nicht zurück « , sagte Marie , » der Vater erwartet ihn aber noch diese Nacht . « » Daß ihm der Teufel Füße mache ! Ich muß warten , bis er kommt , und sollte es Tag darüber werden . - Hu ! eine kalte Nacht , Fräulein « , sagte der Geächtete , » meine Schuhu und Käuzlein in der Nebelhöhle muß es auch gewaltig frieren , denn sie schrieen und jammerten in kläglichen Tönen , als ich heraufstieg . « » Ja , es ist kalt « , antwortete sie , » um keinen Preis möchte ich mit Euch hinabsteigen ; und wie schauerlich muß es sein , wenn die Käuzlein schreien ; mir graut , wenn ich nur daran denke . « » Wenn Junker Georg Euch begleitete , ginget Ihr doch mit « , erwiderte jener lächelnd , indem er das errötende Gesicht des Mädchens am Kinn ein wenig in die Höhe hob ; » nicht wahr , mit dem ginget Ihr in die Hölle ? Was das für eine Liebe sein muß ! Weiß Gott , Euer Mund ist ganz wund ; nein gar zu arg müßt Ihr es doch nicht machen mit Küssen . « » Ach Herr ! « flüsterte Marie , indem sich aufs neue eine dunkle Röte über die zarten Wangen goß ; » wie mögt Ihr nur so sprechen . Wißt Ihr , daß ich gar nicht mehr herabkomme , Euch gar nicht mehr koche , wenn Ihr so von mir und dem Junker denket ? « » Nun , einen Scherz müßt Ihr mir schon gelten lassen « , sagte der Ritter , und kniff sie in die errötenden Wangen , » ich habe ja in meiner Behausung da unten so wenig Zeit und Gelegenheit zum Scherzen . Aber was gebt Ihr mir , wenn ich für den Junker ein gutes Wort einlege beim Vater , daß er ihn Euch zum Mann gibt ? Ihr wißt , der Alte tut was ich haben will , und wenn ich ihm einen Schwiegersohn empfehle , nimmt er ihn unbesehen . « Marie schlug die schönen Augen auf , und sah ihn mit freundlichen Blicken an . » Gnädigster Herr « , antwortete sie , » ich will es Euch nicht wehren , wenn Ihr für Georg ein gutes Wort sprechet ; übrigens ist ihm der Vater schon sehr gewogen . « » Ich frage , was ich für ein gutes Wort bekomme , alles hat seinen Preis ; nun , was wird mir dafür ? « Marie schlug die Augen nieder . » Ein schöner Dank « , sagte sie ; » aber kommt Herr , der Vater wird schon längst auf uns warten . « Sie wollte vorangehen , der Geächtete aber ergriff ihre Hand und hielt sie auf . Georgs Herz pochte beinahe hörbar , es wurde ihm bald heiß bald kalt , er faßte den Torflügel , und wäre nahe daran gewesen , diese Fürsprache um einen fixen Preis zu verbitten . » Warum so eilig ? « hörte er den Mann der Höhle sagen . » Nun , sei es um ein Küßchen , so will ich loben und preisen , daß dein Vater sogleich den Pfaffen holen läßt , um das heilige Sakrament der Ehe an euch zu vollziehen . « Er senkte sein Haupt gegen Marie herab , Georg schwindelte es vor den Augen , er war im Begriff , aus seinem Hinterhalt hervorzubrechen . Das Fräulein aber sah jenen Mann mit einem strafenden Blicke an . » Das kann unmöglich Euer Gnaden Ernst sein « , sagte sie , » sonst hättet Ihr mich zum letztenmal gesehen . « » Wenn Ihr wüßtet , wie erhaben und schön Euch dieser Trotz steht « , sagte der Ritter mit unerschütterlicher Freundlichkeit , » Ihr ginget den ganzen Tag im Zorn und in der Wut umher . Übrigens habt Ihr recht , wenn man schon einen andern so tief im Herzen hat , darf man keine solche Gunst mehr ausspenden . Aber feurige Kohlen will ich auf Euer Haupt sammeln , ich will dennoch den Fürsprecher machen . Und an Eurem Hochzeittag will ich bei Eurem Liebsten um einen Kuß anhalten , dann wollen wir sehen , wer recht behält . « » Das könnet Ihr ! « sagte Marie , indem sie ihm lächelnd ihre Hand entzog , und mit dem Licht voranging ; » aber machet Euch immer auf eine abschlägige Antwort gefaßt , denn über diesen Punkt spaßt er nicht gerne . « » Ja er ist verdammt eifersüchtig « , entgegnete der Ritter im Weiterschreiten ; » ich könnte Euch davon eine Geschichte erzählen , die mir selbst mit ihm begegnet ist ; aber ich habe versprochen zu schweigen . - « Ihre Stimmen entfernten sich immer mehr und wurden undeutlicher . Georg schöpfte wieder freien Atem . Er lauschte und harrte noch in seiner Nische , bis er niemand mehr auf den Treppen und Gängen hörte . Dann verließ er seinen Platz und schlich nach seiner Kammer zurück . Die letzten Worte Mariens und des Geächteten lagen noch in seinen Ohren . Er schämte sich seiner Eifersucht , die ihn auch in dieser Nacht wieder unwillkürlich hingerissen hatte . Wenn er bedachte , in welch unwürdigem Verdacht er die Geliebte gehabt , und wie rein sie in diesem Augenblick vor ihm gestanden sei ! er verbarg sein errötendes Gesicht tief in den Kissen , und erst spät entführte ihn der Schlummer diesen quälenden Gedanken . Als er am andern Morgen in die Herrenstube hinabging , wo sich um sieben Uhr gewöhnlich die Familie zum Frühstück versammelte , kam ihm Marie mit verweinten Augen entgegen . Sie führte ihn auf die Seite und flüsterte ihm zu , » Tritt leise ein , Georg ! der Ritter aus der Höhle ist im Zimmer ; er ist vor einer Stunde ein wenig eingeschlummert ; wir wollen ihm diese Ruhe gönnen ! « »