breit . In der Mitte flimmerten die vom Windeshauche bewegten Wellen eines Sees , welcher rundum von saftig grünem Weideland umgeben war . Ich sah da Pferde , Maultiere , Kamele , Rinder und eine Menge Kleinvieh grasen . Hieran schlossen sich wohlbebaute Felder , welche bis an die rings emporragenden Berge reichten , an denen sich Wein- , Maulbeer- , Frucht- und Blumengärten bis da hinaufzogen , wo der Wald sich seiner Herrschaft nicht berauben ließ . Ich sah lebhafte Wasser von den Höhen fließen , um ihren Weg zum See zu suchen , auf dem - ein Wunder hier in Persien ! - ein kleines Boot sein helles Segel blähte . Ueberall standen Häuser , meist mit platten Dächern , aus festen Steinen aufgeführt und freundlich weiß getüncht . Sie wurden im Winter bewohnt . Für die jetzige Jahreszeit hatte man luftige Zelte errichtet oder auf den Dächern aus Laub und Stangen Hütten gebaut , in denen man des Nachts zu schlafen pflegte . Diese Hütten sind auch in andern Gegenden des Orients gebräuchlich . Man sieht sie z.B. besonders auf den alten , dumpfigen Gebäuden von Beled esch Schech und El Jadschur , welche an der Straße von Haïfa nach Nazareth liegen . Die Berge erreichten hier eine solche Höhe , daß ihnen der Wald nicht bis ganz hinauf zu folgen vermochte . Die Kuppen bildeten alpine Weiden , auf denen die dort grasenden Ziegen dem Auge als ganz winzige Tüpfelchen erschienen . Die Mehrzahl der Häuser und der Zelte lag im Vordergrunde , von welchem aus ein breiter , straßenähnlicher Weg hinauf nach einem Felsenvorsprunge führte , wo ich ein Bauwerk liegen sah , dessen Stil meine Verwunderung erregte . Es war ein nach allen Seiten offener Tempelbau , dessen Dach nur von Säulen , nicht von geschlossenen Wänden getragen wurde . Es gab kein einziges Zeichen , welches verriet , welcher Art von Verehrung es zu dienen habe . Ich sah nur die Säulen und das Dach , sonst weiter nichts . Es gab keinen Altar , keinen einzigen Sitz , keinen Rednerstuhl . Aber an allen Säulen rankten sich blühende Kletterrosen und andere Schlingpflanzen empor , und der ganze Platz rund um den Tempel bildete einen sichtlich mit großer Liebe gepflegten Blumengarten , durch welchen zahlreiche , mit reinlichem Sand bestreute Wandelgänge führten . Noch hing mein bewundernder Blick an dieser Herrlichkeit da drüben , da kam jemand durch den Raum gegangen und blieb hinter mir am Pfeiler stehen . Ich sah ihn nicht , aber ich fühlte ganz deutlich , daß es der Ustad war . Es verging einige Zeit , ohne daß er sich bewegte oder sprach . Auch ich war still . Ich sah hinauf zu den Bergen . Das Licht hatte begonnen , sich aus dem Thale zurückzuziehen . Die leise schreitende Dämmerung stieg empor . Als sie den Fuß des Waldes erreicht hatte , erschienen die freien Höhen wie in flüssiges , leuchtendes Gold getaucht . Die scheidende Sonne gab ihnen den letzten , glühenden Abschiedskuß . Das Gold ging in tiefere Orange- und Purpurtöne über , denen ein kurzer , violetter Schatten folgte ; dann schwang sich das Abendrot von den Bergen himmelwärts , um sich dort für eine andere Welt ins Morgenglühen zu verwandeln . » Gute Nacht ! « klang es mir durch die Seele . Ich hatte das bloß gedacht , und doch ertönte sogleich neben mir die tiefe Stimme des Ustad : » Gute Nacht für uns ; für andere aber bedeutet es den Morgen ! Erlaubst du mir , Effendi , eine kurze Zeit bei dir zu sein ? « » Du bist mir , wie kein anderer , hochwillkommen ! « antwortete ich ihm . Da trat er zu mir heran , legte mir die Rechte auf das Haupt und sprach : » Seit du bei mir in meinem Hause bist , ist ' s heut zum erstenmal , daß deine Krankheit nicht zwischen meinen Worten und dem Verständnisse derselben steht . Sie ist gewichen ; du kannst nun , ungehindert von ihr , das , was ich sage , empfangen und begreifen . Ich heiße dich zum zweitenmal willkommen und bitte dich , bei mir zu bleiben , so lange es dir und deinem höhern Ich , welches ihr Seele zu nennen pflegt , bei mir und meiner Seele gefällt . Ich habe auf dich gewartet . « » Du ? Auf mich ? « fragte ich erstaunt . » Ja . Schon seit langer , langer Zeit . O , ihr wißt gar nicht , wie lange wir schon auf euch warten , auf euch , auf euch , auf euch ! « Er hielt einen Augenblick inne , wie um mir Zeit zu gewähren , über seine Worte nachzudenken ; dann fuhr er weiter fort : » Und nun du endlich , endlich gekommen bist , und zwar in einer Weise , wie ich kaum hoffen konnte , so segne ich dich mit dem besten Segen , den ein Mensch vom Himmel zu empfangen und einem andern Menschen zu geben vermag . Nimm ihn hin von mir , diesen Segen , und glaube nicht , daß er in leeren Worten bestehe ! Er kommt nicht von mir sondern von dem , der die einzige Quelle alles Segens ist ! « Als er das gesagt hatte , trat er von mir weg und setzte sich zu meinen Füßen auf die erste der hinabführenden Stufen nieder . Das war so bescheiden und anspruchslos ; das war so klein , und doch war es so groß ! Nun herrschte eine Weile zwischen uns Schweigen . Die schnelle Dämmerung verwandelte sich in Nacht . Die Häuser waren verschwunden , aber freundliche Lichter tauchten auf , um uns die Stellen zu bezeichnen , an denen Menschen wohnten . Am Himmel wurden die Sterne immer sichtbarer . Ihr Schein reichte hin , uns die erhabenen Gestalten der Berge sichtbar zu machen , um deren baumlose