kommen . Sie wurde erreicht . Er erschien sogleich , kam sämtliche Stufen zu mir herunter und meldete mir den Besuch in ganz der Weise , als ob ich nichts davon gewußt habe . » Du kennst den Scheik ul Islam also nicht persönlich ? « fragte ich ihn halblaut , und wendete mich dabei so ab , daß Tifl und der Kurde meine Worte nicht verstehen konnten . » Nein , « antwortete er . » Welcher Dschamiki hat ihn schon gesehen ? « » Ich weiß keinen . Der Scheik ul Islam war früher in Feraghan und wurde erst vor noch nicht einem Jahre in die Nähe seines Stammes versetzt . Nur der Ustad kennt ihn genau . Er ist nicht so bescheiden , wie ich dachte , aber höflich . Daß der Ustad verreist ist , hat er erst in unserem Grenzduar erfahren . « Während er das sagte , deutete er mit der Hand nach dem Tempelberge hinüber , um glauben zu machen , wir redeten von etwas vollständig Unverfänglichem . » Wer ist der Kurde , welcher bei Tifl steht ? « erkundigte ich mich noch . » Der Katib38 des Scheik ul Islam . Er hat bei ihm an seiner Seite zu sitzen , doch blieb sein Platz bisher leer . « » So komm ! « Wir gingen die Stufen hinauf . Da kreuzte der Katib die Arme und verbeugte sich höflich lächelnd vor mir . » Der Morgen sei dir gesegnet ! « grüßte ich , indem ich ihm freundlich zunickte . » Und dir der ganze Tag ! « antwortete er . Ah , diese Stimme ! Und dieses uvulare Schnarren ! Er war es , der mit Pekala gesprochen hatte , also der Scheik ul Islam ! Er kam gleich hinter uns her und begab sich nach seinem Platze . Die Perser standen auf , als ich erschien , verbeugten sich sehr höflich und blieben hierauf stehen , um meine Anrede zu erwarten . Ich ging bis auf die von der Sitte vorgeschriebene Entfernung auf sie zu , breitete die Arme aus , verbeugte mich , verschlang sie auf der Brust , verbeugte mich wieder , breitete sie mit einer dritten Verbeugung abermals aus , ließ sie hierauf sinken und erhob nur die rechte Hand , um eine verbindliche Geste zu machen und dabei zu sagen : » Der Mensch kennt nie das Glück des nächsten Tages . Allah allein weiß , was er senden will . Ist er es , der uns mit euch überrascht , so habe ich ihm zuerst und dann auch euch zu danken . Vor dem Scheik ul Islam gibt es nie verschlossene Türen , denn Allah will , daß sein Priester überall nur Freude bringe . Setzt Euch , und weilt , so lange es Euch beliebt ! « Sie verbeugten sich , wie eingeübte Statisten , und der Träger des Riesenturbans sprach : » Der Scheik ul Islam bin ich , Effendi . Du sollst erfahren , wer meine Begleiter sind . « Indem er auf jeden Einzelnen deutete , sagte er Namen und Stand desselben . Die geistlichen Herren nannte er vorerst , die Offiziere hinter ihnen . Es war ein Ahalyj-y-Dschennet39 , ein Wehlijullah40 , ein Imam-y-Dschuma41 , ein Särtib-y-Aewwäl42 , ein Särtib-y-Duwwum43 , und zuletzt kam noch der Schreiber ! Man sieht , der Glanz war da . Ich verbeugte mich vor Jedem , wie auch er sich vor mir ; dann setzten wir uns nieder . Die hohen Herren bildeten eine Linie . Nur der Schreiber saß ein wenig zurück , neben dem Scheik ul Islam . Er raunte ihm sehr häufig zu , was er sagen solle . Zwar suchte er die Bewegung seiner Lippen unter dem Barte zu verbergen , doch war dieser so dünn , daß ich sie doch bemerkte . Ich saß grad vor ihnen , rechts von mir der Pedehr , links der Chodj und etwas zurück Kara Ben Halef . Die ersten beiden hatten sich den Persern schon vorgestellt . Kara konnte ich gelegentlich nennen . Ich schwieg , denn ich hatte meine Pflicht getan , und nun erforderte es die Höflichkeit , den hohen Gast beginnen zu lassen . Er ließ auch gar nicht auf sich warten . » Ich bin gekommen , mit dem Ustad der Dschamikun zu sprechen , « sagte er . » Mein Wohlwollen leuchtet über ihm . Da hörte ich , er sei verreist und ein Effendi aus dem Abendlande vertrete seine Stelle . Ich kenne weder dich noch deine hohen Würden und Titel und möchte doch nicht , daß ich dir etwas vorenthalte . Darum verzeihe mir , wenn ich vor allen Dingen einige Fragen ausspreche . Welchen geistlichen Rang bekleidest du daheim in deinem Lande ? « » Keinen , « antwortete ich . » Welche hohe militärische Charge führest du ? « » Keine . « » So nenne deinen Rang bei der Regierung deines Volkes ! « » Ich habe keinen . « » Aber was bist du sonst ? Was hast du dann ? « » Ich bin nur ich und habe nur mich , sonst weiter nichts . « Die Absicht , in welcher er seine Erkundigungen ausgesprochen hatte , war leicht zu durchschauen . Ich sollte mich ihm gegenüber so klein wie möglich fühlen ! Direkte Unhöflichkeiten aber sucht der gebildete Perser so viel wie möglich zu vermeiden . Darum warf er mir zwar einen sehr deutlich mitleidigen Blick herüber , fuhr aber in gütigem Tone fort : » Du hättest verschweigen können , daß du so gar nichts bist . Ja , du hättest dir hohe Ehren beilegen können , ohne daß wir an Lüge denken durften . Du bist aber wahr und offen gewesen , und das hat dir bei uns diejenige Achtung gewonnen , die Jedem gebührt , der sich zu lügen scheut . Unsere Würden sind unveräußerlich . Indem wir zu dir niedersteigen , nehmen wir