Bezahlung imvoraus zu erbitten , um so mehr , da ich Stoff zu dieser Arbeit einkaufen mußte - eine unerschwingliche Ausgabe in meinem Verhältniß . Doch da mir meine Vernunft sagte , daß ein großer Theil Arbeiterinnen in diesem Fall seyn dürften , und eine solche Forderung mit Almosenheischen nichts gemein hätte , überwand ich meine Scheu und trat ziemlich gefaßt in das Haus . Man wies mich zu einer ältlichen Frau von sehr angenehmem Aeußern ; der angemeßne Ernst in ihrer Kleidung , ihre Haltung forderten die ihrem Alter gebührende Ehrerbietung , wobei doch die Güte und Heiterkeit ihres Wesens die Jugend anziehen mußte . Sie empfing mich mehr wie höflich und begann sogleich ein Gespräch mit mir , dem sie eine so leichte Wendung zu geben wußte , daß ich alle Verlegenheit ablegte . Bald nahm ich wahr , daß der günstige Eindruck gegenseitig sey , was mich nicht weiter wunderte , da die Dame mir einen Wink gab , daß die gute Wittwe Campell ihr in der Dankbarkeit ihres redlichen Herzens von mir erzählt hatte . Erst nach einem langen Gespräch kam sie auf die schonendste Weise auf meine Arbeit zu sprechen , verabredete die Darstellungen , welche ich auf den Fächern anbringen sollte , mit so viel Geist wie Geschmack , und gab mir sehr verbindlich zu verstehen , daß ich den Preis ganz nach meiner Mühe ansetzen sollte . Jetzt war nun der Augenblick gekommen , wo ich mein Gesuch anbringen sollte ; aber eben darum , weil mich diese Frau nach so langer , langer Zeit wieder auf den Platz gesetzt hatte , für den meine ehemalige Bildung mich bestimmte , fand ichs um so schwerer , auch sogleich wieder zu der Rolle der Geldbedürftigen herabzusinken . Der Muth verließ mich , ich ward stumm und zerstreut , meine Zunge versagte mir ihren Dienst - aber dann fiel mir Juliens elender Zustand ein , die Nothwendigkeit , mir selbst Mittel zur Arbeit zu verschaffen , und ich stammelte : » ich hätte wohl um eine Gunst zu bitten ... « aber mehr hervorzubringen , war mir unmöglich . Die edle Frau sah mir fragend ins Gesicht , faßte meine Hand und sagte : » Ich wünschte , Sie sähen mich als eine alte Bekannte an ; mir ists wirklich zu Sinn , als habe ich Sie schon in der Wiege gekannt . « - Vor so viel Güte schwand meine Widerspenstigkeit ; » ja « , rief ich mit hervordringenden Thränen , » Sie sind gütig , ich sehe , Sie sind es ; und ich sollte nicht diese Zurückhaltung fühlen ... ich sollte gestehen , daß mich die äußerste Nothwendigkeit antreibt ... « Hier schwieg ich wieder ; aber die Dame hatte ihren Geldbeutel schon in der Hand : » Ich sollte Ihnen schmälen « , rief sie freundlich , » denn Sie flößen mir den Verdacht ein , zu denen zu gehören , die Gottes Güte nur dann erkennen wollen , wenn er sie unmittelbar in ihre eignen Hände legt . « - Der Vorwurf that mir weh . Ich fand die Sprache wieder und sagte ihr , worin eigentlich meine Forderung bestanden hätte ; aber im Sprechen erkannte ich , daß ihr Vorwurf doch einigen Grund hätte , und setzte hinzu : » Doch schmälen Sie nur , ich habe es einigermaßen verdient , denn mir fehlt immer noch die Demuth , mit der jede Gabe Gottes von einem armen Geschöpf , das sie so oft nicht verdient hat , angenommen werden sollte . « Die Dame schien meine Art und Weise ganz zu verstehen : sie gab mir nun so viel und auf die Bedingungen , wie ich es wollte , ohne mir mehr aufzudringen . Bei meinem Abschied fragte sie nach meinem Namen , den ihr Frau Campell , meinem Verbot zufolge , nicht genannt hatte . Ich erröthete über meine immer wieder auftauchende Eitelkeit und sagte : » Es war wieder eine Schwäche von mir , ihn zu verschweigen . Ich weiß , Ellen Percy ist dadurch nicht beschimpft , daß sie durch ihre Arbeit ihren Unterhalt erwirbt . « - » Percy ! « rief die Dame , als wenn sie sich plötzlich an etwas erinnerte . » Aber Frau Campell sagte , Sie hätten in Schottland gar keine Bekanntschaften . - Kaum die allerentfernteste . « - » So können Sie es doch nicht seyn , von der sie sprachen « - sagte sie wie im Selbstgespräch , indem sie sich zu ihrem Schreibtisch wendete , wo offne Briefe lagen , gleichsam als deute sie auf den Inhalt . Gern hätte ich um eine Erklärung gebeten ; allein da die Dame nichts hinzusetzte , war ich zu schüchtern und begab mich , sehr neugierig , hinweg . Hätte ich Zeit gehabt , so möchte ich mich wohl mit Errathen und Luftschlössern beschäftigt haben ; von diesem Zeitvertreib hatte mich aber die ernste Wirklichkeit ziemlich geheilt , und jetzt forderte mich Juliens Zustand auf , mich mit ganz andern Dingen zu beschäftigen . Da ich einen Arzt für sie zu Rathe zu ziehen gedachte , fiel mir der Mann ein , der in meinem fürchterlichen Verwahrsam sich meiner so thätig angenommen , und , durch sein Betragen gegen mich von seiner Menschlichkeit überzeugt , ließ ich ihn um einen Besuch bitten . Er kam ungesäumt , freute sich ohne viele Worte über meine blühende Gesundheit und ging sogleich auf den Zweck seiner Einladung los . Während er Julie befragte , beobachtete ich ihn wohl und nahm wahr , daß er ihren Zustand für hoffnungslos hielt ; indeß sie mit dem traurigsten Selbstbetrug ihm die Beobachtungen , die er selbst machte , abstritt . Er verließ sie , ohne eine Verordnung zu machen . Ich folgte ihm aus der Thür und fragte , ihn aufhaltend : » Haben Sie mir gar keine Anweisung für die Kranke zu geben ? « - » Gar keine , als sie treiben