einer der Seitenstraßen heraustrat . Ihm gegenüber mußte aber plötzlich Etwas erscheinen , was seine ganze Aufmerksamkeit fesselte , denn er blieb mit einem Male stehen , wandte sich und , um den ihm Begegnenden nicht aufzufallen , nach einem Bilderladen , wo er angelegentlichst ein paar Kupferstiche zu betrachten schien , in der That aber seine Augen fest auf die andere Seite des Platzes gerichtet hielt . Dort befand sich ebenfalls ein eleganter Laden , und ein Strom von Menschen trieb bei ihm vorbei ; es war das eine ziemlich wirre Masse von Fußgängern aller Art : Herren in Paletots , Damen in Mänteln , viele Regenschirme und viele Equipagen , die ab und zu fuhren und bald vor diesem , bald vor jenem Gewölbe hielten . Während der Baron da stand und schaute , änderten sich seine Gesichtszüge in der gleichen Art wie vorhin im Salon des Grafen Fohrbach , nur mit dem Unterschiede , daß jetzt Entschlossenheit weniger vortrat , dagegen eine gespannte Aufmerksamkeit alle Muskeln seines Gesichtes zusammenzog . Ohne unsere Hilfe wird der geneigte Leser unmöglich errathen , was der Baron so aufmerksam betrachtete , weßhalb wir es für unsere Schuldigkeit halten , diesen Gegenstand näher zu bezeichnen . Zwischen dem Gewühl der Wagen und Fußgänger bemerken wir einen Bedienten in anständiger Livrée , ohne Regenschirm , den himmlischen Wassern trotzend , der anscheinend vollkommen sorglos und durchaus nicht eilig an den Häusern vorbei schleicht . Jetzt hatte er beide Hände in die Hosentaschen gesteckt , im nächsten Momente zog er sie hervor und legte sie auf dem Rücken zusammen . Dabei blieb er zuweilen einen Augenblick stehen , schaute an den Himmel hinauf und schien Etwas in Ueberlegung zu ziehen , worauf ihn das Resultat dieses Nachdenkens vorwärts trieb , denn er machte ein paar schnelle Schritte , um gleich darauf wieder nachdenkend stehen zu bleiben ; endlich pflanzte er sich vor einem der Gewölbe auf , beschaute aber nicht die ausgelegten Waaren , sondern blinzelte nach der Polizeidirektion , die nur noch wenige Schritte vor ihm lag . Das Alles bemerkte der Baron vor dem Bilderladen und sprach leise zu sich selber : » Wenn der Kerl da einen Auftrag hätte , so würde er sich bei dem scheußlichen Wetter wahrscheinlich beeilen , da er aber auf Etwas zu spekuliren scheint und auf alle Fälle über Etwas nachdenkt , so will mir sein Herumschlendern dort bei dem verdächtigen Gebäude durchaus nicht gefallen . - Passen wir auf . « Jetzt hatte der Lakai wieder einige Schritte gethan und befand sich an dem großen Eingang der Polizeidirektion . Er blieb hier abermals stehen , betrachtete das Haus von oben bis unten , blickte verstohlen in das Vestibul , las hierauf eifrig die an der Mauer aufgeklebten Anzeigen , dann setzte er einen Fuß auf die unterste Treppenstufe , zog ihn aber wieder zurück und schlich an dem Hause vorüber . Der Baron athmete tief auf . - Jetzt aber ballte er krampfhaft die rechte Hand , streckte sich hoch empor und sein Auge blitzte ; drüben war der Bediente wieder umgekehrt und nach abermaligem Zaudern nun in der Thüre des Polizeidirektions-Gebäudes verschwunden . Einen Augenblick verharrte der Baron in der eben beschriebenen Stellung , dann biß er die Zähne über einander , nickte mit dem Kopfe und murmelte : » Das war ein glücklicher Zufall ! « worauf er in das Kaffeehaus trat , eine Cigarre verlangte , eine Zeitung nahm und sich an die Thüre stellte ; anscheinend in das Journal vertieft , blickte er fast jede Sekunde auf den Platz hinaus . Er mußte nun eine gute halbe Stunde warten , bis der Lakai drüben wieder aus dem Gebäude heraustrat . - » Ich will nun sehen , wie er davon geht , « dachte der Baron , » schleicht er unentschlossen zurück , wie er gekommen , so ist vielleicht Nichts verloren ; - wenn nicht - - ah ! der Hallunke ! « - Dieser Ausruf entfuhr ihm etwas lauter als er es gerade gewollt , da er bemerkte , wie der Bediente drüben förmlich die Treppe hinabstürzte und als werde er gejagt über die Straße dahin flog . Ein Paar harmlose Zeitungsleser in dem Kaffeehause , die das laute Wort des Barons vernommen , blickten erstaunt in die Höhe , schrieben es aber wohl einem Artikel zu , den der Baron in seinem Journal gelesen , denn dieser bezwang sich augenblicklich und schaute so harmlos in die Spalten , als interessire ihn sonst Nichts auf der ganzen weiten Welt ; auch blieb er noch eine gute Viertelstunde an der Thüre stehen , worauf er ruhig von dannen ging und ebenso über den Platz schritt bis zum nächsten Fiakerstand . Dort setzte er sich in einen Wagen , gab dem Kutscher eine Adresse , forderte ihn auf , schnell zu fahren und befand sich kurze Zeit darauf an der Thüre seiner Wohnung . Da wir später und zu gelegenerer Zeit dem Baron einen Besuch zu machen gedenken , so wollen wir uns jetzt nicht mit einer Beschreibung dieser Wohnung aufhalten , um so weniger , da der Herr des Hauses selbst außerordentlich eilig zu haben scheint . Schon auf der Treppe pfiff er auf eine eigenthümliche Art , worauf ein Bedienter herbeisprang und die Glasthüre aufriß , die in den ersten Stock führte . » Sogleich meinen Wagen ! « befahl der Baron , indem er vorüberschritt und sich in sein Ankleidezimmer begab , wo ihn der Kammerdiener erwartete . Kurze Zeit nachher hörte man einen Wagen vorfahren , und als der Bediente die Meldung davon brachte , hatte sich der Baron bereits umgekleidet . Er trug einen eleganten einfachen Morgenanzug , ließ von dem Kammerdiener ein rothes Band in das Knopfloch befestigen , zog einen leichten Paletot an , und eilte ebenso geschwind die Treppen hinab , wie er hinaufgestiegen war . » Nach der Polizeidirektion ! « rief er dem Kutscher zu ; das leichte Coupé flog davon