Da siehst Du nun zwei Bilder , die sich mir eingeprägt : Steile , felsige Anhöhen - katzenbehend hinaufkletternde Jäger ; es gilt , die Anhöhe zu » nehmen « ; - von oben schießt der Feind herab . Was ich sehe , sind die Gestalten der emporstrebenden Angreifer und Einige darunter , die , von feindlichen Geschossen getroffen , plötzlich beide Arme ausstrecken , das Gewehr fallen lassen und , mit dem Kopf nach rückwärts sich überschlagend , die Anhöhe hinabstürzen - stufenweise - von Felsvorsprung zu Felsvorsprung - sich die Glieder zerschmetternd . - - - - - - Ich sehe einen Reiter in einiger Entfernung schief hinter mir , neben welchem eine Granate platzt . Sein Pferd wirft sich zur Seite und drängt sich an das Hinterteil des meinen - dann schießt es an mir vorbei . Der Mann sitzt noch im Sattel , aber ein Granatsplitter hat ihm den Unterleib auf- und alle Eingeweide herausgerissen . Sein Oberkörper hält mit dem Unterkörper nur noch durch das Rückgrat zusammen - von den Rippen zu den Schenkeln ein einziges großes , blutiges Loch ... Eine kleine Strecke weiter fällt er herab , bleibt mit dem Fuß im Bügel hängen und das fortrasende Pferd schleift ihn auf dem steinigen Boden nach . « - - - - - - - - - - - - - - - - - - » Auf einem regendurchschwemmten und steilen Stück Weg staut sich eine Abteilung Artillerie . Bis über die Räder versinken die Geschütze in den Schlamm . Nur mit äußerster Anstrengung , schweißtriefend und von den erbarmungslosesten Schlägen angefeuert , kommen die Pferde von der Stelle . Aber eins , schon todmüde , kann nicht mehr . Das Hauen hilft nichts : es wollte ja - es kann nicht , es kann nicht . Sieht denn das der Mann nicht ein , dessen Hiebe auf den Kopf des armen Tieres hageln ? Wäre der rohe Wicht der Fuhrmann eines zu irgendwelchem Bau dienenden Steinwagens gewesen , jeder Polizist - ich selber - hätte ihn arretiert . Dieser Kanonier jedoch , der das todbeladene Fuhrwerk vorwärts bringen sollte , der waltete nur seines Amtes . Das konnte aber das Pferd nicht wissen ; das geplagte , gutmütige , edle Geschöpf , das sich bis zu seiner äußersten Lebenskraft angestrengt - wie mußte das über solche Härte und über solchen Unverstand in seinem Inneren denken ? Denken , so wie Tiere denken , nämlich nicht mit Worten und Begriffen , sondern mit Empfindungen , desto heftigere Empfindungen , als sie äußerungsunfähig sind . Nur eine Äußerung gibt es dafür : den Schmerzensschrei . Und es hat geschrien , jenes arme Roß , als es endlich zusammensank - einen Schrei , so langgedehnt und klagend , daß er mir noch im Ohre gellt - daß er mich die folgende Nacht im Traume verfolgt hat . Ein abscheulicher Traum übrigens ... Mir war , als sei ich - - wie soll ich das nur erzählen ? - Träume sind so sinnlos , daß die dem Sinn angepaßte Sprache sich schwer zu ihrer Wiedergabe eignet - als sei ich das Kummerbewußtsein eines solchen Artilleriepferdes - nein ! nicht eines , sondern von 100,000 - denn rasch hatte ich im Traum die Summe der in einem Feldzug zu grunde gehenden Pferde berechnet - und da steigerte sich dieser Kummer sofort ins hunderttausendfache ... Die Menschen , die wissen doch , warum ihr Leben der Gefahr ausgesetzt ist , sie kennen das Wohin ? das Wozu ? - und wir Unglücklichen wissen nichts , um uns ist alles Nacht und Grauen . Die Menschen gehen doch mit Freunden gegen einen Feind , wir aber sind rings von Feinden umgeben ... unsere eigenen Herren , die wir so treu lieben wollten , denen zu dienen wir unsere letzte Kraft aufbieten , die hauen auf uns nieder - die lassen uns hilflos liegen ... Und was wir nebstbei leiden müssen : Furcht , daß uns der Angstschweiß vom ganzen Körper rinnt ; - Durst - denn auch wir haben Fieber - o dieser Durst , dieser Durst von uns armen , blutenden , mißhandelten hunderttausend Pferden ! ... Hier erwachte ich und griff nach der Wasserflasche : - ich hatte selber brennenden Fieberdurst . « - - - - - - - - - - - - - - - » Wieder einen Straßenkampf - in dem Städtchen Saar . Zu dem Lärm des Kampfgeschreies und der Geschütze gesellt sich das Krachen der Balken , das Stürzen der Mauern . Es schlägt eine Granate in ein Haus und der durch das Platzen derselben verursachte Luftdruck ist so gewaltig , daß mehrere Soldaten von den in die Luft geschleuderten Trümmern des Hauses verwundet werden . Über meinen Kopf weg fliegt ein Fenster - noch mit dem Fensterflügel dran . Die Schornsteine stürzen herunter , Gypsbewurf löst sich in Staub und füllt die Luft mit einer erstickenden , augenätzenden Wolke . Aus einer Gasse in die andere ( wie die Hufe auf dem spitzen Pflaster klappern ! ) wälzt sich der Kampf und langt auf dem Marktplatz an . In der Mitte des Platzes steht eine hohe , steinerne Mariensäule . Die Mutter Gottes hält ihr Kind in einem Arm , den anderen streckt sie segnend aus . Hier wird weiter gerungen . Mann an Mann . Sie hauen auf mich drein - ich haue um mich herum ... Ob ich Einen oder Mehrere getroffen , ich weiß es nicht : in solchen Augenblicken bleibt einem nicht viel Besinnung . Dennoch haben sich mir wieder zwei Fälle in die Seele photographiert , und ich fürchte , der Marktplatz von Saar wird mir ewig unvergeßlich bleiben : Ein preußischer Dragoner , stark wie Goliath , reißt einen unserer Offiziere ( einen schmucken , schmächtigen Lieutenant - wie viel Mädchen schwärmten wohl für ihn ? ) aus dem Sattel und zerschmettert ihm den Schädel am Fuße der Madonnensäule . Die milde Heilige schaut