Nun so geht nur . Ich kann nichts genießen und bleibe hier . « - So endigte dieser Tag ruhig am Teetisch , wie jeder andere . Mit dem wilden Besuch war auch das Gewitter abgezogen . Bis Mitternacht wachte Regina dann noch in der trauten Kapelle im Frieden ihres Gottes und ihres Herzens . - Ihr Vater war inzwischen wohlbehalten auf Stamberg angelangt . Er fand seine Mutter nicht nur nicht in Lebensgefahr , sondern die Aerzte , die aus Darmstadt und Heidelberg gerufen waren , versicherten sogar , daß sie sich erholen könne , wenn sie recht gepflegt und geschont werde . Ob ihr Mann sich darauf verstehe , war dem Grafen zweifelhaft ; denn Baron Stamberg , übrigens der harmloseste Mensch auf Erden , war jetzt in einer permanenten Wut , weil der Gegenstand seines lebhaftesten Interesses hienieden ihm durch die Erfindung der Grundrechte beeinträchtigt wurde : die Jagd , die geliebte Jagd ! Statt also seine Frau zu beruhigen , regte er sie doppelt auf - zuerst durch seine zornig gereizte Stimmung welche die Zukunft für ewige Zeiten rabenschwarz und hoffnungslos sah ; dann durch den Ärger , den sie empfand , weil er so ganz außer Rand und Band war . Der Graf konnte nicht umhin , Vergleiche anzustellen zwischen Stamberg und Windeck , die ganz zu Gunsten Windecks ausfielen ; denn , sprach er zu sich selbst , wenn ich auch - und zwar mit vollem Rechte - über die gegenwärtigen öffentlichen Zustände wüte und Isabelle ein weniges zu viel lamentiert : so haben die übrigen doch frische Hoffnung und guten Mut - was allerdings heroisch ist ! - und Hoffnung ist ansteckend . Ohne Hoffnung aber ist das Leben eine Hölle . Ich meinesteils möchte nicht hier bleiben ! - - Brigitte sagte am andern Morgen , während sie Regina ' s schönes Haar flocht , ganz schüchtern : » Haben die Gräfin wohl den Herrn Hauptmann bemerkt ? « » Warum titulieren Sie den Rädelsführer so feierlich als einen Herrn Hauptmann ? « fragte Regina lächelnd . » Den meine ich nicht , « entgegnete Brigitte , » sondern Herrn Florentin , dessen Zuname ja Hauptmann ist . « » Florentin ! unser Florentin ? Wie käme der unter eine solche Bande ! « rief Regina überrascht . » Ich möchte wetten , daß er es war ! « sagte Brigitte . » Meine Schwester war ja bei Ihnen ; hat auch sie ihn erkannt ? « » Ich glaube nicht ! Sie hat wenigstens nichts geäußert . « » Und ich glaube , daß Sie träumen , Brigitte ! Hüten Sie sich vor solchen Äußerungen , die ein verkehrtes Geschwätz unter die Leute bringen , dem armen Florentin viel schaden und meinem Vater sehr wehe tun könnten . In der unbestimmten Beleuchtung und bei Ihrer Ängstlichkeit haben Sie gewiß nicht erkannt , welche Gesichter denn eigentlich zwischen Hut und Bart steckten . Es wird jetzt so viel Falsches und Lügenhaftes in die Welt gesprengt , daß man sich mehr denn je vorsichtig in Worten zeigen und auch nicht alles glauben muß , was die Leute erzählen . « » Wie hätte die Bande wohl wissen können von der Gewehrkammer des Herrn Garfen ! « » Gutes Kind , « versetzte Regina , » ich bin fest überzeugt , daß man auf zehn Stunden in der Runde ganz genau weiß , wie es hier aussieht und was hier vorfällt . Das spricht sich herum - auch ohne den armen Florentin . « - - Regina nahm ein Buch zur Hand und Brigitte sah sich genötigt , ihr Geschäft schweigend zu vollenden . Dennoch blieb sie dabei , sie habe Florentin erkannt . Und sie hatte auch ganz recht . Er hielt sich in Frankfurt auf . Je näher dem babylonischen Feuerofen der Leidenschaften - desto besser ! da konnte er an jedem Ereignis teilnehmen , zu jeder Bewegung mitwirken . Warum nicht auch in Windeck um Waffen bitten für die Freiheiltskämpfer der Einheit Deutschlands ? Er fand das sehr erhaben ; der Graf selbst mußte , trotz reaktionärer Gesinnung und ultramontaner Umgebung , für Schleswig-Holstein Sympathien haben und die Freischärler mit offenen Armen empfangen , das war ja gar nicht anders möglich . Heroisch wollte er den Zug nach Windeck führen . Der Steinwurf , den ein roher Gesell aus dieser Schar abends zuvor , als er von Ferne einen Priester erblickte , auf Levin warf , verstimmte Florentin auf ' s äußerste , denn im unglücklichen Falle wäre das ein Meuchelmord gewesen - und damit wollte er nichts zu tun haben . Als er nun gar die Abwesenheit des Grafen erfuhr , wäre er am liebsten wieder umgekehrt ; denn vor wem sollte er seine gracchische Rede halten ? Doch Umkehr ließen seine Kameraden nicht zu ; sie wollten nicht unverrichteter Sache abziehen und Florentin blieb , um den Ausgang derselben zu überwachen . Als aber Regina erschien , versenkte er sich in die tiefste Dunkelheit und überließ einem anderen das Wort . Der Moment war doch nicht großartig genug , um vor ihr in der vollen Würde eines Volkstribuns auftreten zu können . Vor dem Grafen schon eher ! aber vor ihrem klaren , unbestechlichen Auge - nimmermehr ! Wie er sie da sah auf dem Perron , so unaussprechlich edel in ihrer Ruhe , so umflossen von einer Sphäre von Licht fielen ihm als schneidender Gegensatz Frauen ein , die er an Barrikaden gesehen hatte , in karikierter Begeisterung und verzerrter Leidenschaft . Unwillkürlich mußte er sich eingestehen , daß jene Freiheitsheldinnen einen widerwärtigen Eindruck neben dieser Vertreterin der Reaktion machten . Er war froh , als der Rädelsführer den Abmarsch antrat und fest entschlossen , einen zweiten Zug gen Windeck nicht mitzumachen . Die brutalen Bemerkungen seiner Kameraden über Regina und ihre Schönheit machten alles Blut in seinen Adern vor Zorn kochen ; aber was war da zu tun ? - nichts , als in der Liebe für