? ! « » Du sollst mich beruhigen ! « Ein kräftiges Klopfen tönte in diesen Wettstreit hinein . » Wenn es nicht das Pochen des Schicksals ist , ist es Theresens Knöchel . Beide klopfen mit gleicher Härte , « sagte Allert . Herr Leutnant Rositz waren da und hatten befohlen , seine Schwester noch nicht zu benachrichtigen , sondern allein erst die gnädige Frau . Aber Sophie hatte in keiner Hinsicht Verlangen nach einer Zwiesprache mit Viktor Rositz und bat Allert , mit nach vorne zu kommen . Tullas Bruder zeigte eine gewisse feierliche Gemessenheit . Er reichte Allert die Hand und betonte , daß es ihm ein Vergnügen sei , auch den älteren Sohn von Frau von Hellbingsdorf kennen zu lernen , für die seine Familie eine unbegrenzte Verehrung und Dankbarkeit empfinde wegen aller Güte , die sie dem Verstorbenen wie auch nun der jungen Tulla bewiesen habe . Es war gar nicht möglich , dies alles konventioneller zum Ausdruck zu bringen , als er es tat . Und dann brachte er die Frage an , ob er in Gegenwart des Herrn Sohnes sprechen dürfe ... Aber Sophie sagte schnell in seine Frage hinein , daß es gar nichts gäbe und nichts an sie herankommen könne , was sie nicht mit ihren Söhnen teile ... Viktor Rositz fühlte sich ein bißchen unfrei . Er dachte : man kennt ja das Terrain nicht ... Saß ihm da in diesem stattlichen Mann , mit dem offenen Gesicht und den beinahe unangenehm klugen Augen ein künftiger Schwager gegenüber ? Mama hatte es bestimmt behauptet : Tulla ist offenbar in einen der Söhne von der Hellbingsdorf verliebt . Der Oberleutnant Raspe war es nicht ! Das stand für Viktor fest . Der Abschied am Bahnhof war bestimmt keiner wie zwischen Verliebten und heimlich Verlobten gewesen . Also war ' s dann der Kaufmann ? Egal , ob der Oberleutnant oder der Kaufmann . Es paßte Mama nicht . Die wollte für Tulla ' n reichen Mann , damit ihr nicht etwa ' ne Offiziersmenage beständig auf der Tasche liege ; und wenn schon ' n Offizier ohne Vermögen , dann doch Garde , aber nicht Linie . Und so Kaufleute ! Fabrikanten ! Die brauchen Kapital . Das wußte Mama - sie kam ja aus der Großindustrie . - Mama hatte gedacht : wenn da Tulla mit den Söhnen ein bißchen flirtet - immerzu - dann langweilt sie sich nicht . Aber was Ernstes ? Und das schien doch aus Tullas Brief an Fiffi - aus dem Fiffi Bezeichnendes mitgeteilt hatte - hervorzugehen . Natürlich , wenn Tulla sich schon gebunden hatte ! Viktor hielt es für undenkbar , daß nicht einer der beiden Hellbingsdorf sich das Goldfischchen gefangen hätte - dann war nichts mehr zu wollen . Er hatte der Mama auch seine Meinung gesagt ! Um Tulla im Moment los zu sein , machte sie sich nicht klar , daß man ein Risiko lief . Na , und da hatte Mama denn gemeint : reise hin , sondiere , und ist es zu spät , handle gleich ab und bereite darauf vor , daß ich nicht sehr freigebig zu sein denke . Das wäre ja eine greuliche Aufgabe gewesen . Denn feindselig und knickerig mochte Viktor durchaus nicht wirken . Aber dieser unerwartete Fund in Papas Archiv erleichterte doch alles . Dies Testament - das gab ja Handhabe und Möglichkeiten - entlastete Mama im Fall einer ihr nicht zusagenden Heirat Tullas und besonders einer Heirat mit einem Hellbingsdorf ... Viktor kam sich ungeheuer verantwortlich vor und nahm mit ernster Miene Platz . » Wenn Sie , meine gnädige Frau , alles mit Ihren Herren Söhnen teilen , bedaure ich , daß Herr Oberleutnant nicht ebenfalls zur Stelle ist . Er war es , der mir damals in Ihrem Auftrage Papas Mappe brachte , mit dem wertvollen Inhalt - wie sehr würde es gerade ihn interessiert haben , daß ich heute komme , um einen Teil jenes damals Ueberbrachten zurückzuerstatten - nur einen kleinen Teil , « fügte er flink den feierlich langsamen Worten an . » Mir ? « fragte Sophie und schüttelte in vollem Unverständnis leise den Kopf . » Ist es Ihnen erstaunlich ? Ja , es gibt so Sachen - schließlich nicht mal wunderlich - - « Nun hatte er die Verpflichtung zum Feierlichen überwunden und geriet zwanglos hinein in das flotte Tempo seiner gewohnten , fragenden Sprechart . » Nicht wahr ? Gibt es nicht Verhältnisse ... ? Sie kennen Mama nicht ? Aber - ich kann ' s ja wohl ohne Respektverletzung sagen ? Nicht ? Sehr innig war das Verhältnis zwischen Papa und Mama nicht . Das werden Sie wissen ? So hatte Mama keine blasse Ahnung , daß Papa eigenes Vermögen besaß . Viel war es ja nicht ... Woher sollte es auch kommen ? Es war das bißchen Erbschaft von Tante Laura Rositz ... Wir merkten es dann an den Abrechnungen und einem Depotschein im Schreibtisch - und dann kam ja Ihr Herr Sohn mit der Mappe ... Und dann gab es Zank . Wem gehörte das nu ? Mama sagte : ihr . Wir sagten : uns . Ist bei so was nicht immer Zank ? Und es hieß : da muß doch ' n Testament sein . Man fand nichts . Kehrte den ganzen Schreibtisch um - nee - keins zu finden . Glauben Sie wohl ? « Sophie saß ganz still . Eigentlich nicht sehr voll Spannung . Doch aufmerksam . Und auch im Gemüt bewegt , daß ihr der Verlust des Freundes durch diesen Sohn und seinen Bericht wieder so deutlich vor die Seele trat . » Mama ist göttlich ! Da , wo sie hätt ' suchen müssen , suchte sie nicht . Papa hatte eine Art Schrank - inwendig lauter Fächer - Genealogisches . Die Rositz sind ja alte preußische Beamtenfamilie - standesamtliche Scheine - all solche Sachen . Er nannte das sein Archiv .