Das Möskefest Rheinsberg von Berlin aus zu erreichen ist nicht leicht . Die Eisenbahn zieht sich auf sechs Meilen Entfernung daran vorüber und nur eine geschickt zu benutzende Verbindung von Hauderer und Fahrpost führt schließlich an das ersehnte Ziel . Dies mag es erklären , warum ein Punkt ziemlich unbesucht bleibt , dessen Naturschönheiten nicht verächtlich und dessen historische Erinnerungen ersten Ranges sind . Wir haben es besser , kommen von dem nur drei Meilen entfernten Ruppin und lassen uns durch die Sandwüste nicht beirren , die , zunächst wenigstens , hüglig und dünenartig vor uns liegt . Fragt man nach dem Namen dieser Hügelzüge , so vernimmt man immer wieder » die Kahlenberge « . Nur dann und wann wird ein Dorf sichtbar , dessen ärmliche Strohdächer von einem spitzigen Schindelturm überragt werden . Mitunter fehlt auch dieser . Einzelne dieser Ortschaften ( z.B. Braunsberg ) sind von französischen Kolonisten bewohnt , die berufen waren , ihre Loire-Heimat an dieser Stelle zu vergessen . Harte Aufgabe . Als wir eben genanntes Braunsberg passierten , lugten wir aus dem Wagen heraus , um » französische Köpfe zu studieren « , auf die wir gerechnet . Wie heißt der Schulze hier ? fragten wir in halber Verlegenheit , weil wir nicht recht wußten , in welcher Sprache wir sprechen sollten . » Borchardt . « Und nun waren wir beruhigt . Auch die südlichen Rassegesichter sahen nicht anders aus , als die deutsch-wendische Mischung , die sonst hier heimisch ist . Übrigens kommen in diesen Dörfern wirklich noch französische Namen vor und » unser Niquet « z.B. ist ein Braunsberger . Die Wege , die man passiert , sind im großen und ganzen so gut , wie Sandwege sein können . Nur an manchen Stellen , wo die Feldsteine wie eine Aussaat über den Weg gestreut liegen , schüttelt man bedenklich den Kopf in Erinnerung an eine bekannte Kabinettsorder , darin Friedrich der Große mit Rücksicht auf diesen Weg und im Ärger über 195 Thlr . 22 Gr . 8 Pf . zu zahlende Reparaturkosten ablehnend schrieb : » Die Reparation war nicht nöthig . Ich kenne den Weg und muß mir die Kriegs-Camer vohr ein großes Beest halten , um mir mit solches ungereimtes Zeug bei der Nahse kriegen zu wollen . « Der König hatte aber doch unrecht , » trotzdem er den Weg kannte « . Erst auf dem letzten Drittel wird es besser ; im Trabe nähern wir uns einem hinter reichem Laubholz versteckten , immer noch rätselhaften Etwas , und fahren endlich , zwischen Parkanlagen links und einer Sägemühle rechts , in die Stadt Rheinsberg hinein . Hier halten wir vor einem reizend gelegenen Gasthofe , der noch dazu den Namen der » Ratskeller « führt , und da die Turmuhr eben erst zwölf schlägt und unser guter Appetit entschieden der Ansicht ist , daß das Rheinsberger Schloß all seines Zaubers unerachtet doch am Ende kein Zauberschloß sein werde , das jeden Augenblick verschwinden könne , so beschließen wir , vor unserem Besuch ein solennes Frühstück einzunehmen und gewissenhaft zu proben , ob der Ratskeller seinem Namen Ehre mache oder nicht . Er tut es . Zwar ist er überhaupt kein Keller , sondern ein Fachwerkhaus , aber eben deshalb , weil er sich jedem Vergleiche mit seinen Namensvettern in Lübeck und Bremen geschickt entzieht , zwingt er den Besucher , alte Reminiszenzen beiseite zu lassen und den » Rheinsberger Ratskeller « zu nehmen , wie er ist . Er bildet seine eigene Art , und eine Art , die nicht zu verachten ist . Wer nämlich um die Sommerszeit hier vorfährt , pflegt nicht unterm Dach des Hauses , sondern unter dem Dache prächtiger Kastanien abzusteigen , die den vor dem Hause gelegenen Platz , den sogenannten » Triangelplatz « umstehen . Hier macht man sich ' s bequem und hat einen Kuppelbau zu Häupten , der alsbald die Gewölbe des besten Kellers vergessen macht . Wenigstens nach eigener Erfahrung zu schließen . Ein Tisch ward uns gedeckt , zwei Rheinsberger , an deren Kenntnis und Wohlgeneigtheit wir empfohlen waren , gesellten sich zu uns , und während die Vögel immer munterer musizierten und wir immer lauter und heiterer auf das Wohl der Stadt Rheinsberg anstießen , machte sich die Unterhaltung . » Ja « , begann der eine , den wir den Morosen nennen wollen , » es tut not , daß man auf das Wohl Rheinsbergs anstößt . Aber es wird freilich nicht viel helfen , ebensowenig , wie irgend etwas geholfen hat , was bisher mit uns vorgenommen wurde . Wir liegen außerhalb des großen Verkehrs und der kleine Verkehr kann nichts bessern , denn was unmittelbar um uns her existiert , ist womöglich noch ärmer als wir selbst . Durch ein unglaubliches Versehen leben hier zwei Maler und ein Kupferstecher . Der Boden ist Sandland , Torflager gibt es nicht , und die Fischzucht kann nicht blühen an einem Ort , dessen sämtliche Seen für vier Taler Preußisch verpachtet sind . « Wer weiß , wo diese Bekümmernisse schließlich gelandet wären , wenn nicht eine große Festfahne , die von einigen Kindern an uns vorübergetragen wurde , den Klagestrom unterbrochen , uns selbst aber zu der Frage veranlaßt hätte : was ist das ? » Das ist die Fahne vom Möskefest , die man hat reparieren lassen « , erwiderte der andere , dessen gute Laune das Gegenstück zu der Morosität seines Nachbarn bildete . » Der sie trägt , ist Fähnrich Wilhelm Huth , und der ihm zur Rechten geht , heißt General Eduard Netzeband ; sitzt seit Ostern in Quarta . « Diese Bemerkungen machten uns natürlich begierig , mehr zu hören , und so vernahmen wir denn , was es mit dem Möskefeste eigentlich sei . Da diese Feier der Stadt Rheinsberg eigentümlich ist , so darf ich wohl einen Augenblick dabei verweilen . Das Möskefest ist ein Kinderfest , das alljährlich am Sonntage vor Pfingsten gefeiert wird