hinaus , während unten die Bäume sich neigten und einzelne Nachtigallentöne aus den Tälern durch den Wind heraufklagten ; es war eine recht dunkelschwüle Gespensternacht . Ein ungewöhnlich starkes Licht , das aus dem einen Fenster in den Garten hinausschien , zog mich zum Schlosse hin . Ich stellte mich gerade vor das Fenster und konnte das ganze Zimmer übersehen , das von einem Kaminfeuer so hell erleuchtet wurde . Der Herr v. A. saß in einem Lehnstuhle und las Zeitungen , Julie saß am Kamine und sang , hatte aber den Rücken gegen das Fenster gekehrt , so daß ich ihr Gesicht nicht sehen konnte . Was sie sang , war eine alte Romanze , die mir schon als Kind bekannt war . Sie ist mir noch erinnerlich : Hoch über den stillen Höhen Stand in dem Wald ein Haus , Dort war ' s so einsam zu sehen Weit übern Wald hinaus . Drin saß ein Mädchen am Rocken Den ganzen Abend lang , Der wurden die Augen nicht trocken , Sie spann und sann und sang : » Mein Liebster , der war ein Reiter , Dem schwur ich Treu bis in Tod , Der zog über Land und weiter Zu Kriegeslust und - not . Und als ein Jahr war vergangen , Und wieder blühte das Land , Da stand ich voller Verlangen Hoch an des Waldes Rand . Und zwischen den Bergesbogen , Wohl über den grünen Plan , Kam mancher Reiter gezogen , Der meine kam nicht mit an . Und zwischen den Bergesbogen , Wohl über den grünen Plan , Ein Jägersmann kam geflogen , Der sah mich so mutig an . So lieblich die Sonne schiene , Das Waldhorn scholl weit und breit , Da führt ' er mich in das Grüne . Das war eine schöne Zeit ! - Der hat so lieblich gelogen Mich aus der Treue heraus , Der Falsche hat mich betrogen , Zog weit in die Welt hinaus . « - Sie konnte nicht weitersingen , Vor bitterem Schmerz und Leid , Die Augen ihr übergingen In ihrer Einsamkeit . Julie ging es wohl nicht besser , denn sie stand plötzlich auf , öffnete das Fenster und lehnte sich in die Nacht hinaus . Überhaupt glaubte ich während des Singens eine große Unruhe an ihr bemerkt zu haben . Was ist das für ein erschrecklicher Sturm ! hört ich den Herrn v. A. drin sagen , der bedeutet noch Krieg , Gott steh unsern Leuten bei , die schlagen sich wohl jetzt wieder . - Und ich muß hier sitzen ! sagte Julie aus tiefster Seele . - Ich stand seitwärts , an einen Pfeiler gelehnt , und die Töne gingen in dem rasenden Winde gar seltsam wehmütig über den Garten hinaus , in dem ich mir nun wie ein lange Verbannter vorkam , da Julie bald in ihrem Gesange am offenen Fenster wieder also fortfuhr : Die Muhme , die saß beim Feuer Und wärmet sich am Kamin , Es flackert und sprüht das Feuer , Hell über die Stub es schien . Sie sprach : » Ein Kränzlein in Haaren , Das stünde dir heut gar schön , Willst draußen auf dem See nicht fahren ? Hohe Blumen am Ufer dort stehn . « » Ich kann nicht holen die Blumen , Im Hemdlein weiß am Teich Ein Mädchen hütet die Blumen , Die sieht so totenbleich . « » Und hoch auf des Sees Weite , Wenn alles finster und still , Da rudern zwei stille Leute , - Der eine dich haben will . « » Sie schauen wie alte Bekannte , Still , ewig stille sie sind , Doch einmal der eine sich wandte , Da faßt ' mich ein eiskalter Wind . - Mir ist zu wehe zum Weinen - Die Uhr so gleichförmig pickt , Das Rädlein , das schnurrt so in einem , Mir ist , als wär ich verrückt . - Ach Gott ! wann wird sich doch röten Die fröhliche Morgenstund ! Ich möchte hinausgehn und beten , Und beten aus Herzensgrund ! So bleich schon werden die Sterne , Es rührt sich stärker der Wald , Schon krähen die Hähne von ferne , Mich friert , es wird so kalt ! Ach , Muhme ! was ist Euch geschehen ? Die Nase wird Euch so lang , Die Augen sich seltsam verdrehen - Wie wird mir vor Euch so bang ! « Und wie sie so grauenvoll klagte , Klopft ' s draußen ans Fensterlein , Ein Mann aus der Finsternis ragte , Schaut still in die Stube herein . Die Haare wild umgehangen , Von blutigen Tropfen naß , Zwei blutige Streifen sich schlangen , Wie Kränzlein , ums Antlitz blaß . Er grüßt ' sie so fürchterlich heiter , Er heißt sie sein ' liebliche Braut , Da kannt sie mit Schaudern den Reiter , Fällt nieder auf ihre Knie . Er zielt ' mit dem Rohre durchs Gitter Auf die schneeweiße Brust hin ; » Ach , wie ist das Sterben so bitter , Erbarm dich , weil ich so jung noch bin ! « - Stumm blieb sein steinerner Wille , Es blitzte so rosenrot , Da wurd es auf einmal stille Im Walde und Haus und Hof . - Frühmorgens da lag so schaurig Verfallen im Walde das Haus , Ein Waldvöglein sang so traurig , Flog fort über den See hinaus . Gegen das Ende ihres Gesanges hatte Julie von ohngefähr meinen Schatten bemerkt , den das Licht vom Zimmer lang und unbeweglich in den Garten warf . Sie sah sich stutzend um , und da sie nichts erblicken konnte , schloß sie nachdenkend und schweigend das Fenster . In diesem Augenblick klopfte es drin an die Stubentür . Sie fuhr erschrocken zusammen und vom Fenster auf . Ich blickte noch einmal hinein und sah jenen gehässigen Reiter , dem ich vorhin begegnet , eilfertig eintreten . Er lebt !