und ich begreife wohl , wie Frankfurt Dir dadurch verödet ist . - Alles , was Du mitteilen willst über Herz und Sinn der Mutter und über die Liebe , mit der Du es aufzunehmen verstehst , ist mir erfreulich . Es ist das Seltenste und daher wohl auch das Köstlichste zu nennen , wenn eine so gegenseitige Auffassung und Hingebung immer die rechte Wirkung tut ; immer etwas bildet , was dem nächsten Schritt im Leben zugut kommt , wie denn durch eine glückliche Übereinstimmung des Augenblicks gewiß am lebendigsten auf die Zukunft gewirkt ist , und so glaub ich Dir gern , wenn Du mir sagst , welche reiche Lebensquelle Dir in diesem Deinen Eigenheiten sich so willig hingebenden Leben versiegt ist ; auch mir war sie dies , in ihrem Überleben aller anderen Zeugen meiner Jugendjahre bewies sie , daß ihre Natur keiner andern Richtung bedurfte als zu pflegen und zu lieben , was Geschick und Neigung ihr anvertraut hatten ; ich habe in der Zeit nach ihrem Tode viele ihrer Briefe durchlesen und bewundert , wie ihr Geist bis zur spätesten Epoche sein Gepräge nicht verloren . Ihr letzter Brief war ganz erfüllt von dem Guten , was sich zwischen Euch gefunden , und daß ihre späten Jahre , wie sie selbst schreibt , von Deiner Jugend so grün umwachsen seien ; auch in diesem Sinn also wie in allem andern , was Dein lebendiges Herz mir schon gewährt hat , bin ich Dir Dank schuldig . Wilhelm Humboldt hat uns viel von Dir erzählt . Viel , das heißt oft . Er fing immer wieder von Deiner kleinen Person zu reden an , ohne daß er so was recht Eigentliches zu sagen gehabt , woraus wir denn auf ein eignes Interesse schließen konnten . Neulich war ein schlanker Architekt von Kassel hier , auf den Du auch magst Eindruck gemacht haben . Dergleichen Sünden magst Du denn mancherlei auf Dir haben , deswegen Du verurteilt bist . Gichtbrüchige und Lahme zu warten und zu pflegen . Ich hoffe jedoch , das soll nur eine vorübergehende Büßung werden , damit Du Dich des Lebens desto besser und lebhafter mit den Gesunden freuen mögest . Bring nun mit Deiner reichen Liebe alles wieder ins Geleis einer mir so lieb gewordenen Gewohnheit , lasse die Zeit nicht wieder in solchen Lücken verstreichen , lasse von Dir vernehmen , es tut immer seine gute und freundliche Wirkung , wenn auch der Gegenhall nicht bis zu Dir hinüberdringt ; so verzichte ich doch nicht darauf , Dir Beweise ihres Eindruckes zu liefern , an denen Du selbst ermessen magst , ob die Wirkung auf meine Einbildungskraft den Zaubermitteln der Deinigen entspricht . Meine Frau , hör ich , hat Dich eingeladen , das tue ich nicht , und wir haben wohl beide recht . Lebe wohl , grüße freundlich die Freundlichen und bleib mir Bettine . Weimar , den 22. Februar 1809 G. An Goethe Wenn Deine Einbildungskraft geschmeidig genug ist , mich in alle Schlupfwinkel von verfallenem Gemäuer , über Berg und Klüfte zu begleiten , so will ich ' s auch noch wagen , Dich bei mir einzuführen ; ich bitte also : komm , - nur immer höher , - drei Stiegen hoch - hier in mein Zimmer , setz Dich auf den blauen Sessel am grünen Tisch , mir gegenüber ; - ich will Dich nur ansehen , und - Goethe ! - folgt mir Deine Einbildungskraft immer noch ? - Dann mußt Du die unwandelbarste Liebe in meinen Augen erkennen , mußt jetzt liebreich mich in Deine Arme ziehen ; sagen : » So ein treues Kind ist mir beschert , zum Lohn , zum Ersatz für manches . Es ist mir wert dies Kind , ein Schatz ist mir ' s , ein Kleinod , das ich nicht verlieren will . « - Siehst Du ? - Und mußt mich küssen ; denn das ist , was meine Einbildungskraft der Deinigen beschert . Ich führ Dich noch weiter ; - tritt sachte auf in meines Herzens Kammer ; - hier sind wir in der Vorhalle ; - große Stille ! - Kein Humboldt , - kein Architekt , - kein Hund , der bellt . - Du bist nicht fremd ; - geh hin , poch an - es wird allein sein und » herein ! « - Dir rufen . Du wirst ' s auf kühlem , stillem Lager finden , ein freundlich Licht wird Dir entgegenleuchten , alles wird in Ruh und Ordnung sein , und Du willkommen . - - Was ist das ? - Himmel ! - Die Flammen über ihm zusammenschlagend ! - Woher die Feuersbrunst ? - Wer rettet hier ? - Armes Herz ! - Armes notgedrungenes Herz . - Was kann der Verstand hier ? - Der weiß alles besser und kann doch nichts helfen , der läßt die Arme sinken . Kalt und unbedeutend geht das Leben entweder so fort , das nennt man einen gesunden Zustand ; oder wenn es wagt auch nur den einzigen Schritt tiefer ins Gefühl , dann greifen Leidenschaften brennend mit Gewalt es an , so verzehrt sich ' s in sich selber . - Die Augen muß ich zumachen und darf nichts ansehen , was mir lieb ist . Ach ! Die kleinste Erinnerung macht mich ergrimmen in sehnendem Zorn , und drum darf ich auch nicht immer in Gedanken Dir nachgehen , weil ich zornig werde und wild . - Wenn ich die Hände ausstrecke , so ist ' s doch nur nach den leeren Wänden , wenn ich spreche , so ist ' s doch nur in den Wind , und wenn ich endlich Dir schreibe , so empört sich mein eigen Herz , daß ich nicht die leichte Brücke von dreimal Tag und Nacht überfliege und mich in süßester , der Liebe ewig ersehnter Ruhe zu Deinen Füßen lege . Sag , wie bist Du so