; da fragte der Geist sich selber : » Wer kann mich ergreifen , ich bin ein Geist unter Geistern « ; und der Mut der Unsterblichkeit schlug wieder in der warmen Brust . - - Aber welcher sonderbare Garten ! Große und kleine blumenlose Beete voll Rosmarin , Raute und Taxus zerstückten ihn - ein Kreis von Trauerbirken umgab wie ein Leichengefolge gesenkt den stummen Platz - unter dem Garten murmelte der begrabne Bach - und in der Mitte stand ein weißer Altar , neben welchem ein Mensch lag . Albano wurde gestärkt durch die gemeine Kleidung und durch den Handwerksbündel , worauf der Schläfer ausruhte ; er trat ganz dicht an ihn und las die goldne Inschrift des Altars : » Nimm mein letztes Opfer , Allgütiger ! « - Das Herz des Fürsten sollte hier zur Asche werden im Altare . Ach nach diesen starren Szenen linderte es seine Seele bis zu Tränen , hier Menschenworte zu finden und einen Menschenschlaf und die Erinnerung an Gott ; aber als er gerührt dem Schläfer zusah , sagte ihm plötzlich die Schwesterstimme , die er auf Isola bella gehört , leise ins Ohr : » Linda de Romeiro geb ' ich dir . « - » Ach guter Gott ! « rief er und fuhr herum - und nichts war um ihn - und er hielt sich an die Altarecke - » Linda de Romeiro geb ' ich dir « , sagte es wieder - fürchterlich packte ihn der Gedanke , der schwebende Leichenkopf rede neben ihm - und er riß am festen Schläfer , der nicht erwachte - und riß und rief noch gewaltsamer , als die Stimme zum dritten Male sprach . » Wie ? « - ( sagte der Schlaftrunkene ) » Gleich ! - Was will Er ? - Sie ? « und richtete sich unwillig und gähnend auf , aber er fiel bei dem Anblicke des nackten Degens wieder auf die Knie und sagte : » Barmherzigkeit ! ich will ja alles hergeben ! « » Zesara ! « rief es im Walde , » Zesara , wo bist du ? « und er hörte seine eigne Stimme ; aber kühn rief er nun zurück : » Am Altare ! « - Eine schwarze Gestalt drang heraus mit einer weißen Maske in der Hand und stockte im Mondlichte vor der bewaffneten ; da erkannte endlich Albano den Bruder Lianens , nach dem er so lange gelechzet - er schleuderte den Degen zurück und lief ihm entgegen - Roquairol stand stumm , bleich und mit einer erhabnen Ruhe auf dem Gesichte vor ihm - Albano blieb nahe stehen und sagte gerührt : » Hast du mich gesucht , Karl ? « - Roquairol nickte stumm und hatte Tränen in den Augen und öffnete die Arme . - Ach da konnte der selige Mensch mit allen Flammen und Tränen der Liebe an die langgeliebte Seele stürzen , und er sagte unaufhörlich : » Nun haben wir uns , nun haben wir uns ! « Und immer heftiger umschlang er ihn wie den Pfeiler seiner Zukunft und strömte in Tränen hin , weil ja nun die verschlossene Liebe so langer Jahre und so viele zugedrückte Quellen des armen Herzens auf einmal fließen durften . - Roquairol drückte ihn nur zitternd an sich und leise mit einem Arme ; und sagte , aber ohne Heftigkeit : » Ich bin ein Sterbender , und das ist mein Gesicht , « ( indem er die gelbe Totenmaske emporhielt ) » aber ich habe meinen Albano , und ich sterbe an ihm . « Sie verstrickten sich wild - das Mark des Lebens , die Liebe , durchdrang sie schöpferisch - der Boden über dem rollenden Erdenflusse wankte heftiger - und der Sternenhimmel zog mit dem weißen Zauberrauche seiner zitternden Sterne um die magische Glut - - Ach ihr Glücklichen ! 52. Zykel Einige Menschen werden verbunden geboren , ihr erstes Finden ist nur ein zweites , und sie bringen sich dann als zu lange Getrennte nicht nur eine Zukunft zu , sondern auch eine Vergangenheit ; - die letztere forderten einander die Glücklichen ungeduldig ab . Roquairol antwortete auf Albans Frage , wie er hieher komme , mit Feuer : » er sei ihm diesen ganzen Abend gefolgt - er habe ihn am Fenster unter dem Leichengepränge so peinlichschmachtend angeschauet und beinahe umarmen müssen - er sei schon vorhin dicht an ihm gestanden und habe auf seine Frage : wer da ? sogleich die Maske abgetan . « - - Jetzt griff wieder Albanos gefallner Arm straff durch das dünne Schattenspiel der Geisterfurcht , da er nun erfuhr , der zweiköpfige Riese sei bloß vom optisch-vergrößernden Wahne der Ferne einer so nahen Gestalt erwachsen , und der Leichenkopf habe auf der Treppe seinen Rumpf nur eingebüßt durch die finstern Überhänge und durch die schwarze Bekleidung ; sogar die harte Geisterszene am Altare schien ihm jetzt bezwinglicher durch den reichen Gewinst der lebendigen Liebe . Roquairol fragte ihn , welche Qual oder Freude ihn in der Mitternacht hierher auf einen herrnhutischen Gottesacker getrieben und wohin er den Menschen mit dem Degen abgeschickt . Albano wars unbekannt , daß hier Herrnhuter ruhen ; und ebenso hatt ' er den wahrscheinlich aus Furcht des Gebrauchs verübten Diebstahl des Degens nicht bemerkt . Er antwortete : » Meine tote Schwester wollte am Altare mit mir reden ; und sie hat geredet « ; aber er fürchtete sich , mehr davon zu sprechen . Da änderte sich plötzlich Roquairols Gesicht - er starrte ihn an und forderte Beteuerung und Erklärung - unter dieser schauete er in die Luft , als wollt ' er aus ihr durch Blicke Gesichter ziehen , und sagte , indem er doch Albano ansah , eintönig : » Tote , Tote , rede wieder ! « - Aber nur der Totenfluß redete unter ihnen fort und nichts weiter . Aber er warf sich vor dem Altare auf die Knie und sagte