Preis mich rühren mag , da haut er auf mich herum , als wäre ich ein staubiger Wams daß ich es wohl noch fühle , wenn ich erwacht bin . « - » Vaterhand schlägt nie zu hart ; das Kind , welches sie am liebsten hat , schlägt sie am meisten « , sagte Anna . - » Gott behüte « , sprach Anton , » daß die kleine Heuschrecke mein Vater wäre , ich bin nur so in der Not zu ihm gelaufen , als ich noch ein dummes Kind war , und weil er mir damals etwas Gutes angetan hat , dafür muß ich ihm mein lebelang eigen sein . Ich wollte , ein Koch wäre mein Pflegevater , so könnte ich doch essen , was ich zusammenreibe und koche , aber so muß ich die Wände und die Leinewand damit beschmieren ; zu einem Weinküper taugte ich auch besser . « - » Einen frischen Trunk kann ich Euch schon geben « , sagte Anna , und reichte ihm eine hölzerne Kanne mit dem Abendtrunk heraus . Er dankte kaum , sondern kippte sie wie eine Nußschale über , sie dachte nur , daß er einen Zug daraus tun sollte . Anna sah ihn verwundert an , konnte aber nicht böse werden , sie dachte : Es gehört wohl etwas in den breiten Hals , auf welchem der Adamsapfel wie ein Ziehbrunnen auf und nieder steigt , und dann sind ihm auch so viele Tropfen in seinem Milchbart hängen geblieben , daß sich die Fliegen darin ersäufen ; will doch sehen , ob er nach solchem mächtigen Zuge noch Platz für das Essen behält . - » Will Euch doch etwas zum Zubeißen bringen « , sagte sie , holte aus dem Nebenzimmer eine gebratene Hammelkeule und schnitt eine Scheibe davon ab . » Wie heißt Ihr ; « fragte sie , » hier ist die Gabel , langt zu ! « - » Ich heiße Anton « , sagte der Maler , » sage Euch schönen Dank , bin heut vor Tage aufgestanden und habe kein Frühstück bekommen , weil mich der Alte mit dem Hunger zum Fleiß antreiben wollte . « - Ohne Verlegenheit steckte er die Gabel durch das abgeschnittene Stückchen in den ganzen Braten und wie ein guter Heulader schwenkte er die Gabel , ohne etwas von der Ladung zu verlieren , in die obere Region , wo sich am Menschen der Mund öffnet . Frau Anna rief : Ob er nicht Brot dazu esse , das Fleisch sei fett . - » Dank Euch « , sagte Anton , » mein Magen verträgt Kieselsteine , wenn ich nichts andres habe ; wo ich aber gute Fracht finde , da mach ich ' s wie Schiffer in den Niederlanden und nehme keinen Ballast auf , gebt Euer Brot den Hühnern . « - Mit Verwunderung sah ihm Anna zu , wie er so eifrig essen und malen konnte , sie bekam selbst Eßlust bei dem Anblicke und wollte zum Frühstück fortgehen , als Anton sie bat , noch einen Augenblick zu verweilen , weil er den Kopf der Maria gleich beendet habe , sie möchte aber die Augen niederschlagen , wie sie im Bette getan , denn mit fast geschlossenen Augen habe er sie gemalt . Frau Anna schämte sich , daß er sie im Bette gesehen habe , und verbarg das hinter dem Unmute , wie er dem heiligen Bilde ihr sündliches Angesicht geben könne . - » O « , sagte Anton , » ich male nur das Schöne an Euch , das Häßliche lasse ich weg . Die Menschen sind recht sonderbar , uns Malern trauen sie zu , daß wir das heiligste Bild aus nichts schaffen und malen können , aber nicht unserm Herrgott , der die ganze Welt zwar aus nichts , aber den Menschen nach sich als sein Ebenbild geschaffen hat , wir müssen von unserm Herrgott , aus seinen Menschen lernen . « - » Aber es wäre mir doch lieber gewesen « , sagte Anna , » wenn Euer Meister mich abgemalt hätte , wenn ich einmal gemalt sein sollte . « - » Der hätte sich hier längst aus Schwindel den Hals gebrochen « , antwortete Anton , » auch geht ' s ihm nicht so von der Hand , wie mir und auf der Mauer will alles schnell gemalt sein , sonst stimmen die Farben nicht , wenn alles getrocknet ist . « Während des Gesprächs förderte sich die Arbeit und Anton suchte die Unterhaltung deswegen immer noch zu verlängern . » Ich muß Euch doch « , sagte er , » ein Hochzeitlied übergeben , das der arme Grünewald auf Euch zurückgelassen hat , der gestern von den Stadtpfeifern ist herausgedrängt worden , er hat die ganze Nacht geweint , denn er sagte , daß er Euch so lange nachgegangen und nun er Euch gefunden , so unehrlich behandelt sei , daß er sich aus Gram nicht mehr wolle sehen lassen . « - » Ist er denn schon fort ? « fragte Anna . » Ganz früh zog er fort « , antwortete Anton , » aber sein Hochzeitlied habe ich unten in meiner Tasche . « - » Zeigt es mir « , sagte Anna , » es tut mir recht leid , daß er schon fortgegangen , wir hatten ihn gestern vergessen in dem Gewirr , er sang sehr kunstreich . « Anton stieg die Leiter hastig herunter , um das Lied zu holen daß sie an der Mauer ausgleitete , denn sie stand zu flach . Aber zum Glück faßte er den Fensterrahmen , wo Anna stand , und so kamen beide mit dem Schrecken davon ; er schwang sich unversehrt in das Zimmer , während die Leiter niederstürzte . - » Gott sei gedankt « , rief Anna einmal über das andre , » Euch fehlt doch nichts ! « - » Es war mein Glück