führte die Zitternde zu einem Sessel . » Der Herr Medizinalrat ! « sagte Fräulein von Bohlen eintretend . Ihr auf dem Fuße folgte die kleine Gestalt des Arztes . » Hoheit verzeihen mein ungestümes Eindringen « , begann er hastig . » Ich erachte es jedoch für Pflicht , Eurer Hoheit mitzuteilen , daß die erlauchte Kranke sich in größter Lebensgefahr befindet . Hoheit sind durch den Blutverlust vollständig erschöpft , bis auf den Tod . Professor Thalheim schlägt eine Transfusion vor , ich bin nicht abgeneigt , man soll nichts unversucht lassen . Seine Hoheit ist entschlossen , das erforderliche Blut zu geben , jedoch – da es immerhin keine gleichgültige Operation ist – sie kann Folgen haben , die das Leben gefährden , wie Blutvergiftung und dergleichen – so müssen wir von der Person Seiner Hoheit absehen , da auch das Hausgesetz ausdrücklich – « Er stockte . Klaudine war von dem Sessel emporgesprungen und streckte die Hand gegen ihn aus . » Herr Medizinalrat , ich bitte , diejenige sein zu dürfen , die – « » Sie ? « fragte der alte Herr und schaute verwundert in das blasse Mädchengesicht , aus dessen bewegten Zügen ein inniges Flehen sprach , » wahrhaftig , Fräulein von Gerold ? Nun , dann kommen Sie , aber rasch ! Wir haben keine Zeit zu verlieren . Doch – halt – meine Gnädige , ich mache Sie noch einmal darauf aufmerksam , daß wir Ihnen die Pulsader öffnen müssen . « » Ach , lieber Herr Doktor ! « sagte Klaudine mit einem Achselzucken , das bedeutete : wenn es weiter nichts ist ! Und sie eilte ihm voraus , in der Angst , ein anderer könne ihr zuvorkommen . Die alte Hoheit hatte kaum recht verstanden . Transfusion ? Was ist die Transfusion ? Als sie in das Vorzimmer der jungen Herzogin trat , waren die Ärzte bereits um die Kranke beschäftigt . Vor Klaudine stand eine Krankenschwester , die den Ärmel von des Mädchens weißem Kleide zurückstreifte . Die alte Dame legte ihrem Sohne die Hand auf die Schulter . » Adalbert « , fragte sie leise , » Adalbert , was ist das eigentlich ? Der Medizinalrat sagte , sie schneiden ihr die Pulsader auf , um ihr Blut in Lisels Adern zu leiten ? Er nickte zerstreut und wandte kein Auge von dem traurig lächelnden Mädchenantlitz . » Um Gottes willen , Adalbert « , fuhr die alte Hoheit fort , » sollen wir erlauben , daß Fräulein von Gerold – es scheint doch eine gefährliche Sache – « Jetzt sah er sie groß an . » Nicht wahr « , fragte er leise und bitter , » das erfordert etwas mehr Mut , als dazu gehört , aus sicherem Versteck den Pfeil zu schleudern , der ein armes Weib tödlich verwundet oder den Ruf eines schuldlosen Mädchens in den Kot zieht ? Ich kann es nicht verhindern , daß sie sich zu diesem Opfer versteht « , sprach er achselzuckend weiter , » ich am allerwenigsten . Man könnte ja sonst sagen , ich sei mehr für ihr Leben besorgt , als für das meiner Gemahlin . « Die Schwester schloß jetzt die Vorhänge , nur Klaudines weiße schöne Gestalt sah man noch einen Augenblick inmitten des Zimmers . » Von Arm zu Arm , Kollege « , klang eben des Professors Stimme , » es ist sicherer . « Aber der Herzog sah und hörte es nicht mehr , er hatte schon das Zimmer verlassen . Er durchmaß in furchtbarer Erregung das Zimmer der Herzogin , das nämliche , in welchem er Klaudine von seiner Neigung gesprochen . Er hätte Jahre seines Lebens in diesem Augenblick gegeben , um jene Stunde ungeschehen zu machen . » Armes Mädchen , armes Weib ! « Das hatte er nicht gewollt ! Er hatte nach diesem Glück gestrebt mit dem Verlangen eines Menschen , der gewohnt ist zu siegen . Für die schöne Hofdame seiner Mutter hatte er eine aufrichtige starke Neigung gefühlt , sie wies ihn zurück , und er ließ sich zurückweisen . Zum erstenmal beugte er sich vor einem charaktervollen Weibe , und sein Vergehen wurde zum Verhängnis . Wer um Gottes willen mochte Klaudine bei der Herzogin verleumdet haben ? Über die Stirn Seiner Hoheit rann kalter Angstschweiß . » Nur noch so viel Frist « , sagte er halblaut , » um ihr alles zu erklären , nur so viel , daß sie nicht sterben muß in dem Glauben , ich sei schuldig . « Sie hatte ihn vergöttert trotz aller seiner Fehler , trotz aller Kälte , aller Gleichgültigkeit . Er glaubte ihre Augen auf sich gerichtet zu sehen mit dem alten innigen Leuchten , von dem er so oft ungeduldig den Blick gewandt . Sie hatte immer so still dahingelebt , so dankbar für jeden Liebesbrocken , den er ihr zuwarf , so selig über ein zärtliches Wort , so bescheiden in ihren Ansprüchen . Ihre kleinen Fehler , ihre Schwächen , wie gering erschienen sie ihm in dieser Stunde ! Er stand am Fenster still und dachte an den Tag heute vor elf Jahren . Auch damals hatte man um ihr Leben gebangt , Er sah sich an ihrem Lager , an der Wiege seines Erstgeborenen , sie hatte so blaß dagelegen , nur ihre Augen hatten gestrahlt , trotz aller Mattigkeit hatte sie so stolz gelächelt . Er hatte damals nur kurze Dankesworte gehabt für sie , sein ganzes Interesse war dem Kinde zugeflogen , dem Erben . Sie hatte ja nur ihre Pflicht erfüllt . Er lehnte plötzlich den Kopf an die Scheiben und wischte sich heimlich über die Augen . Wollte man noch nicht berichten , wie es dort drüben stand ? Das ganze Schloß lag wie unter einem unheimlichen Banne . Auf den Gängen brannten die Lampen trübe und standen die Diener mit verstörten Gesichtern , unten saßen die Herren des Hofes beisammen ,