. Gegen deine kindische Schamlosigkeit bin ich machtlos . « Er tat einen Gang durch die Stube und blieb beim Erker stehen . » Nachtigall ? Hast du das gehört ? Was der Junge in seiner bösen Knabentorheit schwatzt , ist eine Komödie , daß meine Pariser Fratzenschneider mir keine lustigere vorspielen könnten . « Langsam streckte sich der Bucklige . Seine Zunge , wie die Zunge eines Dürstenden , leckte über die bläulichen Lippen . Und seine Augen brannten . » Ich wüßte dir eine , die noch lustiger wäre . « » Spiele sie ! « schrie Herr Ludwig . In die Wangen des Prinzen stieg eine krankhafte Röte . » Um diese Komödie für deine heiteren Nächte schreiben zu können , müßt ' ich erst wissen , wie es der Oheim Galeaz Visconti machte , als er zu Mailand deinen Großvater Barnabas von der Herrschaft wegschob . Hat er ihn nicht auch im Kerker erwürgen lassen ? « Herr Ludwig stand eine Weile regungslos , in Entsetzen den Sohn betrachtend . Dann drehte er das Gesicht zum Erker . » Schweig , Nachtigall ! « Die Laute verstummte . » Und verhänge die Käfige ! Meine Vögel sollen nimmer singen . Aber bleibe bei mir ! Ich mag nicht allein sein - mit diesem Kind ! « Während Peter Nachtigall mit dunkelroten Tüchern die Käfige verhängte , ging Herzog Ludwig rasch auf den Prinzen zu und schrie : » O du Laus du ! « Er wurde ruhig . Die Kraft seines Lieblingswortes schien den wühlenden Zorn in ihm beschwichtigt zu haben . Ernst , beinahe traurig , sagte er : » Höckerlein ! Laß dich warnen ! Die Geschichte ist ein Schulmeister . Ermuntern soll das Vorbild der Guten . Das Schicksal der Bösen soll abschrecken . « Der Bucklige lächelte fein . » Das ist eine bequeme Lehre für solche , die bös gewesen . Wenn die Maus satt ist , erzählt sie , das Mehl wäre bitter . « Die Augen des Herzogs erweiterten sich . » Was soll das heißen ? « » Ich habe heut in alten Pergamenten gekramt . Da fand ich eine Urkund , in der sich dein Vater eidlich von dir versprechen ließ , daß du ihn zeitlebens ungekränkt bei Gewalt und Fürstentum lassen solltest . « Dem Herzog fuhr eine heiße Blutwelle ins Gesicht . Und freundlich fragte Prinz Ludwig : » Ist diese Urkund eine Fälschung ? « Ein wühlender Kampf im Herzog . » Nein . « » Also hatte dein Vater Ursache , sich das von dir versprechen zu lassen ? Wenn es dich beruhigt , Vater , unterschreib ich dir das gleiche Pergamente . « In der Stube war dumpfe Stille . Verschwommen klang aus den Höfen das Geläut der Jagdhunde und die lärmende Heiterkeit des großen Menschenschwarmes . Sich nach vorne beugend , sagte Herr Ludwig mit zerdrückter Stimme : » Kind ! Sieh meine Augen an ! Sind sie naß ? « Heiter lächelte der Bucklige . » Ich weiß ein Sprichwort : Besser , es weint der Vater als das Kind . Oder heißt es anders ? « Lange schwieg der Herzog . Dann sagte er , äußerlich ruhig , doch mit einem Beben in der Stimme : » Höckerlein ! Mir graut vor deiner Seele . In dir verbindet sich mein Mutwille und meine Gewalttätigkeit mit Vetter Heinrichs Niedertracht und Schläue . In jeder List und Verschlagenheit bist du so wohl unterrichtet wie deine Tante in Frankreich . Du kannst ein Fürst werden , von dem die nachkommenden Geschlechter viel erzählen « » Meinst du , viel Gutes ? « » Nein ! Empörung und Meineid stehen auf deiner Stirne . In seltener Mischung ! Die solltest du fortpflanzen . Um der Rarität willen ! Wirb ! Wirb ! Wirb ! Er wäre möglich , daß eine dich nimmt . Dir fehlen Herz und Bauch , du hast nur Hirn und Geschlecht . Für gesunde Weiber ist das zu wenig . Aber ich habe Weiber kennengelernt , die am kranken Grauen und am körperlichen Widersinn eine Freude hatten . Ein Weib wirst du also finden . Aber keine wird dich mit einem Sohn beschenken . Das Weib , das du zur Mutter machst , wird Katzen gebären . Oder sie müßte dich mit ihrem Koch betrügen . Da gibt es Beispiele . « Herr Ludwig atmete tief . » Böse ? Ja , mein zärtliches Kind ! Man darf böse sein . Wenn das Notwendige nicht im Guten vorwärts will . Aber können muß man ' s. Nicht schwach darf man sein . Wie die kleine Laus von Burghausen . Fäuste muß man haben und Herz und Blut und Knochen ! Und ein Lachen muß man besitzen , das die guten , dummen Menschen versöhnt . Du bist ein armseliger Tropf im schwächlichen Hunger deiner kranken Knabensinne , die faul geworden , ehe sie noch reif wurden . Geh aus meiner Stube ! Flink ! Und greif dir eine von meinen Badmägden , die mir nur die Waden kneten dürfen und die Sohlen schaben ! Geh ! Ich mag dich heut nimmer sehen . « Mit aschfarbenem Gesicht , doch immer lächelnd , machte Prinz Ludwig seinen langsamen , wippenden Käferschritt und verließ die Stube . » Nachtigall , spiele mir was , und laß die Vögel wieder singen ! « Herr Ludwig ging erregt in der Stube auf und nieder . » Drei Kinder wurden mir in Paris geboren und starben jung . Ihre zwei Mütter hatten zu wenig Sonne im Leib , um meine Kinder für das Leben reif zu machen . Nur diesen einzigen , der noch lebt - « Der Herzog sprach den Satz nicht zu Ende . Seine Schritte wurden schneller , und in Zorn murrte er vor sich hin : » Allerlei Kostbarkeiten habe ich aus Paris davongetragen . « Er sah zur Türe hinüber . » Um eine zu viel ! « Ein