Du könntest ihm vorgeschlagen werden . Schade daß Du ein Jude bist ! - Es war Schade , ich muß Friedrichen noch jetzt Recht geben , aber es war auch gut . Der Jude eben befähigte mich , der Versuchung zu entgehen , die mir Friedrich ' s zu wohlwollende Güte zudachte . Zu jener Zeit lebte ein wohlhabender , aber schwachköpfiger Mann in der Nähe Bonn ' s , der zuweilen auch mich besuchte . Dieser Mann , schon bejahrt , ward von der jüngeren Männerwelt seiner religiösen Einbildungen wegen gewöhnlich nur der veilchenblaue Engelhüter genannt ; denn er behauptete mit unerschütterlicher Festigkeit , alle Engel trügen im Himmel veilchenblaue Roben mit rosarothen Bändern , und ein ehrwürdiger Greis in weißen Strümpfen mit gelben Zwickeln führe sie früh und abends durch den Himmel spaziren . Es war mir nun zwar ziemlich gleichgiltig , was der Mann von sich hielt und den Amusements in seinem Himmel , nur durch Friedrich ' s Aufmerken ward er mir interessant und sogar bedeutsam . Sie wissen , Christus ritt unter dem Jauchzen des Volkes , von Palmzweigen umweht , über ausgebreitete Teppiche auf einer Eselin in Jerusalem ein , um ein paar Tage später gekreuzigt zu werden von meinen harthörigen Vorfahren , warum sollte denn nicht ein moderner Virtuos an der Hand eines Pietisten dem Ziele seines Lebens entgegengehen ? Jener Mann hieß Steinhuder und hatte Geld die Fülle . « » Steinhuder ! « rief ich und Oskar zu gleicher Zeit . » Sie haben richtig gehört , « fuhr Mardochai ruhig fort . » Der Mann ging und kam ; ich vermochte Friedrichen , sich mit ihm zu unterhalten - denn Steinhuder sprach nur himmlische Dinge , und diese auch in himmlischer Weise . Bald fand Friedrich Gefallen an diesem Umgang , wie ich bestimmt glaube , weil er durch jene mystisch-dunklen Gespräche eine Begeisterung in sich aufflammen sah , die seine musikalisch schöpferische Natur zu bisher ihm unbekannten Tongebilden hintrieb . Musik will an andern Gegenständen groß gezogen werden , als die Poesie . Ein in Knechtschaft ergebenes Gemüth wird musikalisch Größeres schaffen , als die Freiheitsbegeisterung eines radikalen Republikaners . Von jetzt an componirte Friedrich die herrnhutisch mystischen Lieder des Grafen von Zinzendorf , das Monstrum aller religiösen Geschmacklosigkeit , die lächerlich-ekelhafte Wundenlitanei und andere in ihrer Manie heilig sein zu wollen profan und frivol gewordene Gesänge z.B. den Seelenbräutigam . Gewissenhaft theilte er mir diese Compositionen mit , und ich lobte oder tadelte seine Producte , je nachdem ich es nöthig fand . Dabei unterließ ich nie , den Virtuosen consequent fortzustoßen auf seinem Pfade , der ihm angewiesen war von der Vorsehung oder - wenn Sie wollen - von dem Zorne des Himmels . Friedrich gehorchte . Sein Gemüth erschloß sich in jener Thränenfluth , die eine misverstandene Sentimentalität in überreicher Fülle über die Erde ausgießt . Er besuchte die Versammlungen der Frommen , bei denen der reiche Steinhuder präsidirte . Die Gesangstücke wurden von Friedrichen componirt , genial-barock , mystisch-verrückt , aber mir zu unendlicher Freude ! - Bleiben Sie ruhig , meine Herren , das Ende wird Ihnen die Gerechtigkeit meiner Freude schon erklären . Während dieses allmähligen Uebertretens zum Pietismus von Seiten Friedrich ' s ward Gleichmuth durch ein Hineinstürzen und leidenschaftliches Durchtoben seiner Lebensphasen der Vollendung entgegengerissen . Ich konnte nur mattherzig wirkend eingreifen , um ihn zu verhindern an gänzlichem Abschluß . Dazu bedurfte ich einer kleinen Charlatanerie . Friedrich mußte thätig dabei sein , bereute aber später seine Theilnahme und legte nun seine schmerzerfüllte Seele in einen Zuckerguß von pietistischer Frömmelei zur Ruhe . Ich hatte hier abermals hindernd eingreifen können , aber ich wollte nicht . Dieser Lebenslauf war Friedrich ' s psychische Bestimmung . Nur zur Rundung mußte ich noch Hand anlegen , und so weit meine Kräfte reichten , war ich nicht müßig . Steinhuder ward meinem Geiste zinsbar durch seinen Ungeist . Ich pfändete ihn aus , wenn er mit Friedrich nicht gebahrte , wie seine Natur es verlangte , und - Steinhuder fürchtete in mir - den Juden . - So kleidete sich Friedrich immer tiefer ein in die Harlekinsjacke einer Frömmelei , die halb aus protestantischen Dogmenflittern , halb aus katholischer Mystik zusammengesetzt war . Sein Gemüth sank zusammen , wie ein übergangener Mehlteig auf einem heißen Ofen , er ward etwas beschränkt , schwerfällig von Begriffen , aber eminent und erhaben in Stegreifcompositionen auf der Violine . Als er ein vollendeter Dummkopf geworden , als seine Seele brach lag auf dem Acker der Weisheit und stiller Forschung ; da befahl ich Steinhuder ' n , er solle diesen durch seine potenzirte Religiosität verpfuschten Bürger der Erde ernähren , und ich ließ mir von ihm einige tausend harte Thaler geben , um mit ihrer Hilfe für die Erlösung Israels zu arbeiten nach meiner Weise . So ward Friedrich blödsinnig . Heilig allein und göttlich unverfälscht blieb in ihm nur die Musik . Unbewußt schafft jetzt der Genius derselben in wilden Inprovisationen , was kein Sectengeist tödten , aber wol zu sündhafter Aufreizung anspornen kann . Friedrich spielt die originellsten Parodien auf die mystische Composition seiner Wundenlitanei , und ich sporne ihn an zu immer heller aufjauchzendem Frevelspiel , weil anders für Euch und mich keine Rettung ist . « Hier wurde der kalte Erzähler durch den Eintritt eines Dieners , der die Abendmahlzeit auftrug , unterbrochen . Sara folgte , Mardochai ließ das Thema fallen , änderte seine ganze Redeweise und ward der heiterste Wirth . Er erzählte artige Scherze aus seinem Leben als Handelsmann , Verwechselungen und Täuschungen , wie sie ihm wiederholt auf Reisen begegnet waren . Ein feiner Humor , der nur leise , aber doch treffend die bedeutendsten Fragen der Zeit berührte , würzte das Mahl . Der Ernst schien aus des Juden Gesicht völlig gewichen zu sein , und wer ihn zum ersten Male in solcher Umgebung gesehen hätte , würde ihn eher für einen sanguinisch vergnüglichen Lebemann gehalten ,