Seel ' ! - Was meint der Herr Pfarrer , ist sie gekommen ? - Nicht ist sie gekommen , gestorben und tot und weg ist sie gewesen . Und seither - ich kann mir nicht helfen - glaub ' ich schon an gar nichts mehr . « Er schweigt und horcht dem Tosen des Wintersturmes . Der Pfarrer soll eine Weile in die flackernde Spanflamme gestarrt und endlich die Worte gesagt haben : » Zeit und Ewigkeit , mein lieber Bartelmei , ist nicht durch einen Heckenzaun getrennt , über den man hin-und herhüpfen kann , wie man will . Der Eingang in die Ewigkeit ist der Tod ; im Tode streifen wir alles Zeitliche ab , denn die Ewigkeit ist so groß , daß nichts Zeitliches in ihr bestehen kann . Darum ist der Verstorbenen auch dein vorwitzig Wort ausgelöscht gewesen und alle Erinnerung an das zeitliche Leben . Frei von allem Erdenstaub ist sie in Gott eingegangen . « » Tu ' er das lassen , Herr Pfarrer , « unterbricht ihn der Kranke , » es drückt mich auch gar nicht . Ist das , wie es ist , es wird schon recht sein . - Aber einen andern Haken hat ' s ; mit mir selber bin ich noch nicht in der Ordnung . Ich bin nicht gewesen , wie ich hätt ' sein sollen , aber ich möcht ' gern meine Sach ' , und andere tuen auch gern ihre Sach ' richtig stellen . Lang ' hab ' ich nicht mehr Zeit , das merk ich wohl , und desweg hab ' ich den Pfarrer aufschrecken lassen aus dem warmen Bett , und will ihn zu tausendmal bitten , daß er ' s wollt vermitteln . Jetzt - ' s ist zwar heimlich geblieben , aber sagen will ich ' s wohl : ein arger Wildschütz bin ich gewesen ; viel Rehe und Hirschen hab ' ich dem Waldherrn gestohlen . « Hier bricht der Köhler ab . » Und weiter ? « fragt der Pfarrer . » So ! und ist ihm das noch nicht genug ? « ruft der Alte , » aufrichtig , Herr Pfarrer , sonst weiß ich nichts . - Meine Bitt ' wär ' halt nachher die , daß mir der Herr Pfarrer bei dem Waldherrn mein Unrecht wollt ' abbitten . - Hätt ' s wohl lang ' selber schon getan , hab ' mir aber allfort gedacht , eine Weil wartest noch zu ; könntest ' leicht wieder was brauchen vom Wald herein , müßtest später noch einmal abbitten , wär ' mir unlieb . Tu ' s nachher mit einem ab . - Allzulang ' hab ' ich gewartet ; jetzt kann ich nimmer . Der Waldherr ist , wer weiß wo , zu weitest weg . Aber gelt , der Herr Pfarrer ist so gut und gleicht ' s bei ihm aus mit einer christlichen Red ' und tut sagen , ich hätt ' s wohl bereut , könnt ' es aber nicht anders mehr machen . - Jetzt , gewesen ist ' s halt so : Kohlenbrennerei gibt wohl ein Stückel Brot , aber wenn einer zum Feiertag einmal so einen Bissen Fleisch dazu wollt ' beißen , so muß man schnurgrad mit der Büchs hinaus in den Wald . Man kann ' s nicht lassen , und wenn sich einer noch so lang ' spreizt , ' s ist gar schad ' , man kann ' s nicht lassen . - Wenn sie mich etwan einmal erwischt hätten , die Jäger , so wär ' jetzund das Gered ' nicht vonnöten , und ich müßt ' dem Herrn Pfarrer nicht so schmerzlich zu Gnaden fallen . - Ei , der Tausend , jetzt hab ' ich mich dennoch wohl angestrengt ; es steigen mir die Ängsten auf . « Sie haben ihn mit kaltem Wasser gelabt . Der Pfarrer hat seine Hände gefaßt , hat ihn mit guten Worten versichert , daß er bei dem Waldherrn Verzeihung erwirken werde . Danach hat er dem Kranken die Lossprechung erteilt . » Bedank ' mich , bedank ' mich fleißig , « sagt drauf der Bartelmei mit schwacher Stimme , » nachher wär ' ich so weit fertig , und - Pfarrer , jetzt tät ' s mich bei meiner Seel ' schon selber freuen , wenn es wahr wär ' , dasselb ' von der Ewigkeit , und wenn ich nach der unruhevollen Lebenszeit und nach dem bitteren Tod schön langsam könnt ' in den Himmel einrücken . Wär ' wohl eine rechtschaffen bequeme Sach ' , das ! « So hat sich in dem armen , schwerkranken Mann das Bedürfnis und die Sehnsucht nach Glauben und Hoffen ausgesprochen . Unser Herr Pfarrer hat ihn dann gefragt , ob er die heilige Wegzehrung empfangen wolle . » Nicht vonnöten , « ist die Antwort gewesen . » Mußt doch , Bruder , mußt doch , « meint die Anna Maria , » einem Geistlichen , der mit dem heiligen Leib unverrichteter Sach ' muß zurückkehren , tanzen die Teufel nach bis zur Kirchentür ! « » Du närrisch Weibmensch , du ! « schreit der Bartelmei , » jetzund Kindergeschichten erzählen , daß dich der Herr Pfarrer recht mag auslachen . - ' s wär mir doch all doch eins und gern möcht ' ich das Teigblättlein verschlucken , daß der Herr unangefochten könnt ' nach Haus gehen , aber ich halt ' nichts drauf , und da , hab ' ich oftmalen gehört , wär ' s eine großmächtige Sünd ' , wollt ' einer in vorwitziger Weis ' das heilige Sakrament empfangen . « Auf dieses Wort hat der Pfarrer des Kranken Hand gedrückt . » Hochmütig , Bartelmei , mußt du desweg nicht werden , jetzt in deinen alten Tagen , aber das sag ' ich dir , du denkest schon das Rechte . Du bist Büßer , du