sich und ihren Gästen aufrecht erhielt . Die kleine Amerikanerin streckte ihm die Hand entgegen und begann mit ihrer hellen modulationslosen Stimme erregt auf ihn einzureden . Sie wollte wissen , ob er auch im Bargello die » entzückenden « Putten Donatellos gesehen habe und im Palazzo Pitti das furchtbar interessante Bildnis Luigi Cornaros ; dann frug sie ihn unvermittelt , ob es wahr wäre , daß er eine wirkliche alte deutsche Ritterburg besäße , und riß die runden Augen vor Entzücken über seine bejahende Antwort noch weiter auf . Konrad bemerkte , wie Carlo Savelli unruhig wurde . Ach so , - er hatte völlig vergessen , daß er dem Vetter seine Hilfe versprochen hatte ! » Kann man Ihre Burg besichtigen ? « forschte Miß Maud , rot vor Eifer . » Sie ist für Fremde nicht zugänglich , « antwortete er schroff , sich im stillen über den Grad der Unhöflichkeit wundernd , den er sich abgenötigt hatte . Carlos dankbarer Blick traf ihn zugleich mit einem Aufleuchten aus Norinas dunklen Augen . Er zwang sich dazu , es nicht zu bemerken . Die Amerikaner rüsteten zum Aufbruch . » Sie haben mir versprochen , Graf Savelli , uns Ihren Palazzo zu zeigen , « erklärte Miß Maud . » Es ist wenig an ihm zu sehen , « sagte Norina , sich erhebend . » Und wohl auch schon zu dunkel , « fügte Konrad rasch hinzu , der ihre Empfindung verstand . » Oh , ich habe gute Augen , « meinte die Amerikanerin , » und - « dabei traf ein langer koketter Blick den jungen Grafen , dem die Freude darüber das Antlitz dunkler färbte - » ich liebe es so sehr , mit meiner Phantasie so wundervolle Räume einzurichten . « Schon öffnete Carlo Savelli die Türe . » Du gestattest wohl , daß ich euch hier zurückerwarte , « sagte Norina kalt und , zu Konrad gewendet , mit sprechender Bitte in den Augen : » Sie wissen ja auch Bescheid - « In diesem Augenblick erschien Battisto . Sein Mund war geschwollen . Er räumte Teller und Gläser fort . Norina würdigte ihn keines Blicks . Eine Empfindung tiefster Beschämung ergriff Konrad . Wie hatte er sie auch nur mit einem leisen Gedanken verdächtigen können ! - Die Amerikanerin war wie ein Wirbelwind . Sie öffnete eigenmächtig alle Türen . Wohltätiges Dämmerlicht verhüllte , was des Verhüllens wert war , und ließ die Räume selbst nur noch gewaltiger erscheinen , so daß Miß Maud ihr zwitscherndes » Wundervoll ! « nicht oft genug wiederholen konnte . Mrs. Vanrosendahl äußerte sich kaum ; nur einmal sagte sie zu Konrad : » Mit einigen tausend Dollars ließe sich hier eine fürstliche Umgebung schaffen . « Ihre Tochter durchstöberte indessen alle Winkel . Ehe Graf Savelli hindernd dazwischenspringen konnte , hatte sie eine weitere Tür aufgerissen . Helles Licht strömte in den Flur . » Meiner Schwester Zimmer , « sagte der Graf in sichtlicher Verlegenheit . Konrad hätte sich am liebsten rücksichtslos den Eingang wehrend in den Rahmen der Tür gestellt . Aber schon tönte ihm Miß Mauds » Ah « und » Oh « entgegen . Er war genötigt , so sehr er sich davor scheute , sich umzusehen . Es war kein Zimmer . Es war ein Atelier . Kopien alter Meister hingen an den hellen Wänden , stets dasselbe Motiv in seinen hundert Variationen - die Madonna mit dem Kinde - wiederholend , Skizzen italienischer Landschaften , mit einem Mut zur Farbe gemalt , wie er Frauen sonst zu fehlen pflegt , lagen auf schweren , alten Renaissancetischen , oder lehnten in den verblichenen Seidenbezügen hoher , in ihrem Holz vom Alter schwarz gewordener Stühle . Was aber dem Raum seinen eigentlichen Charakter verlieh , ihn wie einen Märchengarten erscheinen ließ , den zu betreten nur Berufenen erlaubt sein dürfte , - Konrad empfand sein Hiersein wie eine Entweihung , und das der Amerikaner fast wie ein Sakrileg - das war die Fülle der Blumen : Aus hohen Vasen und breiten Tontöpfen wuchsen sie empor , von Konsolen und Regalen rankten sie sich hinunter , mit ihren Düften und ihren Farben die ganze Luft erfüllend . Selbst das schwatzhafte Mädchen fand minutenlang keine Worte , bis sie dicht ans Fenster vor die Staffelei trat , die eben erst verlassen zu sein schien . » Sieh nur , Mutter , sieh , « schrie sie auf , » das ist ja fast derselbe Stoff , den wir heute morgen im Palazzo Strozzi gekauft haben ! « Konrad sah , wie Savelli erblaßte und die Zähne in die Unterlippe grub . Er trat näher : wie Mondlicht schimmernde Seide war über die Leisten gespannt , und Blumen voll farbenglühenden Lebens hatte der Pinsel eines großen Künstlers darauf geworfen . Konrad erschrak , war aber rasch wieder Herr seiner selbst . Er lächelte die beiden Damen an und sagte : » So wissen Sie noch nicht , daß die Florentiner Modedamen , soweit sie nur den Pinsel führen können , es als eine Eitelkeitspflicht betrachten , sich die Stoffe ihrer Soireetoiletten selbst zu malen ? Man versteckt dabei sorgfältig das gewählte Muster vor den Augen der Freundinnen , um vor jeder Kopie sicher zu sein . « » Oh , ich verstehe , ich verstehe ! « rief Miß Maud , in die Hände klatschend , » das muß ich auch lernen - gleich ! - , Graf Savelli , Sie werden mir die Adresse eines Lehrers verschaffen - heute noch ! « Mit einem erlösten Aufatmen versprach er es . » Aber Sie müssen eine Bedingung stellen , lieber Vetter , « wandte sich Konrad scheinbar scherzend an ihn , » daß die Damen von ihrem heimlichen Einbruch in das Atelier der Frau Marchesa nichts verraten . Sie würde sicher untröstlich sein . « Miß Mauds Gesicht überzog ein tiefes Rot , und mit dem Ausdruck eines gescholtenen Kindes , das