Endlich erhebt er sich . Eine Stunde ernsten Nachdenkens schien vorüber . Immer mehr röthet sich der Horizont . Schon manches Vögelchen regt sich im Ast über ihm . Der Grübler erhebt sich , bindet sein Halstuch los , wirft seinen Rock von sich , tritt dem Ufer näher , späht um sich und ist eben im Begriff , in der stillflutenden , morgenrothüberschienenen Welle seinem Leben ein Ende zu machen , als ihm aus dem Gebüsche sein Name zugerufen wird . Er stutzt . Paul reißt das Strauchwerk , das ihn schützt , mit letzter Anstrengung auseinander und schwankt dem Ufer näher , halb in den Sand sinkend , halb am Eichbaum sich haltend , wo das Tuch , der Rock , der Hut liegen . Hackert ! ruft der Selbstmörder und verliert den Muth zu einer entsetzlichen That , deren Schein ich mir einst , wie Sie wissen , selbst am Hudson gab . Er schwankt zurück aus dem Wasser , das schon seinen Fuß benetzt hatte , erkennt einen ihm wohlbekannten jungen Mann , findet ihn hülflos , erschöpft , stöhnend , hört die Vorwürfe , die ihm für sein Beginnen von einem Menschen gemacht werden , der eben selbst zu sterben scheint . Eine Erörterung , zu der mein Sohn keine Kraft mehr hatte , ersetzte ihm ein Gegenstand , den er halbbewußtlos stumm dem Selbstmörder darreichte . Es war ein Paket von den aus der Lücke des geborstenen Schreins entglittenen Stadt-Kämmereischeinen . Was dann mit Paul geschah , weiß er selbst nicht . Er kam erst zur Besinnung in jenem Jägerhause , hörte , daß ihn dorthin ein Mann in früher Morgenstunde zur Verpflegung übergeben , sich entfernt hatte , wiedergekommen wäre und daß er schon seit acht Tagen hier in diesem Hause verpflegt würde und meist im Fieber läge . Ihn aber quälte nur der Schrein unter den Zweigen , auf den er sich bald besonnen . Er forschte . Man sprach unverfänglich . Dennoch ließ ihm die Gefahr seines Kleinods keine Ruhe . Ohne Zweifel trieb ihn die alte Sinnenstörung , die Mondsucht , von seinem Lager , wo man ihm aus Rücksicht auf den vornehmen , wohlbekannten Mann alle Sorgfalt widmete , trieb ihn hinaus in den Wald , in ' s Gebüsch , wo der Schrein von ihm verborgen unter Moos und Zweigen ruhte . Dort schnupperten ihn an einem Morgen Jagdhunde auf , denn auf dem Schrein war er eingeschlafen . In der zweiten Nacht dieselbe unwillkürliche Angst im Traum , wieder findet man ihn an jener Stelle . Er ahnt , daß man Verdacht schöpft . Da treibt ihn wie rasend empor die Vorstellung der Entdeckung . Der , den er vom Selbstmorde rettete , war auf ' s Neue da gewesen , hatte mit ihm freundlich geredet ; er besann sich wohl im Fieber der Worte : Hackert , du hast den Schrein gestohlen ! Gib ihn heraus ! Die Scheine , die du mir gabst , betrugen mehr als fünftausend Thaler ! Was beginnen wir damit , Junge ? Wo ist der Schrein ? Du hast ihn ? Und als Paul Zeck sich im Bett wälzte , drohte ihm , er wußte nicht ob wirklich oder nur in Phantasieen , der Gerettete , sprach von Gerichten , wollte den Wald von Oben zu Unterst kehren lassen - da war , erwachend zur Besinnung , sein Entschluß gefaßt . Unbekannt mit dem Bruch des Schlüsselbeines , einem Schaden , den man lange tragen , lange nicht merken kann , schleppt er sich endlich davon , holt den Schrein und wagt sich mit ihm in Richtungen weiter , die nach Westen gehen . Er findet da und dort einen Träger , einen Bauer , einen Burschen , Leute , die ihm helfen . Vorläufig nach dem Harze , nach Angerode zu ! war seine Loosung , wenn er einen Bauernwagen traf und um Aufnahme bat . Aus Wald und Nacht wagte er sich nicht mehr hinaus . Hinter der Elbe trifft er auf einem Kreuzweg einen Mann , der traurig und nachdenklich auf einem Karren sitzt , auf dem er große Kästen voll kleiner belebter Vogelbauer fuhr . Warum seid Ihr traurig , Mann ? fragte mein Sohn , sich mit seiner Bürde mühsam hinschleppend . Mein bester Freund und Gönner ist gestorben , sagte der Vogelhändler . Er nannte den Präsidenten des Obertribunals , den greisen , fast neunzigjährigen Dagobert von Harder . Er liebte die Thiere mehr als die Menschen ! sagte der Mann . Wenn ich zu ihm kam mit meinen Vögeln , nahm er mich auf wie einen Freund , es wird die letzte Fahrt von Angerode sein . Paul , mein Sohn , wußte , daß diesem Greise die Entscheidung des Johanniterprozesses gebührte . Ist der Rabenvater todt ? fragte mein Sohn . Er faßte aber den Vater der Raben nicht wie der Vogelfänger auf , sondern im Bezug auf den Rabenstein . Höre , sagte Paul , laß den Schrein da auf deine Karre zu den Vögeln thun : sie kommen alle aus demselben Reich der Luft und die alte Exzellenz wird um uns sein und unsre Habe beschützen ! Der Vogelhändler betrachtete befremdet das seltsame Stück . Plaudernd erreichte der Kranke seinen Zweck . Der Schrein wird aufgeladen . Um den Buchfinken und Zeisigen den Wald auch auf der staubigen und sonnigen Landstraße zu zaubern , belegte ihn Paul behutsam mit abgebrochenen Zweigen , die den Schrein verdeckten . Man sah nur die hüpfenden Vögel , nicht den Schrein ; der Vogelhändler schob den Karren . Paul schleppte sich hinter her . Fiebernd , elend , hinkend , mit aufgeschwollener Entzündung der Brust , aber ungefährdet kam er in Angerode an , wo der Fuhrmann Peters seine Loosung war . Er fand ihn auch , den neuen Wirth vom Pelikan , der Dankmar bis Angerode gefahren hatte und dann in der Stadt verblieb , bis er da ein kleines Besitzthum verkaufen konnte