jungen Leute war groß . Der Pastor pflegte an die Paare , welche die Freuden der ehelichen Verbindung vorausgenossen hatten , ernste Worte des Tadels zu richten . Aber heute unterließ er das , zur Verwunderung vieler , denen diese Art der öffentlichen Vermahnung immer einen angenehmen Kitzel bereitete . Der Geistliche kannte Pauline gut . Sie war einst sein Liebling gewesen unter den Konfirmanden . Er wußte , daß sie nicht leichtfertig war . Auch kannte er ihre Verschämtheit und ersparte ihr darum die öffentliche Bloßstellung ihres Fehltritts . Frau Katschner hatte auf ihre Erscheinung so viel Putz verwendet , als es ihr bei ihren ärmlichen Verhältnissen möglich war . Sie hatte heute ganz besonderen Grund , stolz und voll Befriedigung dreinzublicken . Befand sich doch in der Hochzeitsgesellschaft niemand Geringeres als Fräulein Bumille , die Wirtschaftsmamsell vom Schloß . Die Bumille glich mit ihrem hochgeröteten Gesicht , dem bauschigen Seidenkleide und dem hängenden Unterkinn einem aufgeblähten Puter . Bei jeder ihrer schwerfälligen Bewegungen krachte und knitterte die umfangreiche Maschine ihrer Toilette . Auf dem wogenden Felde ihres Busens hatte eine Goldbrosche in Form eines Rades Platz gefunden . Zwischen den hellen Handschuhen und den allzu eng anschließenden Ärmeln drängte sich eine Wulst rosalichen , gepreßten Fleisches hervor . So saß diese prächtige Dame als ein rechtes Renommierstück unter den einfachen Dorfleuten . Durch Blicke , Haltung und jene eigenartigen Geräusche , die von ihr ausgingen , schien sie jedermann einschärfen zu wollen , daß sie Fräulein Bumille , die Mamsell vom Schlosse sei , und daß der ganzen Gesellschaft durch ihre Nähe eine nicht geringe Ehre widerfahre . Es wurde viel geweint von seiten der Frauen , wie meist bei Trauungen . Der alte Pfarrer machte es aber heute auch ganz besonders schön . Auf das Schneuztuch , welches Pauline über dem Gebetbuch gebreitet hielt , fiel manche Träne . Auch Gustav war ergriffen und , weil er diese weiche Stimmung eigentlich verächtlich fand , schließlich mehr ärgerlich als erhoben . Nach der Trauung ging man zu Fuße nach Frau Katschners kleinem Hause . Wie immer auf dem Lande , wurde viel Zeit vertrödelt mit Herumstehen und Schwatzen . Einzelne junge Leute gingen wohl auch noch in den Kretscham , ehe sie sich in das Hochzeitshaus begaben . Dort gab es den ganzen Nachmittag über zu essen und zu trinken für die Hochzeitsgäste , die Freunde und Nachbarn , welche aus Neugier und auch um der guten Bissen willen auf ein Stündchen eintraten . Da das Häuschen die Fülle der Gevattern nicht zu fassen vermochte , traten viele hinaus in den Garten . Die bevorzugten Gäste saßen drinnen im Zimmer um den runden Tisch . Hier war es , wo Fräulein Bumille den andachtsvoll lauschenden Dorfweibern von dem neuesten freudigen Ereignisse im gräflichen Hause berichtete : Komtesse Wanda hatte sich in Berlin verlobt , im Sommer sollte die Hochzeit sein . Da würde die Gegend etwas zu sehen bekommen ! Denn der Graf wollte der Schwester die Hochzeit ausrichten . Der Bräutigam sei Offizier und Prinz und noch dazu ein schwer reicher . » Ja , unsere Wanda ! « sagte Fräulein Bumille und ließ ihre geheimnisvolle Maschinerie krachen und knistern , » unsere Wanda ! die hat ' s inwendig ! Die macht ' s gar nich , unter ' n Prinzen , habe ich immer gesagt . Die Wanda , die war schon als Kind was ganz Appart ' s. Wie sie noch ganz klein war , da kam sie immer zu mir in die Küche gelaufen . Mamdell , sagte sie , Mamdell ! so sprach sie nämlich , gib mir ein Stückchen Kuchen ; aber groß muß es sein . Das sagte sie , und da war sie noch ein kleines Ding . Paßt ä mal auf , habe ich da gleich gesagt , die macht ' s nich unter ' n Prinzen . « Frau Katschner bestätigte jedes Wort durch ein Kopfnicken , und die Frauen von Halbenau lauschten offenen Mundes den mancherlei Heimlichkeiten , welche die Mamsell aus dem Leben ihrer Herrschaft mitzuteilen , sich herabließ . Gegen Abend ging Fräulein Bumille . Damit verlor das Fest seine eigentliche Weihestimmung . Die Lustigkeit trat ungehindert in ihre Rechte . Häschkekarl hatte nun freies Feld . Wo er auftrat , gab es Ausgelassenheit und Gelächter . Er hatte sich bereits den ganzen Nachmittag über mit einem Schwarm Burschen und Mädchen in Haus und Garten umhergetrieben . Jetzt saß er draußen im Apfelbaume , eine alte Militärmütze schief auf dem Kopfe , mit einer falschen Nase im Gesichte , sang Lieder und gab Schnurren zum besten . Mancher derbe Witz mochte da mit unterlaufen , nach dem Wiehern und Gröhlen der Burschen und dem unterdrückten Gekicher der Mädchen zu schließen . Bei anbrechender Dunkelheit hatte sich Pauline aus der Hochzeitsgesellschaft zurückgezogen . Flink ward in der Kammer das Kleid gewechselt und nach dem Jungen gesehen . Dann lief sie , ohne jemandem ein Wort davon zu sagen , nach dem Büttnerschen Hofe . Die Alten waren nicht zur Hochzeit gekommen , darum wollte sich die junge Frau ihnen selbst vorstellen als ihre Tochter . Sie trat in die große Stube . Niemand schien zu Haus zu sein , alles war dunkel . Schon wollte sie wieder hinausgehen , als sie gegen das lichte Fenster einen Kopf und ein paar Schultern erblickte . Sie erkannte an den Umrissen den alten Bauern . Pauline war heute in erregter und gerührter Stimmung , darum wagte sie etwas für ihre sonstige Scheu Außerordentliches . Sie ging auf den alten Mann zu und sagte ihm , daß sie nun mit Gustav getraut sei . Dabei umarmte und küßte sie ihn . Im Augenblicke selbst , wo sie das tat , erschrak sie über ihre Kühnheit . Als sie die Wange des Alten berührt , hatte sie dort ganz deutlich etwas Feuchtes gefühlt . Der Büttnerbauer weinte ! - Pauline fühlte es wie einen Stich in der Brust . Hier