beugte sich vorwärts , er studierte förmlich ihre Finger , ihre Lippen , seine heißhungrigen Blicke verschlangen gleichsam jede ihrer Gebärden ; der Frau wurde dabei angst und bang , mit Mühe hielt Hill sie ab , dazwischenzufahren , denn er fürchtete nichts . » Kenn ich doch Hausers sanfte Seele « , so drückte er sich mir gegenüber aus . Auf einmal sprang Caspar auf , streckte die Arme in die Luft , stöhnte , starrte vor sich hin , als sehe er einen Geist , dann kehrte er sich um und rannte mit erstaunlicher Geschwindigkeit zur Tür und die Treppe hinunter auf den Platz . Hill folgte ihm unverzüglich , denn er schloß mit Recht , daß Caspar in einer bedenklichen Verfassung sei und daß man ihn so nicht sich selber überlassen dürfe . Als er den Burgberg herunter gegen die Füll lief , gewahrte er ihn noch rechtzeitig und konnte ihn im Auge behalten . Caspar eilte nun durch mehrere Gassen , und zwar ganz unsinnig die kreuz und quer , danach über die Glacis und nach St. Johannis hinüber . Hill folgte in einer Entfernung von fünfzig oder sechzig Ellen und hatte auf jede Bewegung Caspars genau acht . Trotzdem es den Anschein ziellosen Gehens hatte , war doch der Schritt des Jünglings so beschleunigt , ja ungeduldig , als wolle er ein vor ihm fliehendes Etwas erhaschen . Es ging nun durch die Mühlgasse , am Ende dieser Gasse breitet sich das flache Feld aus und die Straße verwandelt sich in einen Wiesenweg , der längs der Mauer des Johanniskirchhofs zur Pegnitz und zum Wald hinunterführt . An der Kirchhofsmauer , die so niedrig ist , daß auch ein mittelgroßer Mensch leicht über sie hinwegblicken kann , blieb Caspar jählings stehen , riß den Hut vom Kopf und preßte die Hand gegen die Stirn . Es wird Eurer Exzellenz bekannt sein , eine wie ungeheure Wirkung schon früher einmal bei der Annäherung an den Gräberort an ihm wahrgenommen worden ist . Er schien zu zittern , er atmete mit offenem Mund , seine Züge drückten Grauen aus , die Hautfarbe wurde bleifahl , er sah aus , als könne er sich nicht losreißen , plötzlich aber stürzte er so schnell weiter , daß sein Beobachter Mühe hatte , ihm nah zu bleiben , auch dachte Hill , Caspar müsse ins Wasser stürzen , da er am Flußufer in ein wildes Torkeln geriet . Glücklicherweise wandte er sich gegen den nahen Forst und verschwand alsbald zwischen den Stämmen . Hill hatte Angst , daß er ihm entkommen könnte ; er bemerkte einige Arbeiter , die an einer Erdgrube Sand schaufelten , und forderte sie auf , ihm zu helfen ; drei oder vier gesellten sich zu ihm , und sie drangen verteilt ins Gehölz ; doch Hill selbst war es , der Caspar nach langem Suchen und als er schon höchlichst besorgt wurde , zuerst wieder erblickte . Er sah ihn kniend am Fuß einer mächtigen Eiche , er sah , wie er die Hände aufhob , und hörte ihn mit einer leidenschaftlich flehenden Stimme rufen : » O Baum ! O du Baum ! « Nichts weiter als diese Worte , und mit solchem Gefühl , wie man ein Gebet spricht , wenn der Geist in höchster Bedrängnis ist . Hill sagte aus , er habe es nicht über sich gebracht , ihn anzurufen , überhaupt hat der einfache Mann bei all diesen Vorgängen ein Zartgefühl und eine Menschlichkeit bewiesen , um deretwillen ich ihm meine Anerkennung nicht versagen kann . Die Arbeiter , die er mitgenommen , riefen ihm , er gab ein Zeichen , sie kamen herbei ; Caspar hatte sich indes erschrocken aufgerichtet , blickte die Leute der Reihe nach an , und es schien , als erkenne er Hill nicht . Dieser dankte den Männern und bedeutete ihnen , daß er sie nicht mehr brauche . Von ihm untergefaßt , ließ sich Caspar ohne Widerstand aus dem Forst herausführen ; im Gegensatz zu seinem bisherigen Wesen zeigte er nun eine vollkommene Gelassenheit . Hill fragte ihn , wohin er denn gehen wolle , und nach einigem Zögern antwortete Caspar , er müsse zum Mittagessen zu Herrn Daumer . Da lachte Hill und erinnerte ihn , daß Mittag längst vorbei sei ; als sie vor der Stadtmauer ankamen , begann es schon zu dämmern . Caspar ging jetzt außerordentlich langsam , und trotzdem Hill um vier Uhr auf der Polizeiwache hätte sein sollen , begleitete er ihn noch zu Professor Daumers Haus und wich erst von der Stelle , als sich das Tor hinter seinem Schützling geschlossen hatte . Dies , Exzellenz , die getreue Wiedergabe dessen , was der Mann berichtet hat . Ich habe seine Erzählung , deren Glaubwürdigkeit zu bezweifeln kein Anlaß vorliegt , protokollieren lassen . Aus den Begebnissen selbst weiß ich , wie gesagt , nichts zu machen , auch ist es nicht an mir , den Schlüssen Eurer Exzellenz vorzugreifen . Gestern habe ich mich von Hill zu der Stelle führen lassen , wo Caspar kniend gefunden wurde , denn ich dachte mir , daß da vielleicht etwas Besonderes sei . Es ist , ungewöhnlich bei solcher Stadtnähe , ein friedensvoller Ort ; der Wald ist dicht bestanden , lautlose Einsamkeit fordert zu beschaulicher Stimmung auf . Hill erkannte den Platz mit Sicherheit wieder und zeigte zum Beweis auf Fußabdrücke und zerwühltes Moos . Sonst habe ich nichts Bemerkenswertes wahrgenommen . Der Polizeisoldat , der durch seine Nachlässigkeit in Caspars Bewachung all dieses verschuldet hat , wurde der verdienten Strafe zugeführt . Lord Stanhope an den Grauen : Ich weile noch immer in dem weltentlegenen Nest , obwohl ich zu Weihnachten in Paris sein wollte . Ich sehne mich nach freier Konversation , nach Maskenbällen , nach der italienischen Oper , nach einem Spaziergang auf den Boulevards . Hier sind aller Augen auf mich gerichtet , jeder will teilhaben an mir ; von einer gewissen Hofratsfamilie