was ich alles zu tun hab . - Denn das muß wohl meine größte Anlage sein , was mich am schnellsten aufregt und mich ganz mit sich fortnimmt . - Nun , obschon ich keine Weltgeschicht studieren mag und bei dem Zeitunglesen vor Ungeduld mich kaum zusammennehmen kann , so ist ' s doch die Welt , die ich regieren möcht , und mich reißt ' s hin , darüber nachzudenken . Wenn Du an den Clemens schreibst , so sag ' s ihm , das scheine mir mein entschiedenstes Talent , die Welt regieren ; weiß er Gelegenheit , mich darin zu üben , so will ich fleißig sein Tag und Nacht . Schon jetzt nehmen mir die Regierungsgedanken den Schlaf , von allen Seiten , wo ich die Welt anseh , möcht ich sie umdrehen . Eine Zeitlang hat alles , was ich im Leben erfahren hab , wie eine hölzerne Maschine auf mich gewirkt . So der ganze Religionsunterricht , der machte mich völlig dumm . - Zum Beispiel die Lehre , mit welchen Waffen die Ketzer zu bekämpfen , mit welchen Grundsätzen sie bekämpfen ? - Da kam mir Ketzer und Waffe und Glaube alles wie ein Unsinn vor , und hätt ich nicht meine Zuflucht dazu genommen , gar nicht zu denken , so wär ich ein Narr geworden . - Wie denn wirklich alle Menschen Narren sind , meine große Courage , dies zu glauben und ohne viel Sperenzien , sie auch danach zu respektieren , das hat mich freigemacht von der Narrheit . - Und wie sollt doch einer aus dem Schlamm des Philistertums herauskommen , als von frischem sich in die Hände Gottes geben , der hat nicht umsonst den Menschen aus Lehm gemacht , da er ihn nur anzuspeien braucht , daß er wieder feucht wird , um ihn von Grund auf neu durchzukneten und seine erste reine Gestalt wiederzugeben . - Woran erkennt man einen katholischen Christen ? - Am Zeichen des heiligen Kreuzes ! - Dies schlug mir den ersten widerspenstigen Funken aus dem Geist . Denn was braucht doch der natürliche Mensch ein katholischer Christ zu sein und sich bekreuzigen ? - Ist das der nächste Weg , Gott ähnlich zu werden ? - Ist Gott ein katholischer Christ ? - Oder ist er wie Du ein Ketzer ? - Und warum machen wir doch das Kreuz , als bloß um wie die Hunde dem Ketzer die Zähne zu fletschen . - Als wir aus dem Kloster zurückgeholt wurden ins väterliche Haus , da ließ uns die Frau Priorin vor sich kommen und schärfte uns ein , ja nicht den katholischen Glauben zu verlassen , wenn wir zu unsrer Großmutter kommen , die eine lutherische Dame sei , sondern wir sollten alles dranwenden , sie zu bekehren . Sie sagte das mit so viel Herzenswärme , ich hätte ihr die Hand drauf geben wollen , aber ich wußte nicht , was katholisch sei - ich half mir ; alles , was nicht lutherisch ist , das sei katholisch . Alles , was man lernen muß , hüllt den Verstand in eine Nebelkappe , daß die Wahrheit uns nicht einleuchte . Alles , was wir zu tun bewogen sind , ist Eselei . - Meinungen von geistreichen Männern zu hören , was der Großmama ihre Passion ist , das scheint mir leeres Stroh , liebe Großmama . - » Du kannst doch nicht leugnen , liebes Kind , daß sie die Welt verstehen und dazu berufen sind , sie zu leiten ? « sagte sie gestern . - » Nein , liebe Großmama , mir scheint vielmehr , daß ich dazu berufen bin . « » Geh , schlaf aus , Du bist e närrisch ' s Dingle . « Bei der Großmama wird jetzt abends allerlei Politisches unter den Emigranten verhandelt , da wird die Umwälzung des großen Weltkürbis von allen Seiten versucht , er deucht ihnen angefault . Außer Choiseil , Ducailas , d ' Allaris , die immer das Wort führen , kamen gestern noch ein Herr von Marcelange und Varicourt , dieser letztere besonders schön von edler Haltung , ritterlich , ich könnt keinen Augenblick glauben , daß ihm je etwas Unebenes in den Sinn komme ; er wendete sich immer zu mir , als ob er um meinen Beifall werbe - ai-je raison ? Seine Reden machten mir Eindruck , er war in Begleitung einer Herzogin von Bouillon ( Hessen-Rothenburg ) und einer Prinzeß Biron , die mittags auch die Großmama besucht hatten , durch Frankfurt gekommen , ein Graf Catälan hat ihn zur Großmama geführt , die litt nicht , daß die Emigranten wie gewöhnlich Politik sprachen , weil sie meistens geteilter Gesinnung sind , später erzählte sie , daß sein Bruder jener Varicourt sei , der als garde du roi am 6. Oktober 1790 in Versailles an der Tür der Königin ermordet wurde , als er ihr zurief : » Königin ! Retten Sie sich , es ist der letzte Dienst , den ich Ihnen leiste ! « Die Großmama erzählte mir von seiner Mutter , die sie kurz nachher in der Schweiz auf einem verfallenen Landsitz bei Nyon getroffen hatte in einer düstern großen Vorhalle , die zugleich Küche war , mit alten wollnen Tapeten so faltig behangen , ein altes Ruhebett , auf dem der Hut ihres Sohns mit weißer Kokarde lag , ein paar Strohstühlchen , ein ungeheuer großer Kamin mit einem kleinen Feuer von einigen Rebenreisern , wo ein Kesselchen mit Teewasser für die kranke alte Frau kochte , eine schlafende Katze zu ihren Füßen , ein einziges schmales hohes Fenster in diesem zerfallenen Wohnsitz einer ausgestorbenen Familie , da habe die Frau den Hut ihr gezeigt und gesagt , es war eine Zeit , wo das weiße Band ganz Frankreich zum Gehorsam für seinen König aufrief usw. - Ich hörte der Großmutter gern zu , solang sie dies erzählte , dabei brachte sie aber noch so manches