wirres Spiel um ihre Türme . Und aus der Tiefe rufen uns starke Stimmen . « * * * In Paris war es , wo er zum Schluß seines Aufenthaltes in ein stilles , weißes Haus draußen über der Seine eingetreten war . Es liegt hoch über dem grünen Fluß an einem grünenden Hange . Ein Rundbau aus Glas . Licht quillt viel herein . Ein Garten voll Blumen umschließt seine Stille . Dort innen stehen in gläsernen Schränken oder auf hölzernen Postamenten tausenderlei Gestalten aus Ton und Stein . Auf Simsen , offen oder verhüllt , ragt dort der Mensch und sein ringendes , rätselgebundenes Leben als ewiges Gleichnis . Dort sah er Schicksal und letzte Begierden in Steinen stumme Sprache sprechen . Dort flüstert der Traum im übervollen Flügelmantel der Schlafenden sein nie erschautes Geheimnis . Und die versunkene , herrliche Athena wirft sich von der Sehnsucht nach einst erfaßt und mit Tränen aufgescheucht über die Trümmer . Dort ragt der stolze Bürger , von der Macht des Triumphators gebeugt . Und das lieblichste Frauenbildnis voll verborgenen Lebens klingt wie ein sanftes Lied zwischen den harten Schicksalsvisionen , die aus andern Steinen sprechen . Dort schlafen Paolo und Franceska wie Lurche im Schlamme der Erde den sinngebundenen Schlaf , aus uraltem Bluttriebe wie mit Polypenarmen nach einander begehrlich tastend in der Düsternis des Grundes . Dort - inmitten dieser Welt aus Steingestalten , darin im Stein über das einzelne Leben hinaus sich ewige , letzte Verschwisterungen der Schicksale offenbarten , also daß Blöcke und Steine rings um ihn Ideen duften wie Blumen ihre Arome , steht ein einzelner Mensch . Keine zerschossenen Fahnen , keine Blutzeichen um sich . Seine - einsame - Schau , seine - großen - Deutungen , dem Erdenklose eingehaucht zum schauenden Erfüllen der Stunde , zum Erhören , zum Erkennen , zum Mitleben aus der Tiefe ins klare Licht , zur Erhöhung des Lebendigen um und um . Ein Einzelner . Kein Triumphator . Kein Bezwinger der Leiber . Ein Sinnenmächtiger . Auguste Rodin . Ein Sinngebärer . Ein Seelenbezwinger . Auch den Dom hat erst einmal im Traum ein solches Menschenauge geboren . * * * Einhart hatte viel gesehen . Er reiste auch durch Italien . Er sah Rom und Florenz . Er sah vielerlei Einzigkeiten . Er sah Naturen in heißer Sonne , achtete auf die fremden Blumen und genoß die Schatten fremder Bäume . Er sah auch die Schneegebirge ragen . Und Menschen in allerlei Kostümen kreuzten seine Wege . Da war es , daß er sich heimzukehren entschloß , weil er nach der eigenen Welt sich noch brünstiger sehnte . » Du erjagst es nicht . Du erjagst nur dich selbst ! « sagte er . 3 Ein Abend voll sanfter Farbe . Der See weit spiegelnd . Die Gärten und Parks am Uferrande in prachtvoller Fülle und Frische , von weichen Milchtönen umsponnen . So zog der einsame Kahn mit Einhart und einem alten , graubärtigen Schiffersmanne hinaus in die Nacht . Die Wellen gingen rieselnd und gluckend immer um die Planken , und der gleichmäßige Ruderschlag schrob polternd nach , weil die Stangen sich eintönig in ihren Halten am Kahne rieben . Einhart hatte sich in das Boot zurückgelehnt und sah das kleine Fahrzeug mit dem stummen Alten tiefer und tiefer in Dämmer gleiten . Er sah hinein in die mächtigen Berggebilde , die aus dem Dämmer des Sees sich in Abendglut hoben und dann langsam zu kühlem Nachtglanz erblichen . Der Schiffer sah Einhart oft an , ein alter Italiener . Einhart bat , auf umständliche Weise einiges radebrechend , er möchte ein Lied singen . So fuhren die beiden in der langsam dunkelnden Flut . Die rauhe Stimme klang melancholisch . Ein Lied voll Glück und Vergehen mußte es sein . Der Alte sang das Lied mit versunkenem Lächeln . Dem Alten war es lange nicht auf die Lippen gekommen . Lange hatte das Leben kein Lied aus seiner Seele gefordert , nur harte Arbeit und Sichvergessen . Nun deuchte es ihm gut , daß , wenn die Nacht die Schlüfte und Gründe erfüllte , wo die Seewasser tief zwischen den Gipfeln und Rücken im Mittnachtslicht bleichen und dämmern , er aus rauher Kehle seine Töne in das Glucken und Murmeln und Geräusche der Flut mischte . Einhart war auf dem Wege heim . Man sah am Mittnachtshimmel schwarze Fahnen wehen . Wetter voll Drohung zogen über den Gebirgen . Die kleine Laterne , die man am Kiele des Bootes endlich erleuchtet hatte , warf einen spitzen Bootsschatten . Und Einhart , der in die Fahrt hineinsah , mußte es scheinen , als wenn zwei helle Flügel sie über die Dunkelgewässer trügen . Der alte Schiffer kannte die Fahrt . Man mußte den weiten See überfahren . Am anderen Ende , an einem engen Arm , den Gebirgswände fast preßten und erdrückten , lag ein einsames Gasthaus . Aber die Donner aus der Nacht und den Zackengestalten der Berge gegen den fahlen Himmel fingen zu rollen an . Man hörte ein Herandräuen des rauschenden Regens . Er zerstob bald über die beiden im Boote . Blitze begannen ferne zu zucken . Das Wogenspiel erhob sich . Es machte das Boot hastig , wiegte es , belebte den Gang und warf es auf und nieder . Da war das Lied des Schiffers verstummt . Die Blitze zückten näher . Die Finsternis ward tiefdunkel . Die Donner dröhnten aus den Schlünden zwischen den Bergen wieder . Es war tiefe Nacht geworden . Das kleine Licht am Kielende wogte auf und nieder , und die Schatten des Bootes sanken und stiegen und machten die Wasser voll Düsternis und fremder Gestalten . Die Lichtflügel zerrissen in Unruh . Schäume drängten am Plankenwerke auf . Manchmal schlugen Wellen in den Innenraum . Einhart sah auf das Gesicht , das er vor sich hatte . Furcht fuhr nicht in dem Boote mit . Der alte Graubart saß als finstere Silhouette