niemals ein Ton in ihnen erklungen sei . Nun war die rechte Zeit der Einsamkeit für die Katzenmühle gekommen , die ja versteckter lag als sonst eine Menschenwohnung weit umher . Mit den andern Wassern verstummte natürlich auch das Rinnsal des Baches ; auch das leiseste Klingen der vereinzelten Tropfen aus der fernen Welt des Lebens über dem zerbrochenen Rade hatte aufgehört ; Mutter und Sohn in der Mühle waren allein , und niemand störte sie , selbst Leonhard Hagebucher nicht . Wir kommen aus dem Hause des Todes , und der Tod ist eine ernste Sache : aber er hinderte uns nicht , festen Schrittes einherzugehen und verständlich , mit heller Stimme unsere Meinung zu sagen . Nun fürchten wir das Echo in den Wäldern zu erwecken was ist das ? Kann das Leben größere Mysterien haben als der Tod ? Hier war ein Wunder ; die Frau Klaudine war gewachsen ! Um eines Hauptes Länge war sie höher geworden über Nacht . Sie hatte beide Hände vor sich auf den Tisch gestützt und so sich langsam aufgerichtet . Mit großen , klaren , ernsten Augen blickte sie in ihr Geschick - - bis hierher und nicht weiter ! Sie hatte in der Einsamkeit und Hoffnung einen mächtigen Willen gewonnen . Sie fürchtete sich nicht ; sie war die Starke , die Herrin , und keine Unbändigkeit hielt vor ihr aus . Die Laufbahn des wilden Abenteurers war zu Ende in dem Augenblick , wo er den Fuß über die Schwelle seiner Mutter setzte ; die Laufbahn der Frau Klaudine Fehleysen begann in demselben Augenblick von neuem . Er konnte krank , gebrochen , als ein Bettler an die Tür der Katzenmühle pochen ; er konnte als ein verfolgter Verbrecher zurückkehren : durch tausend schlaflose Nächte hatte die Mutter auf die Tritte gehorcht , die sich nahen mußten . Wenn er mit sinnlosem , tierischem Lachen durch den Wald taumelte , wenn sie ihn dir mit geschlossenen Händen brächten und dich fragten : Ist dieser dein Sohn ? , wenn er mit einem Haufen wüster , trunkener Genossen Einlaß begehrte , die Mutter war auf alles gerüstet , sie hatte für alles ihren Gruß bereit , und nun ? ... Am Tage nach dem Begräbnis seines Vaters ritt Leonhard Hagebucher auf dem Gaul des Vetters Wassertreter von Bumsdorf herüber , in schweren Sorgen um das , was er finden würde . Er fühlte sich müde und verwirrt und hatte große Furcht , daß man ihn frage , was zu tun und was zu lassen sei ; ja er hatte sich sogar eines gewissen egoistischen Überdrusses an den Schicksalen der Leute , zu denen er ging , zu schämen . Das Bedürfnis nach Ruhe lag ihm nicht nur in den Knochen , sondern es lähmte ihm jede Seelenfiber , und als zwei fette Krähen , die eine Zeitlang auf dem Wege Vor ihm herhüpften , sich jetzt erhoben und mit munterm Flügelschlage krächzend über dem Walde zur Linken verschwanden , da schüttelte er ihnen eine matte Faust nach und murrte : » Ihr Kerle wißt gar nicht , wie gut ihr es habt ; übrigens meine besten Grüße an das Kind , den Herrn Professor und die koptische Grammatik ! « Des Vetters Gaul hatte , wie der Vetter selber , seinen eigenen Gang ; aber auch er brachte einen an Ort und Stelle , wenn man ihn gewähren ließ , und da sich Leonhard vollkommen in der Stimmung befand , jedermann gewähren zu lassen , so erreichte er mit ihm und auf ihm wohlbehalten und eigentlich früher , als ihm lieb war , das gastliche Haus zum Ochsen im Dorfe Fliegenhausen . Hier fand der Gaul seinen Weg in den warmen Stall allein , und Hagebucher ging zu Fuße zur Katzenmühle und schüttelte unterwegs manchen über den Pfad hängenden und mit klingenden Eiszapfen behangenen Ast , um sich eine Haltung zu geben . Kalt zwar schien die Sonne auf das bereifte Dach der Mühle , aber es war doch die Sonne , und der gefrorene Boden tönte unter den Füßen ; Sumpf und Morast Versperrten heute nicht den Weg zu der Tür der Frau Klaudine . Mit fröhlichem Gebell sprang der Spitz dem Nahenden entgegen , und auf der Schwelle des Hauses erschien der Herr van der Mook , schüttelte stumm und ein wenig verlegen die Hand Leonhards und führte ihn in die Stube , wo die Frau Klaudine schreibend am Tische saß , aber schnell die Feder niederlegte und mit einem Blick aus der staunenden Seele Hagebuchers alles Dunkel und alle Müdigkeit verscheuchte . » Siehst du , Viktor « , sprach sie , » ich wußte es , daß er kommen würde . Ich bin von Stunde zu Stunde seinen Schritten durch die letzten Tage gefolgt - wie hätte ich mich täuschen können ? Wir wandelten in den Schatten des Todes , Leonhard , aber wir glauben an das Leben ; nicht wahr , nicht wahr , du kommst nicht , um Asche auf unsern Glauben , auf unsere Hoffnung , auf unsern Sieg zu streuen ? Dein Mut ist mein Mut , dein Glück ist mein Glück , wir stehen auf einem Felde . Wir sind wenige gegen eine Million , wir verteidigen ein kleines Reich gegen eine ganze wilde Welt : aber wir glauben an den Sieg , und mehr ist nicht nötig , um ihn zu gewinnen . « Gleich einem hellen Glockenklang hallte dieses Du der Frau Klaudine in dem Herzen Leonhards wider . Nie hatte ihm in seinem eigenen Leben oder in einem Buche der Geschichtsschreiber und Poeten etwas so imponiert wie diese Frau , welcher jener Stern Wermut jeden , auch den süßesten Brunnen vergiftete . So königlich stand sie in ihrem schwarzen Kleide vor ihm , daß er gar nicht daran dachte , ihr mit einer wohlgesetzten Rede zu antworten , daß er weiter nichts tun konnte , als dem Jäger die Hand hinzureichen und stotternd zu sagen : »