er , sein Vater müßte gewiß kommen , und er müßte ihm entgegenfahren . Und als seine Mutter hinterm Hause war und die Schweine fütterte , da machte er seinen Kahn los und wriggte wieder weg , um seinen Vater zu holen . Wenn er den Ewer mitbrächte , würde sie sich schon freuen und nicht mehr schelten : mit dem Gedanken tröstete er sich , als er die Reihe der Segel absuchte . Auf der Rückfahrt hatte er wegen des scharfen Ostwindes sehr zu pulen und kam deshalb erst spät am Abend zurück . » Klaus , worüm büst du nu wedder wegschippert ? « fragte Gesa erregt , » wullt du ober Burd fallen , oder schöt de Dampers di inne Grund jogen ? « Störtebeker pustete den Kaffee , der zu heiß war , und biß von seinem Brotknust ab , ohne etwas zu erwidern . » Junge , du Eegenbuck ! Wat büst du förn Jungen ! Dien Mudder hett di woll gor nix mihr to seggen ? « fragte sie bebend . » Du weeß doch ganz god , wat ik up Vadder teuft hebb « , erwiderte er geruhig und setzte abweisend hinzu : » Nu lot mi doch tofreeden , Mudder ! « Da konnte Gesa sich nicht mehr halten , der Zorn überschrie alles andere in ihr , und sie schlug ihn sehr . Er stand still und ließ sich schlagen , weder wehrte er sich , noch lief er weg , noch schrie er : fest biß er die Zähne aufeinander , um keinen Laut von sich zu geben . Den andern Tag holte sie ihn mehr als einmal mit dem Stock vom Bollwerk zurück , so daß er nicht entkommen konnte , aber den Morgen darauf flüchtete er wieder vom Deich und blieb den ganzen Tag auf der Elbe . Wie wünschte er seinen Vater herbei ! Wenn er doch käme , der grüne Ewer ! Sonst gab es heute abend ja wieder etwas mit dem Stock ! Aber sein Vater kam nicht , und er mußte schließlich doch zurückwriggen . Er hatte den ganzen Tag nichts gegessen , nur aus der Elbe getrunken hatte er , und war sehr hungrig . Triefend von Regen , stand er auf der Schwelle und guckte seine Mutter an , die schon bei der Lampe saß , als wenn er sagen wollte : nu hau mi man wedder ! * * * Sie ließ ihn nun nicht mehr aus den Augen und hielt ihn auch einige Tage fest . Streng achtete sie darauf , daß ihn niemand mehr Störtebeker nannte , daß er wieder Klaus Mewes gerufen wurde : sie ging selbst zu dem alten Schulmeister Möhlmann hinunter , damit es den Kindern verboten würde , den Jungen Störtebeker zu nennen : aber damit erreichte sie nur das Gegenteil von dem , was sie wollte , denn nun riefen die Jungen erst recht Störtebeker . Eines Tages fand sie ihn am Binnendeich sitzen . Mit geschlossenen Augen hockte er auf einem Hummerkasten von Grimsby und stieß mit den Füßen gegen ein Brett , das zwischen den Kurrbäumen steckte , so daß es regelmäßig knarrte . Sie trat näher , und als sie sein glückliches Gesicht sah , fragte sie ihn weich : » Wat schall dat denn , Klaus ? « Er schüttelte erst heftig den Kopf , als wenn er nicht gestört werden wollte , dann aber besann er sich und sagte leise : » Mok de Ogen ok mol to , Mudder ! « - » Wat schall dat denn , Junge ? « - » Moks doch mol to , Mudder , och man to ! « - » Ik hebbs jo all to , Klaus . « - » Ganz fast ? « - » Jo , ganz fast ! « - » Denn sünd wi up See , Mudder « , sagte er verträumt , » kannst hürn , wat dat boben unsen Kupp gnarrt ? Dat deit de Gaffel , wenn de Eber oberholt , Mudder ... Twee Stünnen hebbt wi de Kurr all ut , Mudder , gliek möt wi intehn , denn schallst mol sehn , wat denn een Leben ward , wat denn de Meben anflegen kommt ! ... Kannst Seemann dor blangen den Kumpaß liggen sehn ? Dor slöpt he jümmer inne Fohrt , Mudder ... Kiek , dor steiht Kap Horn ! Paß up , gliek holt he sien Harmonika ut de Koi un speelt een up , - dat hürt sik up See veel beter an as an Land , Mudder , ne ? ... Hein Mück schillt Kantüffeln , gliek gift brodte Schullen , de scheut ober smecken ... Kannst sehn , Mudder , dor achter dat Land , dat hoge , rode ? Dat is Hilchland « So verlor Störtebeker sich weit in seine Seefahrt und erzählte immerzu . Gesa saß auf dem Kurrbaum , der die eingeschnitzten Zeichen H.F. 125 trug , und hörte zu , während ihre Augen sich verdunkelten . » Woneem is Vadder denn ? « fragte sie zuletzt erschüttert . » Vadder ? « rief er verwundert , » Vadder ? De steiht hier jo bi uns ant Rur , de hett jo de Wacht ! Hür mol , wat he lachen kann ! « Da wandte sie sich ab und ging ins Haus zurück , er aber saß noch lange und horchte auf das Rauschen der Eschen wie auf Meeresbrausen . * * * Manchmal wachte Gesa nachts auf und hörte ihn im Traum sprechen , immer war er dann auf See bei seinem Vater . Tagsüber aber lag er wieder auf dem Wasser . Ungeachtet aller Schelte und Schläge brach er immer wieder aus ; sie konnte nichts mit ihm aufstellen . Die Elbfischer , denen sie ihre Not geklagt hatte , machten Jagd auf ihn wie auf ein Wild und vertrieben ihn , wo sie ihn sahen , er ging ihnen