm und todtenblaß , ohne eine einzige Thräne zu vergießen , saß sie jetzt an seiner Seite , nachdem sie sich stundenlang an den fruchtlosen Nachforschungen betheiligt , sie zum Theile sogar selbst geleitet hatte . Obgleich Hugo ihr gegenüber mit keiner Silbe auf jene Möglichkeit hingedeutet hatte , nahmen die Gedanken der jungen Frau doch die gleiche Richtung , und je unerklärlicher das Verschwinden ihres Kindes blieb , desto unabweisbarer drängte sich auch ihr die Erinnerung an das gestrige Zusammentreffen auf , die Erinnerung an den wilden Haß und die glühende Rachedrohung Beatricens , und klar und immer klarer rang sich in ihr die Ahnung empor , daß es sich hier nicht um einen Zufall oder ein Unglück , daß es sich um ein Verbrechen handele . Da kam ein Wagen im vollsten Jagen die Straße herauf und hielt vor dem Hause . Ella , die bei jedem Geräusche zusammenschreckte , in jedem Kommenden einen Boten sah , der Nachricht brachte , flog an das Fenster ; sie sah ihren Gatten aussteigen und in das Haus treten . Wenige Minuten darauf stand er vor ihr . „ Reinhold , wo ist unser Kind ? “ Es war ein Aufschrei der Todesangst und Verzweiflung , aber auch ein Vorwurf , wie er vernichtender nicht gedacht werden konnte . Von ihm verlangte sie das Kind zurück ; trug er doch allein die wahre Schuld , daß es der Mutter entrissen wurde . „ Wo ist unser Kind ? “ wiederholte sie mit einem vergeblichen Versuche , in seinem Gesichte die Antwort zu lesen . „ In den Händen Beatricens , “ entgegnete Reinhold fest . „ Ich kam zu spät , es ihr zu entreißen ; sie hat sich bereits mit ihrem Raube geflüchtet , aber die Spur wenigstens habe ich . Gianelli verrieth sie mir ; der Schurke war Mitwisser , wenn er nicht gar Helfershelfer war , aber er sah wohl , daß es mir Ernst war mit der Drohung , ihn niederzustoßen , wenn er mir den Weg nicht nenne , den sie mit dem Kinde eingeschlagen . Sie sind in ’ s Gebirge geflohen in der Richtung nach A. hin . Ich folge ihnen sofort . Es ist kein Augenblick zu verlieren . Nur die Nachricht wollte ich Dir bringen , Ella . Leb ’ wohl ! “ Erlau , der erschreckt zugehört hatte , wollte jetzt mit Fragen und Rathschlägen dazwischen treten , aber Ella ließ ihm keine Zeit dazu . Die Gewißheit , so furchtbar sie war , gab ihr den ganzen Muth zurück ; sie stand bereits an der Seite ihres Gatten . „ Reinhold , nimm mich mit ! “ bat sie entschlossen . Er machte eine abwehrende Bewegung . „ Unmöglich , Eleonore ! Das wird eine Jagd auf Leben und Tod und , wenn ich das Ziel erreiche , vielleicht noch ein Kampf auf Leben und Tod . Da ist kein Platz für Dich ; das muß ich allein durchfechten . Entweder bringe ich Dir Deinen Sohn zurück , oder Du siehst mich zum letzten Male . Sei ruhig ! Die Möglichkeit der Rettung liegt ja jetzt in den Händen des Vaters . “ „ Und die Mutter soll