, auf den angenehmen Eindruck , den das Geläute der vielen Glocken mache , und unterließ es um so lieber auf die Bitte einiger Freunde , den Hüter rufen zu lassen , um ihn auszuschelten , weil er nicht wissen konnte , ob der nicht in seiner Dummheit den erhaltenen Befehl als Entschuldigung angeführt haben würde . Diese , wie der Baron behauptete , unangenehme Ueberraschung war kaum vorüber , als ein anderer Gegenstand seine ganze Aufmerksamkeit in Anspruch nahm . Man hörte die Töne einer Flöte , die kunstreich genug geblasen wurde , um eine angenehme Wirkung im Freien zu machen , und bald entdeckte man auf einem ziemlich großen Grasplatze weidende Schafe , deren Hüter , ein Knabe von etwa fünfzehn Jahren , der Virtuose war . Der Baron ließ es sich nicht merken , daß er den jungen Menschen hatte unterrichten lassen , und bewunderte die außerordentliche Gabe der Natur mit allen seinen Gästen . Endlich war Alles erschöpft , womit der Baron überraschen und in Erstaunen setzen zu können glaubte , und er führte seine Gäste nach dem Schlosse zurück . Man konnte wahrnehmen , daß er noch einen Gast erwartete , denn seine Stirn verdüsterte sich , als er bemerkte , daß während des langen Spaziergangs Niemand angekommen sei . Die jungen Leute erwarteten mit Ungeduld den Anfang des Tanzes , aber der Baron suchte dieß zu verschieben und zeigte lieber den Herren in der Gesellschaft noch seine schönen Pferde , die von diesen aufrichtig bewundert wurden . Da nun aber durchaus nichts mehr zu zeigen war , so ließ sich der Anfang des Balles nicht mehr verschieben , und eben wollte der Baron mit verdrüßlicher Miene die nöthigen Befehle deßhalb geben , als noch eine Equipage vorfuhr ; sichtlich erleichtert ging der Baron dem neuen Gaste entgegen , den er für ' s Erste in ein Seitenzimmer führte . Die Gräfin hatte auf diese kleine Unruhe in der Gesellschaft nicht geachtet ; sie hatte ein Gespräch mit einigen Frauen angeknüpft und gab sich mit höflicher Aufmerksamkeit der Unterhaltung hin ; es überraschte sie deßhalb , als der Baron mit der Zierlichkeit der Tage seiner Jugend und mit großer Freundlichkeit , seinen neuen Gast an der Hand , vor ihr stand . Meine theure Gräfin , meine edle Freundin , redete er sie feierlich an . Die Gräfin war aufgestanden , ein zweifelnder Blick ruhte bald auf dem Baron , bald auf dessen Begleiter , und sie beherrschte mit Anstrengung eine große Bewegung der Seele . Lassen Sie den Frieden , der unser Land beglückt , fuhr der Baron fort , auch in die Herzen der Einzelnen dringen ; gönnen Sie mir das große Glück , etwas dazu beizutragen , Geschwister , die so lange getrennt waren , wieder zu vereinigen ; nehmen Sie einen Bruder wieder in Ihrem Herzen auf , und verherrlichen Sie durch eine aufrichtige Versöhnung und eine herzliche Umarmung das Fest des allgemeinen Friedens . Die Gräfin hatte ihren Bruder , den sie so unerwartet nach vielen Jahren wieder erblickte , nicht so gleich erkannt ; ein heftiges Zittern bebte durch alle ihre Glieder und eine dunkle Röthe flammte auf ihren Wangen ; ein Strahl des Zornes traf ihn aus den dunkeln Augen und ein unendlicher Schmerz zuckte um den festgeschlossenen Mund . Als er aber , nachdem der Baron seine Rede geendigt , wirklich mit geöffneten Armen vortrat und die Gräfin an seine Brust drücken wollte , trat diese auf einmal , bleich wie Marmor , einen Schritt zurück , die Lippen bewegten sich , aber kein Ton war vernehmbar ; matt erhob sie abwehrend beide Hände und wäre leblos zu Boden gesunken , wenn nicht St. Julien und der junge Graf , die den Auftritt aus der Ferne beobachtet hatten , hinzugesprungen wären und sie in ihren Armen aufgenommen hätten . Der Baron , der mit Sicherheit eine Umarmung der versöhnten Geschwister erwartete , hatte den Musikanten befohlen , so wie sie die Umarmung bemerkten , einen lang anhaltenden Tusch zu blasen ; als diese nun die Gräfin in St. Juliens Armen sahen , schmetterten Trompetentöne lange und anhaltend durch den Saal . Der Graf war in den Seitenzimmern mit einigen Herren im Gespräch gewesen und kehrte mit ihnen nach dem Saale zurück , um die Ursache des Trompetengetöns zu erfahren . Er sah eben die ohnmächtige Gräfin in ein Nebenzimmer bringen und eilte dieser nach . Nur halb und verworren konnte er die Ursache dieses heftigen Auftritts erfahren ; er drängte den Baron , der sich entschuldigen wollte , unfreundlich zurück . Die Gräfin sah aus wie eine Sterbende ; der Arzt verlangte , sie sollte gleich hier zu Bett gebracht werden . Mit der letzten Anstrengung verweigerte sie dieß und verlangte den Wagen . Der junge Graf eilte sogleich , ihn vorfahren zu lassen , und Alle überstanden mit großer Qual die wenigen Minuten , bis man die Gräfin in den Wagen bringen und den Rückweg nach Schloß Hohenthal antreten konnte . Der Baron Löbau und seine Gäste blieben erstaunt über diese unerwartete Störung zurück , und als man die Sprache wieder fand , vereinigten sich alle Stimmen , die Gräfin höchlich über ihr unversöhnliches Gemüth zu tadeln , obgleich die Klügeren es nicht billigen konnten , daß der Baron diese Versöhnung wie ein Schauspiel , um sein Fest zu verherrlichen , angelegt hatte . Der Bruder der Gräfin sprach wenig und beseufzte nur sein Unglück , wodurch ihm jeder Versuch der Annäherung an seine Schwester seit vielen Jahren mißlungen sei , aber viele der Gegenwärtigen tadelten im Stillen den letzten unschicklichen Versuch . Dem Baron Löbau blieb endlich nichts übrig , als das Fest fortgehen zu lassen . Der Tag begann , aber es war ihm verdrüßlich , daß die besten Tänzer und Tänzerinnen der Gräfin gefolgt waren , denn nicht nur der junge Graf , St. Julien und Emilie hatten das Schloß des Barons verlassen , sondern auch der Obrist Thalheim und dessen Tochter .