. « » Welche Nachricht ? « » I bin net dabei g ' wen , natürli . Aber von Eahna soll er g ' red ' t hamm . « » Von mir ? « » Ja , daß Sie nimmer geistli wer ' n. « » Das hat der Herr Kooperator gesagt ? « » I hab ' s selm net g ' hört , aber er is öfter im Haus g ' wen und d ' Bäcker Ulrich Marie sagt , sie woaß ' s g ' wiß . « » Und was hat meine Mutter g ' sagt ? « » Zu mir nix . Sie hat bloß so für si hin g ' redt , aber staad , daß i nix g ' hört hab ' . Is denn dös wahr , bleib ' n Sie net dabei , Herr Sylvester ? « Die Weberin erhielt keine Antwort . Sylvester ging weg , stillschweigend und ohne Gruß . Jetzt wußte er , daß seine Mutter mit Absicht die Frage vermieden hatte . Wollte sie an der Hoffnung festhalten und sie nicht zerstören lassen ? Und meinte sie , das sei nur eine vorübergehende Laune von ihm , und wenn man nicht davon rede , komme er selbst davon ab ? Der Gedanke ließ ihn nicht los . Ohne es zu merken , ging er zum Dorfe hinaus , immer weiter die Weblinger Höhe hinauf . Da setzte er sich auf den Rasen und blickte herum . Hier war er vor Jahren mit seinem Freunde gestanden . An dem schönen Sommertag . Er sah wieder alles lebendig vor seinen Augen . Wie sich die Halme im Winde beugten , und wie der alte Held so fröhlich auf den reichen Segen blickte . Und er hörte die leise Stimme neben sich . » Heute verstehst du mich nicht , parvule . Später einmal , wenn du weißt , daß aus dem Fluche ein Segen wurde . Im Schweiße deines Angesichts sollst du dein Brot essen . « Lag nicht Reue in seinen Worten ? Hatte nicht der Alte am Abend seines Lebens gemeint , es wäre ihm besser gewesen , wenn er seine Tage in Arbeit verbracht hätte ? Sylvester holte tief Atem . Ihm selber drückten die Worte eine Sehnsucht aus , über die er nicht mehr Herr werden konnte . Er wußte , daß er mit schaffen wollte . Daß er kein Glück darin fand , wie ein Fremder neben den Menschen zu wandeln , über ihren Mühen und Sorgen zu stehen und sie zu vertrösten auf eine andere Welt . Nicht unehrerbietig dachte er darüber . Aber sein Herz schlug dem Leben entgegen , und nichts in ihm redete von Verzichten . Hier , so mitten in der Heimat , stand ihm der Entschluß klar vor der Seele ; losgelöst von heimlichen Gedanken . Nicht ungewisse Hoffnungen durften ihm die Zukunft gestalten . Er handelte frei und tat das Notwendige . Und das wußte er hier . Sylvester stand auf . Die Bangigkeit hatte er überwunden . Er dachte nicht mehr daran , zögernd um die Wahrheit herumzugehen , als hätte er Schlechtes im Sinne . Gewiß mußte er Rücksicht haben auf seine alte Mutter . Aber die zu allererst , daß er offen mit ihr redete . Er trat rüstig den Heimweg an . Vor dem Dorfe holte er einen Mann ein , der hinter seinen Pferden herging . » Grüß Gott , Schuller ! Alleweil g ' sund ? « » Tuat ' s scho . « » Wie geht ' s daheim ? « » Muaß scho toa . « Sylvester wunderte sich über den abweisenden Ton . Er war in früheren Zeiten häufig beim Schuller eingekehrt . » Die Ursula hab ' ich heut ' g ' sehen , « begann er wieder . » Sie is an mir vorbeig ' fahren . « » So ? « » Was haben Sie denn , Schuller ? « » Nix . Derf i Eahna an Rat geb ' n , Herr Mang ? Gengan S ' alloa und lassen S ' Eahna mit mir net sehg ' n. Mir passen net zuanand . « » Ich versteh ' Sie nicht . « » Sie wer ' n mi scho no versteh ' . I bin so oana , dem a Geischtlicher aus ' n Weg geh ' muaß . Und Sie g ' hören do dazua . « Er hielt die Pferde an und machte sich am Geschirr zu schaffen . Sylvester ging kopfschüttelnd weiter . Die Mutter hatte ihm einmal geschrieben , daß es beim Schuller Verdruß gegeben habe , und daß er als Bürgermeister hätte abdanken müssen . Damals hatte er flüchtig darüber weg gelesen . Jetzt erinnerte er sich daran . Aber warum war der Schuller so unfreundlich gegen ihn ? Das verstand er nicht . Es brannte schon Licht in der Stube , als er heimkam . Die Mutter saß am Tische und lachte ihm freundlich zu . Er schaute sie ängstlich an . Beim Kerzenschein sah ihr Gesicht leidender aus als am Tage . Und er fragte sie : » Hast du gut g ' schlafen ? « » Ja , ganz guat . Und wo bist du derweil g ' wen ? « » Auf der Weblinger Höh ' . « » Hast koan B ' suach g ' macht ? Beim Lehrer ? « » Nein , ich bin lieber ins Freie hinaus . « » Da hast recht g ' habt . ' s Wetter is ja so schö . « » Du , Mutter , ich muß dich was fragen . « » Was nacha ? « » Der Kooperator hat dir was erzählt von mir ? « » Woher woaßt du dös ? « » D ' Weberin hat mir ' s g ' sagt . « » De hat do ihre Ohr ' n überall ! « » Aber es