dem wunderbaren Traum der Beichte . Medardus ist Franceskos Sohn , Franz , den Du , meine gute Mutter , so fromm erziehen ließest und der in Sünde und Frevel geriet . Welche Verbindung hatte meine Mutter mit jenem Francesko , daß sie sein Bild heimlich aufbewahrte und bei seinem Anblick sich dem Andenken einer seligen Zeit zu überlassen schien ? - Wie kam es , daß in diesem Bilde Hermogen den Teufel sah , und daß es den Grund legte zu meiner sonderbaren Verirrung ? Ich versinke in Ahnungen und Zweifel . - Heiliger Gott , bin ich denn entronnen der bösen Macht , die mich umstrickt hielt ? - Nein , ich kann nicht weiter schreiben , mir ist , als würd ' ich von dunkler Nacht befangen und kein Hoffnungsstern leuchte , mir freundlich den Weg zeigend , den ich wandeln soll ! ( Einige Tage später . ) Nein ! Keine finstere Zweifel sollen mir die hellen Sonnentage verdüstern , die mir aufgegangen sind . Der ehrwürdige Pater Cyrillus hat Dir , meine teure Mutter , wie ich weiß , schon ausführlich berichtet , welch eine schlimme Wendung der Prozeß Leonards nahm , den meine Übereilung den bösen Kriminalgerichten in die Hände gab . Daß der wirkliche Medardus eingefangen wurde , daß sein vielleicht verstellter Wahnsinn bald ganz nachließ , daß er seine Freveltaten eingestand , daß er seine gerechte Strafe erwartet und ... doch nicht weiter , denn nur zu sehr würde das schmachvolle Schicksal des Verbrechers , der als Knabe Dir so teuer war , Dein Herz verwunden . - Der merkwürdige Prozeß war das einzige Gespräch bei Hofe . Man hielt Leonard für einen verschmitzten , hartnäckigen Verbrecher , weil er alles leugnete . - Gott im Himmel ! - Dolchstiche waren mir manche Reden , denn auf wunderbare Weise sprach eine Stimme in mir : » Er ist unschuldig , und das wird klar werden , wie der Tag . « - Ich empfand das tiefste Mitleid mit ihm , gestehen mußte ich es mir selbst , daß mir sein Bild , rief ich es mir wieder zurück , Regungen erweckte , die ich nicht mißdeuten konnte . Ja ! - ich liebte ihn schon unaussprechlich , als er der Welt noch ein freveliger Verbrecher schien . Ein Wunder mußte ihn und mich retten , denn ich starb , sowie Leonard durch die Hand des Henkers fiel . Er ist schuldlos , er liebt mich , und bald ist er ganz mein . So geht eine dunkle Ahnung aus frühen Kindesjahren , die mir eine feindliche Macht arglistig zu vertrüben suchte , herrlich , herrlich auf in regen wonnigem Leben . O gib mir , gib dem Geliebten Deinen Segen , Du fromme Mutter ! - Ach könnte Dein glückliches Kind nur ihre volle Himmelslust recht ausweinen an Deinem Herzen ! - Leonard gleicht ganz jenem Francesko , nur scheint er größer , auch unterscheidet ihn ein gewisser charakteristischer Zug , der seiner Nation eigen ( Du weißt , daß er ein Pole ist ) , von Francesko und dem Mönch Medardus sehr merklich . Albern war es wohl überhaupt , den geistreichen , gewandten , herrlichen Leonard auch nur einen Augenblick für einen entlaufenen Mönch anzusehen . Aber so stark ist noch der fürchterliche Eindruck jener gräßlichen Szenen auf unserm Schlosse , daß oft , tritt Leonard unvermutet zu mir herein und blickt mich an mit seinem strahlenden Auge , das ach nur zu sehr jenem Medardus gleicht , mich unwillkürliches Grausen befällt und ich Gefahr laufe , durch mein kindisches Wesen den Geliebten zu verletzen . Mir ist , als würde erst des Priesters Segen die finstere Gestalten bannen , die noch jetzt recht feindlich manchen Wolkenschatten in mein Leben werfen . Schließe mich und den Geliebten in Dein frommes Gebet , meine teure Mutter ! - Der Fürst wünscht , daß die Vermählung bald vor sich gehe ; den Tag schreibe ich Dir , damit Du Deines Kindes gedenken mögest in ihres Lebens feierlicher , verhängnisvoller Stunde etc. Immer und immer wieder las ich Aureliens Blätter . Es war , als wenn der Geist des Himmels , der daraus hervorleuchtete , in mein Inneres dringe und vor seinem reinen Strahl alle sündliche , frevelige Glut verlösche . Bei Aureliens Anblick überfiel mich heilige Scheu , ich wagte es nicht mehr , sie stürmisch zu liebkosen , wie sonst . Aurelie bemerkte mein verändertes Betragen , ich gestand ihr reuig den Raub des Briefes an die Äbtissin ; ich entschuldigte ihn mit einem unerklärlichen Drange , dem ich , wie der Gewalt einer unsichtbaren höheren Macht , nicht widerstehen können , ich behauptete , daß eben jene höhere , auf mich einwirkende Macht mir jene Vision am Beichtstuhle habe kund tun wollen , um mir zu zeigen , wie unsere innigste Verbindung ihr ewiger Ratschluß sei . » Ja , du frommes Himmelskind , « sprach ich , » auch mir ging einst ein wunderbarer Traum auf , in dem du mir deine Liebe gestandest , aber ich war ein unglücklicher , vom Geschick zermalmter Mönch , dessen Brust tausend Qualen der Hölle zerrissen . - Dich - dich liebte ich mit namenloser Inbrunst , doch Frevel , doppelter , verruchter Frevel war meine Liebe , denn ich war ja ein Mönch und du die heilige Rosalia . « Erschrocken fuhr Aurelie auf . » Um Gott , « sprach sie , » um Gott , es geht ein tiefes unerforschliches Geheimnis durch unser Leben ; ach , Leonard , laß uns nie an dem Schleier rühren , der es umhüllt , wer weiß , was Grauenvolles , Entsetzliches dahinter verborgen . Laß uns fromm sein und fest aneinander halten in treuer Liebe , so widerstehen wir der dunkeln Macht , deren Geister uns vielleicht feindlich bedrohen . Daß du meinen Brief lasest , das mußte so sein ; ach ! ich selbst hätte dir alles erschließen sollen , kein