ja eine viel , viel größere und eine viel , viel wirksamere Hilfe als Athabaska und Algongka , die Ihr auch schon kennen lerntet ! Wissen sie , wer Ihr seid ? « » Nein . Ich verschwieg es ihnen . Wir waren Mrs. und Mr. Burton , weiter nichts . « Da strahlte sein sonst so ernstes Gesicht vor Vergnügen förmlich auf . » Wie mich auch das erfreut , auch das ! « sagte er . » Welch eine Ueberraschung , wenn man euch erkennt ! Welch ein tiefer , schöner und beglückender Eindruck auf Tatellah-Satah , meinen geliebten Meister , wenn er erfährt , daß Old Shatterhand nichts Anderes will als er ! Ihr wurdet gewünscht , aber doch gefürchtet , Mr. Burton ! « » Warum gefürchtet ? « » Weil Tatellah-Satah Euch äußerlicher nimmt , als Ihr seid . Weil er befürchtet , daß Ihr dem geplanten Denkmale , diesem Prunkwerke oberflächlicher und kurzsichtiger Denker , beistimmen werdet . Eure Stimme wiegt schwer ; das weiß er , und das wissen wir alle . Fällt sie auf die Seite der Prahler , so erwartet uns anstatt der ersehnten Neugeburt die völlige Vernichtung . Die Seele unserer Nation , unserer Rasse ist erwacht . Sie streckt sich ; sie bewegt sich . Sie beginnt zu denken . Sie will ihre Glieder als ein Einiges , als ein Zusammengehöriges , als ein großes Ganzes empfinden . Alle Einsichtigen streben nach diesem beseligenden , Stärke verheißenden Einheitsgefühl . Nun aber seht die Sioux , die Utahs , die Kiowas , die Comantschen ! Sie greifen zu den Waffen , nicht gegen die Weißen , sondern gegen sich selbst , gegen ihre eigene Seele . Sie stehen bereit , diese Seele , die soeben erst im Erwachen ist , wieder niederzutreten , sie für immer zu vernichten . Warum ? « Er wollte diese seine Frage wohl selbst beantworten , aber das Herzle kam ihm schnell zuvor : » Weil Old Surehand , Apanatschka , ihre Söhne und ihr Anhang das wohlberechtigte Nationalgefühl dieser Stämme verletzen , indem sie im Begriff stehen , dem Häuptling der Apatschen eine beispiellos überschwängliche Ehre zu erweisen , die ihm nicht gebührt . « Da warf er einen erstaunten , ja fast erschrockenen Blick zunächst auf sie und dann auf mich . Es war , als ob er glaube , seinen Ohren nicht trauen zu dürfen . » Wie sagte Mrs. Burton ? « fragte er . » Sie nennt diese Ehre eine beispiellos überschwängliche ? « » Ja , das tue ich ! « antwortete das Herzle . » Und daß diese Ehre ihm nicht gebühre ? « » Auch das behaupte ich ! « » Und Ihr liebt unsern Winnetou , Mrs. Burton ? Und Ihr achtet ihn ? « Er war sehr ernst geworden . Er hatte in diesem Augenblicke das Aussehen , als ob sein Gesicht aus Marmor gehauen sei . Denselben Ernst zeigte auch meine Frau . Sie erwiderte : » Ich liebe ihn , und ich achte ihn , wie außer meinem Mann keinen andern Menschen ! « » Und doch sprecht Ihr von Ueberschwang und von Unverdienst ? « Er stand langsam wieder von seinem Sitze auf . Das Herzle tat ebenso . Das Gefühl , daß der gegenwärtige Augenblick ein hochwichtiger sei , ließ Beide nicht sitzen bleiben . Auch ich erhob mich von der Erde . Ich hatte nicht nur dieselbe Empfindung , sondern mir war sogar , als ob in diesem Augenblicke eine Vorentscheidung getroffen werde , von welcher Vieles und Großes abhängig sei . Ich war dreimal älter als dieser junge Mann , aber es fiel mir trotzdem nicht ein , mich nun auch für dreimal klüger zu halten . Für mich personifizierte sich in ihm nicht nur die soeben beginnende Bewegung , die mit dem Worte » Jungindianer « bezeichnet worden war , sondern das Schicksal und die Zukunft der ganzen indianischen Rasse . Er war vier Jahre lang bei den Weißen gewesen und hatte es da , wie es schien , zu ungewöhnlichen Erfolgen gebracht . Er kannte Athabaska und Algongka . Er korrespondierte mit Wakon , dem Berühmten . Er war der Schüler und , wie ich vermutete , der Liebling von Tatellah-Satah , also der Nachfolger meines Winnetou im Herzen und in der Seele des größten Medizinmannes aller roten Nationen . Da mußte ich wohl bescheiden sein . Da hatte ich mich zu hüten , mich zu überheben . Er stand trotz seiner Jugend vollständig geistig ebenbürtig vor mir . Darum entließ ich meine Frau aus dem Gespräch und antwortete an ihrer Stelle : » Grad weil wir ihn in dieser Weise lieben und in dieser Weise achten , darf und kann ich nicht dulden , daß man ihn mir für die Nachwelt lächerlich macht . Man baue sein Monument noch so hoch , in Wahrheit steht er noch höher ! Man zeichne sein Abbild noch so schön , er selbst war tausendmal schöner ! Wer ihm ein sichtbares Denkmal setzt , der erhöht ihn also nicht , sondern der zwingt ihn , herabzusteigen . Er entehrt ihn , anstatt ihn zu ehren . Winnetou war weder Gelehrter noch Künstler weder Schlachtensieger noch König . Er besaß kein einziges öffentliches Verdienst . Wofür also ein Monument ? Und wozu ein so beispiellos seltsames und kostspieliges ? Ein so beispiellos schreiendes ? Womit hat unser unvergleichlich edler Freund eine solche Kränkung , eine solche Beleidigung verdient ? Es ist wahrlich keine Herabsetzung , wenn ich von ihm behauptete , er sei nicht Gelehrter oder Künstler , nicht Schlachtensieger oder König gewesen , denn er war mehr als das Alles : Er war Mensch ! Er war Edelmensch ! Und er war der erste Indianer , in dem die Seele seiner Rasse aus dem Todesschlaf erwachte . In ihm wurde sie neu geboren . Darum war er nur Seele und wollte nur Seele sein ! Und darum hat er nur