fand in Oleander , jenem Vikar aus Plessen , ein treues Herz , wirkte mit ihm für die Armen und Elenden und machte damit sogar ein thörichtes Aufsehen , ob ich es gleich vermied , von meinem Wirken zu sprechen und mich der Erfolge zu rühmen , die nur zu oft auf diesem Felde täuschende sind . Ich erhielt den Auftrag , die Scheine zu stechen , die die Verwirklichung der Erbschaft Ihrer Freunde wurden . Denken Sie mein Gefühl ! Denken Sie an den Baron Grimm , an seine geheime Kammer , an seine falsche Kunst und jetzt derselben Gesellschaft , der ich noch meine Strafe schuldig bin , meine nun in Wahrheit dienende Hand ! Sie kennen die Flucht Dankmar ' s , den Raub des Schreins , in dem so große Schätze aufbewahrt wurden . Der Räuber und Förderer der Flucht war mein Sohn . Man nannte ihn Fritz Hackert , nur mir galt er bisher allein für Paul Zeck ; der Mutter hatte ich die Gelegenheit zu neuem Frevel nicht geben wollen , auch ihm selber nicht , ich verschwieg ihm seine Abkunft und bei seinem Sinn reicht ' es hin , daß er sagte : Ich wußt ' es ja immer , gestohlen hab ' ich mich in die Welt , ein Bastard bin ich , ungerufen nur gekommen ! Den Aufschwung meines Sohnes zu dieser That hab ' ich erst verstanden , seit ich weiß , daß er damit viele seiner Leidenschaften hat befriedigen wollen . Ich weiß , der Stolz , die Eifersucht , ja sinnliche Liebe haben diese That geweckt . Stolz , daß ihn die Freunde bewundern sollen , die Eifersucht , daß ein Andrer Namens Danebrand mehr thun sollte als er ; die Liebe - für ein edles seltenes , wenn auch zu weltliches und zu überreizt im Hasse lebendes und den Haß für Religion nehmendes Mädchen . Zwei Frauen waren zu allen Zeiten die , die den Sohn regieren konnten , beide muthvoll , beide dem Seltsamen und Ungewöhnlichen zugethan , jene schön , diese kaum ihr Schatten , aber schön durch Heroismus und eine amazonenhafte Tugend . Sie werden meinen Sohn sehen ; Sie kennen Louise Eisold ! Prüfen Sie , ob da nun Feuer und Wasser oder Stahl und Stein zusammenkommen würden ! Mein Sohn erfand diese Flucht und wurde , als Danebrand vom Blei der Wächter getroffen in dem Durchbruch der Mauer ausathmete , von dem stürzenden Schrein fast erschlagen . Das Schlüsselbein der rechten Schulter fand sich später gebrochen . Dennoch rafft ' er sich auf . Er hört den Lärm der Wachen , winkt , daß Dankmar sein Heil in der Flucht suche , ladet in der Erregung des Augenblicks die an einer Seite geborstene Truhe auf die linke Schulter , flüchtet in das Dunkel der Johanniskirche , irrt auf dem Platze um sie her , sieht Schlurck ' s Wohnung , will dort Hülfe suchend an der Klingel ziehen und hofft sich in der Komthurei bergen zu können . Da entdeckt er einen Mann , der eben bei Schlurck ' s das Haus verläßt . Er wankt näher , er blickt hin . Er erkennt schon den Schreitenden . In der Nacht um ein Uhr , verläßt Jemand - und Dieser ! - das Haus ? Was ist Das ? Statt an der Komthurei sich zu verweilen , folgt Paul dem in nächtlicher Stille dahinschreitenden Mann . Was bezweckt der Mann in so tiefer Nacht ? Die Spannung der Neugier gibt ihm den Muth , seine Bürde weiter zu tragen . Ohnehin ohne Schuhe auftretend folgte er dem taumelnden , wie bewußtlos schwankenden Wanderer . Das Rasseln des Wagens , mit dem Dankmar entflohen , ist längst verhallt , die Verfolger , die er wohl anfangs auf seinen Fersen merkte , verloren die Fährte , er folgt dem Mann , der einem Thore zuschreitet . Das Thor ist wie immer nächtlich nur angelehnt , man öffnet sich es selbst . Hinaus schreitet der Taumelnde in einen Wald , der am Rande des Flusses liegt ; sonst war er dicht und voll von Bäumen dieser Wald , jetzt ist er durchsichtig und seines besten Schmuckes beraubt . Der Mann selbst da vor meinem Sohn , als Administrator der alten Stadt-Waldungen , hatte ihn so lichten lassen . Nichts merkt er von Hackert , der zum Tode erschöpft mit dem Schrein ihm folgt , still steht , wenn Jener steht , weiter schleicht , wenn Jener vor ihm hintaumelt . Endlich stehen sie am Ufer des Flusses . Eine verschwiegene , düstere Stelle . In einiger Entfernung das Jagdhaus , in dessen Nähe mein Sohn einst einen bösen Frevel an Pferden verübte . Ihn schauderte , je näher er der Stelle kam , die ihm die unheimlichsten Erinnerungen weckte . Der Schrein schien ihm jetzt schon gezogen wie am Lenkseil des Schicksals oder seines Gewissens . Er war durch die Brandgasse , an Lasally ' s Reitbahn vorüber zu diesem Jagdhaus dem Manne ächzend nachgeschlichen . Des Mannes Vorhaben war ihm sogleich bei dem ersten Erkennen kein Räthsel . An eine Eiche beim Wasser lehnt sich der nächtliche , den Lauscher nicht ahnende Wanderer . Er blickt nach der Gegend des Sonnenaufgangs , noch liegen dunkle Schatten auf dem Wasser , das ruhig dahinwogt und durch hohes Schilf sich hindurchwindet , geheimnißvoll still . Mein Sohn ahnt , was geschehen wird . Die letzte Kraft , deren sein Arm noch fähig ist , wendet er an , dem Schrein mit den Händen eine Vertiefung in der Erde zu graben . Er kratzt mit den Nägeln , gräbt mit den Füßen , er preßt den Schrein in eine Öffnung , die er mit Gras verstopft , mit Laub bedeckt und mit Zweigen , still von den Bäumen gebrochen , überbreitet . Jetzt wagt er sich dem am Ufer Brütenden , am Eichbaum Niedergesunkenen näher . Der sitzt , sieht in den rothen Osten und grübelt .