, wie Du mir entgegenliefst und ausglittest - als ich Dich in meinen Armen auffing , schon damals wußte ich : für mich kann es nur einen Himmel auf Erden geben - Dich besitzen . « » Ja , wir werden glücklich sein , über alle Begriffe glücklich ... Und Du wirst dabei ein noch größerer Dichter werden , als Du schon bist . « » In dieser Stunde ist mir jeder Ehrgeiz erstorben - höheres kann ich nicht erreichen , als Dich - « » Nicht erstorben , nur betäubt . Mir ist auch so zu Mute ... wie in einem Taumel - und doch so ruhig , ruhig ... Teurer - « Sie streckte die Hand aus . Er rückte mit seinem Fauteuil näher , um diese Hand ergreifen zu können . Nun sagten sie sich in geflüsterten Worten - Hand in Hand und Aug ' in Auge - die hundert innigen , törichten Dinge , die wie gesprochene Liebkosungen sind . Und schließlich , trotz der gefährlich offenen Tür , fanden sich ihre Lippen wieder in einem langen , weltentrückenden Kuß . So entrückend , daß sie nicht hörten , wie jene Tür tatsächlich aufging und jemand bis in die Mitte des Zimmers kam . Erst ein zornig ausgestoßener Fluch schreckte sie auseinander . Hugo sprang auf - ihm gegenüber stand Anton Delnitzky . Mit dem Ausruf : » Elender , frecher Schuft ! « stürzte dieser nun auf Hugo los und versetzte ihm einen Schlag ins Gesicht . Sylvia stieß einen Schrei aus und sank zu Boden - besinnungslos XXXI Während im Delnitzkyschen Hause dieses Drama sich abspielte , war Rudolf im Begriff , Wien zu verlassen , um einige seiner im Ausland abzuhaltenden Vorträge zu absolvieren . Zwar hätte es nicht gedrängt : bis zum ersten versprochenen Vortrag dauerte es noch vierzehn Tage , aber der Vorfall im Vorstadtwirtshaus hatte ihm einen solchen Ekel eingeflößt , daß er das sehnsüchtige Verlangen empfand , so schnell als möglich eine andre Luft zu atmen und mit ganz neuen Eindrücken den so peinlichen Eindruck zu verwischen . Er hatte solche Eile , daß er nicht einmal von Mutter und Schwester sich verabschieden wollte . Nur über eines wollte er sich vor seiner Abreise noch aussprechen , nur eine gewisse Warnung vorzubringen , fühlte er sich verpflichtet . Zu diesem Zweck suchte er Herrn von Wegemann auf und traf ihn glücklich zu Hause . Es war eben dessen Frühstücksstunde . » Minister Allerdings « lud Rudolf ein , mit ihm eine Omelette und ein Beefsteak zu teilen , was dieser bereitwillig annahm , weil er wußte , daß es sich bei Tisch , und namentlich nach Tisch , bei Kaffee und Zigarre , am besten plaudern ließe . Er hatte die Absicht , sich über die Sache , die ihm am Herzen lag , gründlich auszusprechen . Zwar war Herr von Wegemann nicht mehr aktiv an der Politik beteiligt , aber er war in stetem Verkehr mit den leitenden Männern und gehörte mit allen seinen Ansichten und Neigungen der herrschenden Partei an . Dazu war er der intimste Freund desjenigen Staatsmannes , der damals den höchsten Einfluß besaß , und der als ein Mann von aufrichtig kirchlicher Gesinnung , dabei von universeller Bildung und lauterstem Charakter bekannt und allgemein - auch von seinen Gegnern - hochgeachtet war . Ein gar gemütliches Hagestolzen-Heim war es , in dem Herr von Wegemann hauste . Alles , was ihn umgab , war gediegen und behaglich . Einige große schöne Frauenporträts an den Wänden ließen annehmen , daß der Minister es verstand , die sorgenlose , angenehme Gegenwart mit noch angenehmeren Erinnerungen an die Vergangenheit zu würzen . Rudolf empfand eine gewisse leise Anwandlung von Neid , die ihn in letzter Zeit öfters überkam , wenn er einen Menschen beobachtete , der mit sich , mit seiner Existenz , seinem Milieu und seiner Zeit in ruhiger , völliger Übereinstimmung stand ; bei dem das ganze Seelenleben - Denken , Wissen , Fühlen - in eine Art System gebracht war ; das alles so schön geordnet und friedlich , daß man daneben ganz gut auch seine kleinen materiellen Vergnügungen und Angelegenheiten systematisch betreiben kann , einen geregelten Haushalt haben , sein solides Vermögen administrieren , von der eigenen Klugheit und Wichtigkeit durchdrungen sein , kurz , in der Atmosphäre des engbegrenzten Egoismus sich wohlfühlen , wie der Fisch im Wasser . Während Leute , die wie er nach allen Richtungen andre Zustände ersehnen , Leute , die das Heimweh der Zukunft in sich tragen , sich so heimlos fühlen , so losgelöst von den kleinen Interessen der umgebenden Gegenwart . Als die beiden Männer nach beendetem Frühstück sich im Rauchzimmer , wo Kaffee und Liköre aufgetragen waren , niedergelassen hatten , begann Rudolf : » Und nun zum eigentlichen Zweck meines Besuchs . Daß ich mich verabschiede , weil ich heute abend auf längere Zeit Wien verlassen will , sagte ich schon ; was der Grund ist , der mich forttreibt , das will ich Ihnen jetzt sagen . Ich habe hier vor kurzem etwas so Revoltierendes erlebt , daß ich eine Zeitlang eine andre Luft atmen muß ... Aber Ihnen , der Sie dableiben , möchte ich etwas ans Herz legen . Auf eine Gefahr möchte ich aufmerksam machen , die ich im öffentlichen Leben aufsteigen sehe . « » Allerdings - Gefahren sehe ich auch . Zum Beispiel die überhandnehmende Glaubenslosigkeit , der wachsende Materialismus - womit natürlich Verrohung Hand in Hand geht - , die Begehrlichkeit der Massen und dergleichen mehr . Da gilt es eben , daß die edleren Elemente sich zusammennehmen und alles aufbieten , um die subversiven Kräfte nicht aufkommen zu lassen - « » Bitte , « unterbrach Rudolf , » reden wir nicht in vaguen Allgemeinheiten . Das , was ich sagen will - die Sache , die mir bedrohlich scheint , ist etwas ganz Positives . Es will sich hier eine Partei breit machen ,