gleich Euch selbst . « Mit feinem Takte fühlte sie , daß gerade so Celtes ' Besuch bei ihr alles Anstößige vor Anderen verlor , wenn sie sagen konnte , daß er gekommen sei , um mit unter den Ersten zu sein , welche die Ehre hätten dem König vorgestellt zu werden . Jetzt klang es unten von Rosseshufen und Freudengeschrei ; Elisabeth ging dem König Max bis an die Treppe entgegen , Kunz stand an ihrer Seite und lachte die Ankommenden aus , daß er schon eine halbe Stunde vor ihnen im warmen Nest geruht . Herr Scheurl wollte dem König seine Hausfrau vorstellen , er aber sagte : » Ei so wenig ich meines Wortes vergessen , so wenig vergaß ich der schönen Frau Elisabeth , « und küßte ihr die Hand , indem er seine feurigen Blicke mit Entzücken über ihre herrliche Erscheinung streifen ließ . Denn in der That konnte er sie vielleicht in keinem günstigeren Augenblicke sehen , als da sie noch Mitten in der Erregung war , die ihr das Wiedersehen mit Celtes und sein Ungestüm , darauf das Erschrecken durch den Narren bereiteten - und nun kam noch dieser stolze Triumph dazu , den ritterlichen König bei sich zu empfangen , von ihm unvergessen zu sein und dieselben Schmeichelworte aus seinem Munde zu vernehmen , auf die verzichten zu müssen sie zuweilen gefürchtet hatte . Nun war ja der ersehnte Augenblick da , wo sie den Dichter und den König einander zuführen konnte - sie that es mit der ganzen ruhigen Würde ihres eigensten Wesens . Sechstes Capitel Im Kloster Seit Ulrich von Straßburg erkannt hatte , daß sein Freund Hieronymus in seinem Vorurtheil gegen die Juden verrottet und unverbesserlich sei , hielt er ihn auch in andern Stücken einer gleichen Engherzigkeit für fähig und während er ihm sonst fast seine geheimsten Gedanken mitgetheilt hatte , fühlte er sich jetzt veranlaßt , gegen ihn über sein Gespräch mit dem Propst zu schweigen , welches so viele bange Zweifel und unheimliche Fragen in ihm aufgeregt hatte . Die Baubrüderschaften im Allgemeinen waren nicht nur in ihren speciellen Kunstleistungen , sondern auch in der Freiheit ihrer Lebensanschauungen und ihrer religiösen Ansichten ihrer Zeit voraus . Aber wie , besonders in großen Uebergangsperioden , wie der Ausgang des Mittelalters in seinem Schooße trug , sich immer Altes und Ausgelebtes mit Neuem und Weitausgreifendem oft in einem Individuum und noch öfter in gesellschaftlichen Gliederungen beieinander findet , so war es auch bei den Baubrüderschaften selbst und ebenso bei ihren einzelnen Mitgliedern . Der Geist des Albertus Magnus und seiner Geheimlehre der christlichgothischen Baukunst wirkte noch mächtig fort , und wie die Säulen der erhabenen Dome in immer kühneren Schwingungen aufstiegen , wie der ganze Bau und in ihm wieder jeder einzelne Stein zu leben schien und dabei aus der Begeisterung , damit Gott und dem Christenthum zu dienen , eine Begeisterung für die Kunst an sich und ihren eigensten Cultus neben , oder auch über dem christlichen geworden war : so lebte wohl auch in den Brubrüderschaften ein höher und weiterstrebender Geist , als er sonst in ihrer Umgebung sich kund that - aber ebenso war auch etwas Versteinertes und unwandelbar Feststehendes in ihren Gesetzen und Statuten , das keine Reform derselben zuließ und Jahrhunderte lang dieselben äußern Formen und Bestimmungen bewahrte , als wären gerade sie das Wesentlichste der Sache . Dieselben Steinmetzen , welche sich ungestraft erlauben durften Tiara und Inful zu verspotten und in ihren auf ewige Dauer berechnenden Steingebilden zur Hölle fahrende Mönche und Nonnen , Könige und Bischöfe , ja Kaiser und Päpste dem Hohne der Zeitgenossen wie der Nachkommen preiszugeben - dieselben Steinmetzen mußten gewissenhaft zur Beichte gehen , und verfielen den schwersten Strafen der eigenen Hüttengesetze , wenn sie irgend eine kirchliche Handlung verabsäumten . Dieselben Freidenker , welche sich über das gesunkene Kirchenthum erhaben fühlten , waren doch die Feinde derer , welche sich nicht dazu bekannten - die allgemeine Verachtung , welche damals die Juden traf , wie der Haß gegen die Türken als den Erbfeind der Christenheit , war auch im Bekenntniß der Baubrüder eine Hauptstelle , und auch die Aufgeklärtesten unter ihnen waren ganz und gar von diesem Vorurtheil erfüllt . Wir haben gesehen , wie Hieronymus auf das Mächtigste von ihm beherrscht ward - ebenso wenig war Ulrich ganz frei davon , aber er hatte doch an die Worte des Meisters denken lernen : » Unter allerlei Volk , wer Gott fürchtet und recht thut , der ist ihm angenehm « - und hielt es nicht für unmöglich , daß Rachel zu diesen Rechtthuenden gehören könne - wenn schon sie so unglücklich war eine Jüdin zu sein ! Aber Hieronymus wollte nichts von einer solchen Anschauung wissen und fürchtete zumal auch , daß Ulrich sich und ihn in Schimpf und Schande in der Hütte bringen werde , wenn ein Zufall oder vielleicht Rachel selbst verriethe , daß er mit ihr gesprochen und sie in seiner Wohnung verborgen gehabt hatte , in die sie früher schon mehr als einmal sich gedrängt . Wie den Baubrüdern jeder Verkehr , auch mit ehrbaren Frauen , als Vergehen angerechnet ward , galt der mit einer Jüdin als doppeltes Verbrechen , denn man achtete eine solche gleich der verworfensten Dirne , mochte sie auch unschuldig sein wie ein Kind . Zu den andern Vorurtheilen sowohl der Zeit als der Baubrüderschaften , die darauf ihre Gesetze gründeten , gehörte die Nothwendigkeit ehelicher Geburt zu sein . Alle unehelichen Kinder galten als rechtlos , und der Makel , den sie so mit auf die Welt brachten , heftete sich an ihr ganzes Leben . Bei ihnen erwiesen sich allein die Klöster als eine rettende Zufluchtsstätte , in der sie vor dem Fluch gesichert waren , der sich draußen an ihr ganzes Leben knüpfte . Fast von allen Handwerken und Aemtern waren sie ausgeschlossen , und die Fürsten verfügten über sie ganz wie über Leibeigene . Das » Wildfangsrecht « z.B. , ein