der wir Virgilium und Horatium lasen , hat uns gemeinsam in die lateinischen Tugenden der Großmut und Gerechtigkeit eingeführt , ganz zu schweigen von dem Christensinne .... « » Laß Er den Christensinn aus dem Spiel ; ein Rebell ist Er wider Christi Kirche . « » Dem Evangelio diene ich , und meiner Vaterstadt Magdeburg hab ich geholfen , ihre Libertät zu verteidigen , wie es einem Patrioten geziemet . Ach freilich , mein gutes Magdeburg ist hin , der Himmel aber hat mich und mein Weib bis zu dieser Stunde behütet und wird uns vollends erretten . Ja , erretten , Herr Ritter , indem er nämlich Euer Herz aufschließet - sei ' s auch nur um meines Weibes willen , das Euch vorhin gebeten , edelmütig zu sein . « Spöttisch lächelnd nickte Zetteritz , schwieg eine Weile und meinte dann : » Nun gut . Er hat wenigstens sein Geständnis abgelegt ; ich werde nun das Weibsbild verhören . « Und er verließ mich und begab sich in den Raum unter Deck , worauf ich mich wieder setzte und in finster Brüten versank . Nach einer Stunde kam der Korporal und gebot mir , ihm zum Herrn Rittmeister zu folgen . Eine schmale Treppe führte unter Deck . In dem engen Raum , so durch ein klein Fensterlein wenig Licht erhielt , saßen bei Thekla um einen Tisch Zetteritz und ein milchbärtiger stutzerhafter Kornet . Bier in Kannen , Brot und Schinken war aufgetragen . Auf einer Laute klimpernd trällerte der Kornet , ein polierter Affe , und blickte vergnügt auf Thekla , die traurig dasaß , mit einem groben Soldatenwams angetan . Zetteritz betrachtete ebenfalls frech genung meine Frau und weidete sich an ihrer Schönheit , wie auch an ihrer Hilflosigkeit und Verlegenheit . Nun wandte sich Zetteritz zu mir : » Setz Er sich in die Ecke , Tielsch , und bedank Er sich bei der Jungfer Gräfin ; sie hat gebeten , daß wir Ihm zu essen geben . Glaub ' s schon , daß Ihm der Magen knurrt . Wohlan , hier steht zu essen , zugegriffen ! Zapf ihm eine Kanne voll Bier , Korporal , und nimm dir selber eine ! Geh aber wieder auf Deck und sorge , daß wir sein inmitten der Strömung bleiben . Sollst auch immer scharf nach dem rechten Ufer spähen ; die Schweden könnten dorten streifen . « Der Korporal stellte mir eine Kanne auf die Bank und trat ab , worauf Zetteritz mit Stirnrunzeln mich ansprach : » Warum isset Er nicht ? Soll ich Ihm etwan aufwarten ? « » Erlaubet , « sagte Thekla hastig , schnitt Brot und reichte mir eine Schnitte nebst Schinken , wobei sie mir einen zärtlichen Blick schenkte , mich zu ermuntern . Während ich meinen grimmen Hunger stillte , klimperte der Milchbart und sang spöttisch : » Nun friß , mein Schimmel , friß ! Und rühre dein Gebiß ! Kannst du nicht mehr die Glieder rühren , So laß ich dich zum Schinder führen . Drum friß , mein Schimmel , friß ! « Zetteritz wandte sich an Thekla : » Also eine Gräfin Schlick ist das Fräulein ! Ei , ei , wie seltsam doch das Schicksal sein Spiel treibt ! Euer Vater war ein hoher Herr , ein reicher , angesehener Herr . Meine Frau Mutter hat ihn wohl gekannt . Wenn wir nach Güstrow kommen , kann sie Euch erzählen , wie sie in ihrer Jugend mit Eurem Vater verkehrt hat . Ja , ja , der stolze Graf Schlick - und solch jämmerlich , unwürdig Ende hat er genommen ! Doch freilich , Rebellion gegen Kaiser und Kirche nimmt mit nichten ein gut Ende . Übrigens waren die böheimischen Anführer unklug , da sie sich mit dem Winterkönige eingelassen . Diese Memme hat ihnen alles verdorben . Euren Vater , Jungfer Gräfin , hätten sie lieber zu ihrem Könige wählen sollen . Der hatte eine Faust ! Das war ein Soldat ! « » Wie schade ! « witzelte der Kornet ; » dann wäre die Jungfer Gräfin jetzo eines Königs Tochter , und an Eures Thrones Schwelle , Prinzessin , würde das Knie Euer Sänger beugen ; denn auf Ehre , alsdann wäre ich lieber böheimisch als kaiserisch . « Dabei neigte er sich mit spöttischer Untertänigkeit ; dann warf er den Kopf zurück , griff in die Saiten und sang , indem er bald Thekla , bald Zetteritz listig anblinzelte : Es ritt ein Knecht wohl durch das Ried , Da hub er an ein wildes Lied , Gar stürmisch tät er singen , Daß Berg und Tal erklingen . Das hört des Grafen sein Töchterlein In ihres Vaters Prachtkämmerlein . Sie flocht ihr Härlein in Seiden , Mit dem Knechte wollte sie reiten . Wie beide nun zum Walde kamen , Das Rößlein möchte Futter haben . » Feinslieb , hie wöllen wir rasten ; Mein Rößlein will fein grasen . « Er spreitet den Mantel ins weiche Gras , Gebot ihr , daß sie zu ihm saß : » Feinslieb , nun mußt du mich lausen , Mein gelbkraus Härlein durchzausen . « Des härmt sich des Grafen sein Töchterlein , Ihre Zähren glänzten wie Edelgestein . Er schaut ihr finster ins Auge : » Was weinest du , schöne Jungfraue ? « » Wie sollt ich nicht weinen und reuevoll sein ? Ich bin ja des Grafen sein Töchterlein ! Hätt ich meinem Vater gefolget , Frau Königin war ich worden . « Da zog der Grobian Knecht sein Schwert Und mähte der Jungfer Häuptlein zur Erd . » Prinzessin , bin ich dir zu schlechte , So reite mit keinem Knechte ! « » Bravo , bravissimo ! « rief Zetteritz und warf Thekla einen Blick zu , dessen Übermut meinen Grimm anstachelte . Dann rollte er mißtrauisch das Auge zu mir : » He Tielsch ! Erklär Er mir eins : Wie gehet