geraten , still zu sein . Wir drei aber setzten uns zusammen , um die zwar sehr einfach scheinende , aber doch höchst schwierig zu erledigende Angelegenheit mit einander zu besprechen . Dies geschah selbstverständlich in der Weise , daß weder El Ghani noch der Scheik etwas davon hörten . Darüber , daß der letztere straffrei ausgehen werde , waren wir gleich anfangs einig . Um so mehr Bedenken verursachte uns der erstere mit seinen Begleitern . Khutab Agha hatte sie nach Meschhed Ali bringen wollen , wo ihnen der Tod , und zwar kein gewöhnlicher , gewiß gewesen wäre . Das durften aber wir nicht zugeben , weil wir an unser dem Scheik gegebenes Versprechen gebunden waren . Er erklärte , daß er darauf verzichte , sie mitzunehmen , aber diesen Ort hier nicht eher verlassen werde , als bis die Beraubung des Heiligtums in der strengsten Weise an ihnen gerächt worden sei . » Das ist ja eben das , was wir leider nicht zusammenbringen können , « klagte Halef . » Du verlangst die strengste Strafe , also eine Bestrafung am Leib oder gar am Leben , und das ist gegen dieses unser Versprechen . Hätte ich es doch nicht gegeben ! « » Beruhige dich , lieber Halef ! « warf ich ein . » Dieser Fehler darf sich nicht über Einsamkeit beklagen ; er befindet sich in guter Gesellschaft . « » Soll das heißen , daß ich auch noch andere gemacht habe ? « » Ja . « » Welchen zum Beispiel ? « » Als der Scheik der Beni Khalid zum erstenmal unser Gefangener war , hast du als Auslösung gegen ihn nur hier unsern Freund Khutab Agha verlangt ; mir aber hätte er auch die Soldaten geben müssen . « » Die haben wir nun auch ! « » Ja , nun ! Das ist aber keine Entschuldigung ! Doch lassen wir die Vorwürfe weg ! Es handelt sich um eine strenge Bestrafung , aber am Leibe nicht und am Leben nicht . Etwa an Hab und Gut ? Er hat ja nichts mit ! An der Ehre ? Er besitzt keine ! Andere Strafarten , die ich vorschlagen könnte , erfordern Zeit , lange Zeit , und die steht uns nicht zu Gebote . Ich muß zu meiner Beschämung gestehen , daß ich keinen Rat weiß . « » Ist das wahr , Sihdi ? « fragte Halef schnell . » Ja . « » Du weißt keinen Rat , wirklich keinen ? « » Wirklich ! « » Allah ' l Allah ! Mein Sihdi und Effendi weiß einmal keinen Rat ! Jetzt können wir uns in die Teppiche des letzten Gebetes einnähen lassen , denn der letzte Tag bricht an ! « » Scherze nicht ; mir ist die Sache ernst ! « verwies ihn der Perser . » Wenn ich heimkehre , ohne die Diebe mitzubringen , so muß ich wenigstens sagen können , daß sie nach der Größe ihrer Missethat bestraft worden sind . Euer Versprechen macht mir dies aber unmöglich ! « » Zürne nicht ! « bat Halef . » Es giebt bei jeder Verlegenheit einen Weg , ihr zu entgehen , also auch bei dieser . Es gehört zwar Klugheit dazu , aber glücklicherweise kenne ich den Ort , wo ich sie zu suchen habe . Was man im Selamlük105 nicht findet , das muß man im Harem106 suchen , und da mein Effendi keinen Rat weiß , werde ich zu Hanneh gehen ! « Er sprang so schnell auf , daß ich ihn nicht halten konnte , und eilte fort . Er war vollständig überzeugt , daß Hanneh helfen könne und auch helfen werde , und diese seine Ueberzeugung steckte mich an . Richtig ! Als er schon nach kurzer Zeit zurückkehrte , nahm er seinen Sitz mit einem wonnevollen Lächeln wieder ein und sagte : » Ich habe mich nicht geirrt , denn Hanneh , der schlaue Inbegriff sämtlicher Klugheiten , war augenblicklich mit einer Auskunft da . « Er sah uns erwartungsvoll an , ob wir in Worte der Bewunderung ausbrechen würden , und als wir aber gar nichts sagten , fragte er mich : » Willst du denn nicht wissen , was sie gesagt hat , Sihdi ? « » Jawohl will ich es wissen ! « » Du fragst mich aber doch nicht ! « » Gut , so frage ich dich jetzt . Welches Mittel hat sie geraten ? « » Ihr Mittel heißt Bastonnade . Ist das nicht großartig ? « » Findest du es so ? « » Natürlich ! Und du ? « » Nicht ! Du kannst doch sicher sein , daß wir beide , nämlich Khutab Agha und ich , auch schon an die Bastonnade gedacht haben ! « » Aber nicht in der richtigen Weise ! « » Wieso ? « » Ihr habt folgendermaßen gedacht : Die Mekkaner dürfen nicht an Leib und Leben gestraft werden ; die Bastonnade aber trifft den Leib und kann sogar , wenn der Hiebe zu viele fallen , tödlich wirken ; folglich dürfen wir sie nicht in Anwendung bringen . Nicht wahr , so waren eure Gedanken ? « » Wenigstens die meinigen , ja . « » Das ist aber falsch , vollständig falsch ! Hanneh , die scharfsinnigste aller Frauen , macht das viel besser . Beantworte mir die Fragen , die ich an ihrer Stelle an dich richte ! Wenn die Bastonnade nicht tötet , ist sie da eine Strafe am Leben ? « » Nein . « » Du ziehst die Pantoffel an die Füße ; sind sie da eine Bekleidung für den Leib ? « » Eigentlich nicht . « » Was eigentlich ! Du kannst die Pantoffel nicht an den Leib ziehen und wirst sie auch nicht als Leibbinde anlegen . Sie gehören nur an die Füße . Weiter : Wohin bekommt man die Bastonnade ? « » Auf