auf , die in deinem Busen wohnt , die ich nur zu wohl kenne . Sey stark , sey geduldig , vor Allem , sey fromm ! Laß mich nie wieder von einem sträflichen Wunsche hören , der meine Seele verwundet hat . Laß mich nicht fürchten müssen , daß du dich einst so weit verlieren könntest , Hand an dich selbst zu legen ! Weißt du wohl , Valeria , daß wir dann ewig getrennt wären ? Nur im Elysium begegnet die Selbstmörderin dem einst geliebten Schatten . Aber ein heiliger Gott verwirft den Rasenden , der über sein Leben gebieten zu können glaubt , und den Feigen , der die auferlegte Last ungeduldig abwirft , und der Prüfung entflieht . Valeria ! wenn ich dich einst dort mit Wonne empfangen , wenn du mich in einer Welt des Friedens und der Gleichheit wieder antreffen willst : so trage , was dir die Vorsicht auferlegt , und harre standhaft aus . Valeria ! Leb ' wohl ! Was du auch zu dulden hast , wie viel Schwerter durch deine Seele gehen mögen , denke , daß dein Freund mit dir leidet , und dein Herz keine Wunde empfängt , die nicht das meine eben so schmerzlich zerreißt . Schreibe mir nicht mehr - ich darf dir nicht antworten . Mache keinen Versuch , dich an Constantin zu wenden . Ich kenne seine Lage - er kann uns nicht helfen , uns ist nicht zu helfen . Das bedenke - vergiß mich - und lebe wohl ! 57. Theophania an Junia Marcella . Nicäa , im November 302 . Wenn du nicht lächeln willst , meine geliebte Freundin , so möchte ich mein Herz einem klaren Wasserspiegel vergleichen , der zwischen Büschen verborgen das Bild des schönen Himmels treu in seiner Tiefe bewahrt . Wenn auch Stürme auf eine Weile seine Oberfläche trüben und empören , daß die Bilder entfliehen oder verworren auf den unstäten Wellen schwanken , so bringt es doch seine Natur mit sich , daß er mit allen seinen Kräften wieder in seine vorige Lage zu kommen strebt , und sich nach und nach selbst beruhigt . Dann sieht der Wanderer , der ihn in seiner stillen Verborgenheit aufsucht , nicht die Fluth selbst , er sieht nur die Bilder des Ufers und den schönen blauen Himmel , der ihm aus der klaren Tiefe entgegen strahlt . So ist es mir ergangen , meine Geliebte ! Von selbst , ohne äußeres Zuthun , hat sich mein Herz wieder gefunden ; der stille Friede und mit ihm ein theures Bild sind in dasselbe zurückgekehrt . O es war eine traurige Zeit , als ich ihn nicht mehr lieben zu dürfen glaubte , als ich ihn für leichtsinnig und flatterhaft halten mußte ! Es war ein Aufruhr in meiner Natur , eine gewaltsame Verwirrung derselben . Ich muß ihn lieben , ich muß mit ihm einig seyn , wenn ich es mit mir selbst seyn soll . Ich bin es wieder , und das ist das Kleinod meiner Brust . Jetzt strahlt der stille Spiegel wieder nur sein theures Bild zurück , und ich darf wohl sagen , es ist mir wie der Fluth , die selbst verschwindet , und nur den Himmel zeigt . Ich will mich gern selbst vergessen , wenn nur Er glücklich ist . Du wirst vielleicht glauben , daß ich ihn gesehen , oder sonst etwas von ihm gehört hätte . Nein , meine Liebe ! Aus meinem Innern , aus den Erinnerungen an meine Jugend , aus der Zusammenhaltung mehrerer Umstände , aus der Ueberzeugung von seinem Werthe ging die kräftige Beruhigung hervor . Selbst deinen Brief habe ich erst erhalten , als es bereits stille in mir war . Was er enthielt , gab mir noch höhere Kraft und das angenehme Gefühl der Uebereinstimmung mit der edelsten Freundin . Ja , meine Liebe , er ist ganz entschuldigt ! Er steht rein und tadellos vor mir , und das macht mich glücklich , so wenig beneidenswerth sonst meine Lage ist . Nur der Gedanke , an ihm zweifeln zu müssen , kann mich wahrhaft unglücklich machen , denn er stört meinen Frieden . Ihn lieben , und die Tugend lieben , ist Eins bei mir ! Aber wenn auch diese Ueberzeugung die unerläßliche Bedingung meiner Seelenruhe ist , so ist sein Besitz kein Recht , das ich von der Vorsicht als ein Eigenthum ansprechen darf . Jenes hat sie mir gewährt , weil Seelenfrieden zu unserm Seelenheile nothwendig ist . Unsre Glückseligkeit ist es aber nicht , und so darf ich diese nicht ansprechen , und thue es auch nicht . O meine Junta ! wie glücklich ich geworden wäre , wenn es Gott gefallen hätte , uns zu vereinigen , wage ich nicht zu denken . Mir schwindelt vor dieser Höhe von Seligkeit , die vielleicht für dies Leben zu groß gewesen wäre ! In dieser Furcht beruhigt sich mein Herz , und bescheidet sich , die Wonne des Himmels nicht schon hienieden zu genießen . Mein Vorsatz , unbekannt zu bleiben , steht daher noch immer fest . Es tragen manche Nachrichten , manche Ueberlegungen dazu bei , es rührt auch wohl manche Ansicht aus Heliodors Umgange her . Ich will mich bemühen , dir Alles klar und deutlich zu machen , so deutlich , als ich es fühle ; aber es ist schwer , Gefühlen Sprache zu geben , und was wir als entschieden wahr empfinden , dem Andern eben so klar einsehen zu machen . Es lebt hier ein gewisser Marcius Alpinus , derselbe , der zum Nachfolger meines verstorbenen Gemahls bei dem Heere bestimmt war , und dessen Ankunft der gekränkte würdige Held nicht erwarten wollte . Er kennt mich also nicht persönlich , so wenig , als ich ihn je gesehen habe ; aber er kennt Alles , was in Nikomedien und am Hofe von einiger Bedeutung ist , und so denn auch das Haus des