: » Und Deine Kritik , lieber Otbert , hat gar nur einen einzigen kleinen Fehler ; nämlich den , daß ein Dichter sie macht . « » Dieser Rivalität glaube ich ohne Unbescheidenheit überlegen zu sein ! « rief er spöttisch . » Die wahre Ueberlegenheit ist nachsichtig , lieber Otbert , und reicht die Hand um weiter zu helfen . Die unächte - sucht in den Staub zu drücken . « » Das ist excellent ! sagte er lachend . Glaubst Du wirklich daß diese Gedichte den meinen gefährlich werden könnten ? « » Ich sprach nicht von Deinen Gedichten , nur von Deiner Gesinnung . « » Vermuthlich trittst Du nächstens mit einem Bändchen Gedichte vors Publikum , und brandmarkst im Voraus jeden der sie nicht bewundert mit neidischer Gesinnung . « » Darauf entgegne ich wie jener Gelehrte , den Johannes Falk fragte ob er dichte ? - Nein ! so gemein hab ' ich mich Gottlob nie gemacht . « » Vor Dir muß man die Waffen strecken ! sagte Otbert verbindlich . Du bist wie gepanzert . « » Man muß es sein wenn man mit Euch in die Schranken tritt . « » Dann muß man aber auch noch mit Göttern und Dämonen in Verbindung sein , die einen solchen Panzer schmieden . « » Ganz und gar nicht ! man braucht nur seine Eitelkeit abzulegen . Da uns das eher möglich ist als Euch : so sind wir dann im Vortheil . « » Mit Dir ist auf keine Weise zu streiten ! die Verblendung für Dein eignes Geschlecht - hinter der sich natürlich die über Dich selbst verbirgt - ist allzu kolossal ! der Mann soll eitler sein als das Weib ! .... unerhörte Behauptung , da Ihr nur lebt , webt , athmet und denkt in Bezug auf Eure Eitelkeit oder in deren Genuß - da Ihr von der Schleife an , die Ihr an Euren Busen steckt , bis in Eure Leidenschaften , ja , Tugenden hinein , unter deren Scepter steht ! « » Ganz richtig ! dies behaupten , mein lieber Otbert , heißt aber nicht das Gegentheil für den Mann beweisen . Nachdem ich also den Vorwurf dieser großen Sünde für mein Geschlecht angenommen , nehme ich auch eine Tugend für dasselbe in Anspruch , die es sich , an lange Unterwerfung , ja Unterdrückung gewöhnt , angeeignet hat - Selbstverleugnung : die Fähigkeit hinter das Geliebte zurückzutreten . Dies Geliebte , Otbert , braucht nicht immer ein Mann , nicht immer ein Kind zu sein . Es kann auch eine Ueberzeugung , ein Glaube , eine Liebe , eine Idee sein . Wo die herrscht - ist die Eitelkeit todt . « » Ob sie nicht Ideen hatten , und für diese sterben wollten ? - spricht Platens Mopsus neben seinen zwölf todten Kindern . Du willst daß das Weib für Ideen lebe ! Er vervollkommnet Deine Weltanschauung , theure Sibylle . « » Er persiflirt sie .... und das unterhält mich sehr . Es wäre gar langweilig wenn man ernste Dinge immer mit feierlichem Ernst , und nicht zuweilen mit jenem Humor betrachten wollte , den ihre Uebertreibung oder ihre Kehrseite in jedem aufrichtigen Gemüth hervorlockt . « » Du nimmst also auch den Humor für Dein Geschlecht in Anspruch ? ein humoristischer Mann gilt bisjezt für einen halben Phönix ! Indessen .... die elektrische Schnellkraft , die aus dem Gebiet der Empfindung in das der Ueberlegung hinüberspringt - die sich mit überraschendem Schwung aus den Rosenwolken der Gefühle auf die Gletscherspitze der Ironie oder in den klaren Aether der Betrachtung erhebt - deren bedürft Ihr dazu nicht . Ihr macht Verse , plaudert von Emancipation , raucht Cigarren und findet das ungemein humoristisch .... während man es in der That burlesk nennen müßte ! Diese Verschrobenheit ist eben eine Folge des Emancipationsprincips , das jezt in der Welt grassirt . « » Otbert ! eine Welt die Ihr , Ihr Männer ! durch Eure Civilisation so verschroben , so materialistisch gemacht habt , daß Weiber wähnen können durch dichten und durch rauchen einige Stufen ihrer Entwickelung zu erklimmen - kommt mir lächerlich vor , und so öde , so hohl , daß sie nicht dauern kann . Und wenn die Weiber Rauchclubs stifteten , es würde ihnen zu ihrer Emancipation ebensowenig , als Euch Eure Jagd-Spiel- Jockey- Rauch- Schach- und sonstige Clubs zum Fortschritt helfen . Lange Meditationen , tiefe innere Sammlung , ruhige fragende vergleichende Einkehr in sich selbst , müssen jeder höheren Entwickelung vorhergehen . Davon ist jezt bei Männern und Weibern keine Spur ! sie sind zerfahrner , haltungsloser , äußerlicher denn je . Vielleicht werden die Weiber zuerst darüber zum Bewußtsein - und somit zur Besinnung kommen , daß ihre Emancipation nicht mit Cigarren und dergleichen Unsinn , sondern mit der gleichmäßigen Ausbildung ihrer Innerlichkeit , mit der Pflege ihrer Pflichten und ihrer Rechte beginnen müsse . Warum sie zuerst ? weil in ihnen große Kräfte sich dunkel regen . Wenn die licht werden « .... - - » So tritt eine Regeneration ein , nach der auch alle socialen und religiösen Emancipationen streben und drängen ! Nun sprichst Du ächt sibyllinisch , theure Sibylle ! d.h. Du sprichst aus was Jeder ohnehin sagt , ohne es zu verstehen . Bei der Möglichkeit der Weltumgestaltung muß auch der ewiglebendige Weltgeist , der alle Regenerationen hervorruft : die Vernunft , in Anschlag gebracht werden . « » Hat Christus mit der Vernunft die alte Welt aus ihren Angeln gehoben ? « sagte zu meinem Erstaunen Sedlaczech , der sich fast immer fern von unserm Kreise und Gespräch Abends im Musikzimmer aufhielt . » Die großen Regenerationen die über das Menschengeschlecht vom Anbeginn gekommen , sind durch zwei Mächte bewerkstelligt , welche mit der Vernunft so wenig zu thun haben als die Sonne mit einem chinesischen Feuerwerk - durch Glaube und Liebe . Wo der Glaube und die Liebe sein werden