Gesicht an den Türpfosten . Ottilie trat herein , die Wirtin , als sie ihn erblickte , zurück . Auch Ottilien konnte er nicht einen Augenblick verborgen bleiben . Er wendete sich gegen sie , und so standen die Liebenden abermals auf die seltsamste Weise gegeneinander . Sie sah ihn ruhig und ernsthaft an , ohne vor - oder zurückzugehen , und als er eine Bewegung machte , sich ihr zu nähern , trat sie einige Schritte zurück bis an den Tisch . Auch er trat wieder zurück . » Ottilie , « rief er aus , » laß mich das furchtbare Schweigen brechen ! Sind wir nur Schatten , die einander gegenüberstehen ? Aber vor allen Dingen höre ! es ist ein Zufall , daß du mich gleich jetzt hier findest . Neben dir liegt ein Brief , der dich vorbereiten sollte . Lies , ich bitte dich , lies ihn ! und dann beschließe , was du kannst . « Sie blickte herab auf den Brief , und nach einigem Besinnen nahm sie ihn auf , erbrach und las ihn . Ohne die Miene zu verändern , hatte sie ihn gelesen , und so legte sie ihn leise weg ; dann drückte sie die flachen , in die Höhe gehobenen Hände zusammen , führte sie gegen die Brust , indem sie sich nur wenig vorwärts neigte , und sah den dringend Fordernden mit einem solchen Blick an , daß er von allem abzustehen genötigt war , was er verlangen oder wünschen mochte . Diese Bewegung zerriß ihm das Herz . Er konnte den Anblick , er konnte die Stellung Ottiliens nicht ertragen . Es sah völlig aus , als würde sie in die Kniee sinken , wenn er beharrte . Er eilte verzweifelnd zur Tür hinaus und schickte die Wirtin zu der Einsamen . Er ging auf dem Vorsaal auf und ab . Es war Nacht geworden , im Zimmer blieb es stille . Endlich trat die Wirtin heraus und zog den Schlüssel ab . Die gute Frau war gerührt , war verlegen , sie wußte nicht , was sie tun sollte . Zuletzt im Weggehen bot sie den Schlüssel Eduarden an , der ihn ablehnte . Sie ließ das Licht stehen und entfernte sich . Eduard im tiefsten Kummer warf sich auf Ottiliens Schwelle , die er mit seinen Tränen benetzte . Jammervoller brachten kaum jemals in solcher Nähe Liebende eine Nacht zu . Der Tag brach an ; der Kutscher trieb , die Wirtin schloß auf und trat in das Zimmer . Sie fand Ottilien angekleidet eingeschlafen , sie ging zurück und winkte Eduarden mit einem teilnehmenden Lächeln . Beide traten vor die Schlafende ; aber auch diesen Anblick vermochte Eduard nicht auszuhalten . Die Wirtin wagte nicht , das ruhende Kind zu wecken , sie setzte sich gegenüber . Endlich schlug Ottilie die schönen Augen auf und richtete sich auf ihre Füße . Sie lehnt das Frühstück ab , und nun tritt Eduard vor sie . Er bittet sie inständig , nur ein Wort zu reden , ihren Willen zu erklären . Er wolle allen ihren Willen , schwört er ; aber sie schweigt . Nochmals fragt er sie liebevoll und dringend , ob sie ihm angehören wolle . Wie lieblich bewegt sie mit niedergeschlagenen Augen ihr Haupt zu einem sanften Nein ! Er fragt , ob sie nach der Pension wolle . Gleichgültig verneint sie das . Aber als er fragt , ob er sie zu Charlotten zurückführen dürfe , bejaht sies mit einem getrosten Neigen des Hauptes . Er eilt ans Fenster , dem Kutscher Befehle zu geben ; aber hinter ihm weg ist sie wie der Blitz zur Stube hinaus , die Treppe hinab in dem Wagen . Der Kutscher nimmt den Weg nach dem Schlosse zurück ; Eduard folgt zu Pferde in einiger Entfernung . Siebzehntes Kapitel Wie höchst überrascht war Charlotte , als sie Ottilien vorfahren und Eduarden zu Pferde sogleich in den Schloßhof hereinsprengen sah ! Sie eilte bis zur Türschwelle . Ottilie steigt aus und nähert sich mit Eduarden . Mit Eifer und Gewalt faßt sie die Hände beider Ehegatten , drückt sie zusammen und eilt auf ihr Zimmer . Eduard wirft sich Charlotten um den Hals und zerfließt in Tränen ; er kann sich nicht erklären , bittet , Geduld mit ihm zu haben , Ottilien beizustehen , ihr zu helfen . Charlotte eilt auf Ottiliens Zimmer , und ihr schaudert , da sie hineintritt ; es war schon ganz ausgeräumt , nur die leeren Wände standen da . Es erschien so weitläufig als unerfreulich . Man hatte alles weggetragen , nur das Köfferchen , unschlüssig , wo man es hinstellen sollte , in der Mitte des Zimmers stehengelassen . Ottilie lag auf dem Boden , Arm und Haupt über den Koffer gestreckt . Charlotte bemüht sich um sie , fragt , was vorgegangen , und erhält keine Antwort . Sie läßt ihr Mädchen , das mit Erquickungen kommt , bei Ottilien und eilt zu Eduarden . Sie findet ihn im Saal ; auch er belehrt sie nicht . Er wirft sich vor ihr nieder , er badet ihre Hände in Tränen , er flieht auf sein Zimmer , und als sie ihm nachfolgen will , begegnet ihr der Kammerdiener , der sie aufklärt , soweit er vermag . Das übrige denkt sie sich zusammen und dann sogleich mit Entschlossenheit an das , was der Augenblick fordert . Ottiliens Zimmer ist aufs baldigste wieder eingerichtet . Eduard hat die seinigen angetroffen , bis auf das letzte Papier , wie er sie verlassen . Die dreie scheinen sich wieder gegeneinander zu finden , aber Ottilie fährt fort zu schweigen , und Eduard vermag nichts , als seine Gattin um Geduld zu bitten , die ihm selbst zu fehlen scheint . Charlotte sendet Boten an Mittlern und an den Major . Jener war nicht anzutreffen , dieser kommt . Gegen ihn schüttet Eduard sein Herz aus , ihm gesteht