auf Bonaventura und flüsterte ihm die Bitte , an den General keine Frage wegen Federigo ' s zu richten ... Neben dem General saßen zwei fremde , wie es schien , angesehene Weltpriester , denen sich anmerken ließ , daß sie zu den Affiliirten der Jesuiten gehörten ... Römischkatholische Geistliche haben darin einen Blick , der sich selten täuscht ... Pater Lanfranco in seiner weißen Kutte saß mit gebeugtem Haupte , unbeweglich ; am kahlen Scheitel war ersichtlich nur sein Gehör in Thätigkeit ... Ein südfranzösischer Kopf , scharf ausgeprägt ... Ein Schädel nicht rund , eher länglich und nach oben viereckt auslaufend , wie die getrocknete Feige ... Bei einem Lobgesang auf Maria in provençalischer Sprache wurde seine unbewegliche Gestalt lebendiger ... Ein italienischer Zögling trat auf und sprach malaiisch - die Abwechslung blieb die bunteste - ... Als der Redner in seinem wunderlich lautenden Vortrag stockte , sagte einer der Nebenmänner des Generals : Im Sacro Officio sollen Ihre Brüder in Neapel einen Mönch haben , der diese Sprache besser versteht ! ... Sie kommt mir vor , entgegnete Lanfranco in fremdartigem Italienisch , als balancirte ein Jongleur auf der Lippe mit geschliffenen Messern ; da kann wol eins zur Erde fallen ... Bonaventura konnte nicht den Namen Neapels nennen hören ohne aufzuhorchen ... Noch dachte er nicht an den Bruder Hubertus , dessen ehemaliges Leben in Java ihm bekannt sein durfte ... Nach einer Weile wurde auch ein auf dem Programm verzeichneter holländischer Vortrag gehalten , für welchen der General der Jesuiten , ein Holländer , competent gewesen wäre - er war nicht anwesend ... Diese Probe ging geläufiger ... Der General der Dominicaner sagte zu seinem Nebenmann : Ist Ihr Malaie nicht auch mit dem Holländischen vertraut ? ... Gewiß ! sagten seine beiden Nebenmänner zu gleicher Zeit und einer fügte hinzu : Jener Bruder Franciscaner , der vor Jahren den Pasqualetto erschoß ... Bonaventura , erkennend , daß von Hubertus die Rede war , wollte sich in die Unterhaltung einmischen , als ihn Ambrosi mit einer heimlichen Handbewegung zurückhielt ... Merkt Ihr denn nicht , mein Freund , flüsterte er ihm zu , daß es nur darauf abgesehen ist , Ihre Aufmerksamkeit zu erregen ? ... In der That warfen die beiden Weltgeistlichen flüchtig schielende Blicke auf die hinter ihnen Sitzenden und trugen ihre Plaudereien so stark auf , daß Ambrosi ' s Verdacht sich bestätigte ... Der General schien wie Ambrosi zu denken und schwieg ... Doch nun wurden von seinen Nebenmännern auch die Ketzer des Silaswaldes erwähnt ... Frâ Federigo ' s Name fiel , für beide , Bonaventura und Ambrosi , ein elektrischer Schlag ... Immer wieder unterbrach der Redeactus , das Beifallklatschen und Lachen , das Blättern in den Programmen eine Unterhaltung , die der General offenbar auf andere Gegenstände zu lenken suchte , als die waren , an denen seine Nebenmänner festhielten ... Jetzt sagte der Gesprächigste , der dem General zur Linken saß : Eure Gnaden werden am besten die Bücher lesen können , welche bei jenem Hexenmeister im Silaswald gefunden wurden ; die meisten verbrannte er in seiner Hütte ... Sie sind in provençalischer Sprache geschrieben ... Sind die Gefangenen eingetroffen ? fragte jetzt der andere ... Ich hörte bei Monsignore Cocle , fuhr der erste fort , daß Einer von ihnen kaum die Anstrengung der Reise überleben wird ... Dennoch sind sie da ! sprach Lanfranco scharf und bestimmt und schnitt damit das Gespräch ab ... Die Wirkung dieser Worte , wurden sie nun in berechneter Weise so betont gesprochen oder nicht , war keine andere , als daß sich Bonaventura sofort erhob und zum Gehen Bahn machte ... Das Aufsehen dieser Entfernung , der sich auch Cardinal Ambrosi anschloß , war allgemein ... Jetzt sah man recht , wie diese beiden Priestererscheinungen das Interesse der römischen Gesellschaft bildeten ... Für ihren hohen Rang zwei noch so jugendliche und männlich schöne Gestalten ... Der eine schlank und ernst wie die Cypresse , der andere blühend wie ein Rosenstrauch ... Von manchem Maler , mancher englischen Touristin , wurden ihre Züge verstohlen aufgefangen ... Beide senkten ihre Augen ... Jener , um nur seiner Sinne mächtig zu bleiben und im überfüllten Saal nicht ohnmächtig zu werden ; dieser mit der ihm eignen lächelnden Schüchternheit , die ihm selbst in seinem jetzigen reiferen Alter geblieben war ... Der Salonwitz nannte beide Freunde die » Inséparables « , andere » Castor und Pollux « , andere » Orest und Pylades « - natürlich mit jenen verdächtigen Nebenbeziehungen , die dem katholischen Priesterstand zur Strafe anhaften werden , solange er das Weib verschmäht ... Im Vorsaal wurde dem Cardinal Ambrosi von einem Dominicaner ein Brief übergeben ... Er erbrach ihn rasch ... Als die beiden Freunde in ihrer alterthümlichen vergoldeten Kutsche saßen , gab Ambrosi den Brief an Bonaventura ... Er enthielt die Worte : » Die Männer von Calabrien sind angekommen ... Dem Besuch des Erzbischofs von Coni bei seinem Diöcesanen , dem Einsiedler von Castellungo , steht nichts im Wege - Leider findet er den Mann , trotz aller ärztlichen Bemühungen , dem Tode nahe ... « Zum Vatican ! rief Bonaventura dem Kutscher mit fieberhaft zusammenschlagenden Zähnen ... Beruhige dich - ! sprach Ambrosi und zitterte doch selbst ... Wir treffen ihn sterbend - ! ... Wie ich geahnt ! - Meine Strafe - ! ... Ambrosi versuchte Hoffnungen auszusprechen ... Die Stimme versagte ihm ... Wie eine Mutter nach ihrer Geburtsstunde von Fieberschauern erschüttert wird , so lag Bonaventura in Ambrosi ' s Armen ... Selbst dem Befremden , das Ambrosi über die Reden der beiden Geistlichen aus Neapel auszudrücken versuchte , konnte sein Ohr nicht mehr achten ... Der Wagen jagte über den Corso , der Tiberbrücke zu und zum Vatican - ... Für viele der beim Sprachenfest Zurückgebliebenen hatte die Sitzung durch die Entfernung der beiden gefeierten jungen Cardinäle ihr Interesse verloren ... Da sie nicht wiederkamen , so entfernten sich auch andere ... Sogar