Krammetsvögel gegessen . Nachher führte er die Gräfin auf Verlangen in seinen Dohnenstrich im Garten und sie war überrascht , einen gefangenen Vogel nach dem andern aus der Haarschlinge zu ziehen und ihn triumphierend in die Jagdtasche des Predigers zu werfen . Als sie nachher ihren guten Fang dem Grafen zeigen wollte , da fand sich leider nur ein Vogel , denn der gewandte Mann hatte immer vorauslaufend und den Weg weisend denselben Vogel in alle Schlingen gehängt . Der Graf behauptete , man könne auf diesen Vogel den Ausdruck einer Zeitung über gewisse Kriegsberichte , nach denen nur immer ein Mann gefangen , von neuem anwenden : der bewußte Mann , hier der bewußte Vogel sei wieder gefangen . Beim Abschiede schien der Prediger recht ernstlich betrübt , schwor ihnen , daß er die schönsten Stunden des ganzen Sommers bei ihnen zugebracht habe , nun sei er ganz einsam ; rings um ihn wären lauter Leute , zu deren Fassung er sich herabspannen müßte , niemand der seine Geistestätigkeit anspannte als Gott , mit dem er im beständigen Glaubensstreit lebe , weil er so ganz anders denke , als er lehre und lehren müsse . Er brachte zum Abschiede eine Flasche alten Stachelbeerweins , denn seine Gegend war dem Weinstocke nicht geeignet ; dabei erzählte er , daß die Akzise , die alle Industrie des Landes störe , ihn zwingen wolle , ausländische Weine zu trinken , weil sie über das Einziehen ihrer Steuern dabei in Verlegenheit komme . Nachdem sein Wein Beifall erhalten , fing er an , von seiner kleinen Geliebten behaglich zu erzählen : das Kind habe ihn neulich gefragt , wer denn Amor sei , von dem sie in einem Gedichte gelesen ? Er habe geantwortet , ein kleiner Mann mit Flügeln , der sehr gefährlich . Darauf habe sie ihm versichert , wenn er nur klein wäre , da wollte sie ihn wohl zwingen , wäre er aber groß , so groß wie er , da könnte sie sich nicht wehren . Er fand in dem Scherze etwas Vielbedeutendes , wer konnte ihm diesen hoffenden Sinn stören ; alle schieden von einander in gegenseitiger Zufriedenheit . Ganz verschieden davon war der Abschied von dem Geistlichen des Dorfes ; der Streit mit dem Grafen , noch mehr die mancherlei eigenen vom Grafen ersonnenen Verschönerungen des heiligen Dienstes hatten seine ganze Eifersucht erregt ; mancherlei Einkommen , das er durch die Gunst des Grafen bezog , hinderte ihn diese Empfindlichkeit offen zu zeigen , es waren aber so einzelne Ausrufungen , in denen sie sich Luft machte . So sagte er wohl : » Der Herr Graf werden uns so viel Neues mitbringen , daß wir die alte Religion ganz darüber vergessen ; zwar bin ich der Meinung , daß wenigstens alle zehn Jahre etwas von dem alten Sauerteige weggeschafft werden müsse , jedes Übereilen ist aber gefährlich . « - Der Graf fragte ihn erstaunt , wie er auch nur einen Tag etwas dulden könne , das er in heiliger Überzeugung für alten Sauerteig halte , ob das der Sinn der Märtyrer sei , die in der Bekennung ihres Glaubens selbst gestorben . Der Mann kam in Verlegenheit , rühmte den Herren Grafen , wie er so hübsch spreche , und weiter hatte es keine Folge , als sie beide gegen einander zu erbittern . Am Abende vor der Abreise , als der Graf im Hause hin und her lief , um mancherlei Anordnungen selbst zu machen , die seiner Dolores zu lästig waren , und die doch den Bedienten nicht überlassen werden konnten , klappte er auch alle einzelne Schränke auf , um nach vergessenen Sachen zu forschen . In dieser Vorsicht kam er auch an den Schrank des kleinen Traugott , den er noch voll von seinem Spielzeuge fand ; er beschaute mit einem eignen Gefühle diese Lust eines Toten . Einem Kinde sollte man alles Spielzeug in den Sarg legen , es macht die Lebenden sehr traurig . Alles trug den eigentümlichen Geist des Knaben : seine frühere Geschicklichkeit alles zu durchsuchen und sich zuzueignen und die spätere Sinnigkeit seines ganzen Wesens ; auf dem kleinen Wagen lagen in strenger Ordnung alle Art Sonderbarkeiten , Steine , die wie Brot oder wie Pflaumen aussahen , viele wunderliche Puppen , die er zu seinen Stücken sich ausgeschnitten und bekleidet hatte , und tausend andre Dinge , die der Graf nie bei ihm bemerkt hatte . Einen kleinen Schrank von Nußbaumholz mit Schlössern und vielen Kästchen , die der Graf in seiner eignen Jugend sehr wert gehalten hatte , fand er dort mit Verwunderung ; der Knabe mußte ihn auf dem Boden irgendwo entdeckt haben . Eingedenk der eignen Art , wie er jedes Kästchen zu einem besonderen festen Gebrauche eingeweihet hatte , zog er jedes heraus und sah mit Erstaunen eine Sammlung von Angedenken , jedes mit kurzer Inschrift bezeichnet , und alle diese Angedenken waren kleine Geschenke des Grafen : manches Weggeworfene , woran er sich kaum erinnern konnte , das aber Traugott in seiner Zuneigung sorgsam bewahrt hatte . Mit dem Angelhaken , den er ihm damals zum Troste nach dem Tode der Mutter geschenkt , begann die Sammlung ; in kindischen Reimen stand dabei beschrieben , wie er seine Liebe damit gefangen . Dann fand er Haare , die er ihm einmal im Scherz aus seinem Kamme zum Angedenken verehrt , in ein Netz zusammengeknotet ; in ähnlichen Versen stand dabei : » In diesem Netze von Haaren tu ich seine Liebe bewahren « ; dann fand er Kirschkerne , die er ihm einmal gegeben , sie aus dem Zimmer zu werfen , dabei stand geschrieben : » Die Kerne küßte sein schöner Mund , davon sind sie so glatt und rund « ; ferner eine trockene Kornblume , dabei stand geschrieben : » Diese Blume der Graf heut niedertrat , mit mir er nicht gesprochen hat , ich stürzt mich in das Wasser hinein , sollt so ein Tag