nach und nach alberner vor als irgendein Journal . « » Glaubst du denn , Bruder « , versetzte der Freiherr und gab seinem Wirte einen Kuß , » daß ich eine Stunde länger bei dir und bei deiner schrumpflichten Tochter vergähnen würde , wenn ich nur irgendwo anders Obdach und etwas zu beißen und zu brechen hätte ? « Die bewegten beiden Männer lagen einander lange sprachlos in den Armen . Zuerst erhielt der Wirt notdürftig seine Fassung wieder und stammelte : » Mein Bruder also ? « » Dein Bruder ! « flüsterte der Gast - » Und in des Worts verwegenster Bedeutung ! « Der Schulmeister trat ein . Die neuen Freunde wischten ihre Augen , der Schulmeister aber sagte : » Das gnädige Fräulein läßt anfragen , ob , wenn sie wiederkomme , keine Anspielungen , die ihr unangenehm wären , weiter vorfallen würden ? « Ihr Vater sandte den Boten mit der beruhigendsten Erklärung hinaus , welcher die Nachricht hinzugefügt wurde , daß nichts als die größte gegenseitige Offenheit im Zimmer herrsche . Als das Fräulein , noch eine leichte Röte auf den Wangen , erschien , ging ihr Münchhausen entgegen , küßte , wie er pflegte , ihr die Hand und sagte ernst : » Keine Mariage , meine Diotima-Emerentia ! « » Keine Mariage , mein Meister « , erwiderte das Fräulein in würdiger Haltung . So standen die beiden jungen Leute ohne Liebes-und Heiratsgedanken einander gegenüber ; ihre Hände blieben verbunden . Der Vater trat zwischen sie , legte seine Rechte , wie segnend auf die verbundenen Hände , blickte gen Himmel und rief : » Nie in diesem Leben eine Mariage ! « Die Rührung des Abends war groß . Der Ziegen am Helikon wurde nicht weiter gedacht . Keine der drei Personen , welche auf dem Wege der Offenheit einander so nahegerückt waren , mochte einen Bissen in den Mund nehmen . Der Schulmeister , welcher nichts von dem ganzen Hergange begriff , aß alles auf . Von den tiefsinnigen Bemerkungen , welche Münchhausen an diesem Abende mitteilte , hat die Geschichte folgende bewahrt . » Die Zeit verlangt Wahrheit , die ganze Wahrheit , nichts als die Wahrheit . Es muß noch dahin kommen , daß keiner dem andern eine Ohrfeige übelnehmen darf , wofern letztere nur aus einer teuren Überzeugung entsprang . Kein Briefgeheimnis , kein Hausgeheimnis ! Alle diese obsoleten Begriffe müssen fallen ! Alles muß öffentlich sein ! Die Spalten der Zeitungen dürfen sich selbst den Beobachtungen über die Vorgänge des Orts , wohin niemand schicken zu können Kaiser Karl der Fünfte bedauerte , nicht verschließen . « » Was für ein Ort ist dieser , mein Meister ? « fragte das Fräulein . » Er heißet auf Ebräisch Gehenna « , versetzte der Freiherr . » Ah so « , sagte das Fräulein und tat , als ob sie Münchhausen verstehe . Dieser fuhr fort : » Alles muß öffentlich sein für das neue priesterliche Geschlecht der Wahrheit ! Gott der Herr hat zwar Herz und Hirn unter Hüllen von Knochen , Häuten und Fleisch gesetzt , und deshalb meinte die Menschheit lange Zeit , sie dürfe manches , was Herz und Hirn ihr beschäftige , unter Hüllen verwahren , aber sie hat im Irrtum gestanden , es ist ein Versehen bei der Schöpfung vorgefallen . Brust und Kopf sollten eigentlich mit Glasschiebern erschaffen werden , was nur damals im Drange der Geschäfte übersehen worden ist . Ich weiß dieses von Nostradamus , den ich kürzlich sprach , und der es von Gott unmittelbar hat . « » Wer ist Nostradamus ? « fragte der alte Baron . » Ein emeritierter Professor der Naturgeschichte zur Leiden « , antwortete der Freiherr , nahm ein Licht und empfahl sich . Nach Münchhausens Abgange sagte das Fräulein zu ihrem Vater : » Damit nie wieder eine Anspielung der Art , wodurch ich heute aus dem Zimmer gescheucht ward , verlaute , bin ich im Begriff , Ihnen , mein Vater , sobald der Herr Schulmeister sich entfernt haben wird , eine große Eröffnung zu tun . « Der Schulmeister ging und murmelte : » Ich werde heute meinen Entschluß fassen . « Der alte Baron , welcher eigenen Gedanken nachhing , hörte auf seine Tochter nicht hin , sondern verließ mit den Worten : » Es ist eine Scheidewand gefallen und ich werde mir nun Licht schaffen « ; das Zimmer . Emerentia hatte sich - wie sie sagte , aus weiblicher Schamhaftigkeit , und um den Blick des Vaters zu meiden - mit dem Antlitze der Wand zugekehrt , als sie sich anschickte , die große Eröffnung zu tun . Sie bemerkte daher den Abgang ihres Vaters nicht und sprach eine geraume Zeit die tiefsten Herzensangelegenheiten der tauben Wand gegenüber aus , bis sie , hingerissen von ihrem Feuer , sich plötzlich umwendete und sah , daß es ihr an einem Hörer fehle und , wie sie nun vermuten mußte , immer gefehlt habe . Da blieb ihr das Wort zwischen den Lippen haften und der Rest ihrer Eröffnung im Herzen stocken ; stumm und verdrießlich suchte sie ihr Lager auf . Zweites Kapitel Der Autor gibt einige notwendige Erklärungen Die Geheimnisse des Schlosses , welches ich auch wohl fernerhin Schnick-Schnack-Schnurr nennen muß , weil ich ihm , wie vielem , was in dieser Geschichte vorkommt , leider nicht den rechten Namen geben darf - die Geheimnisse des besagten Schlosses , sage ich , nicht über die Gebühr undurchdringlich zu machen , muß hier teilweise berichtet werden , was die drei handelnden Personen mit ihren Reden gemeint hatten . Münchhausen war nicht sobald auf der Stammburg derer von Schnuck-Puckelig-Erbsenscheucher in der Boccage zum Warzentrost warm geworden , als seine Anwesenheit in dem Gemüte des Barons , seiner Tochter und des Schulmeisters große und verschiedenartige Bewegungen hervorbrachte , wie denn ein bedeutender Mensch niemals in einen Kreis tritt , ohne daß von ihm in den Verhältnissen des