sich immer in ihren eigenthümlichen Trachten ... Auch für den Freund der Physiognomik gibt es schwerlich einen interessanteren Genuß , als soviel markirte Priesterköpfe zu studiren ... Bonaventura und Ambrosi kamen an , als die Feierlichkeit schon im Gange war ... Die Schüler der Propaganda , jüngere und ältere Scholaren , darunter manche bereits geweihte Kleriker , sprachen in all den Zungen , in welchen sie einst auf Missionsreisen die Botschaft des Heils zu verkündigen hofften ... Wenigstens konnten Proben von einem Viertelhundert Sprachen vernommen werden ... Ein erhabener Gedanke - ergreifend seine Bedeutung - aber die Ausführung brachte Späße mit sich ... Drollig erklang es dem italienischen Ohr , wenn ihm Slavisch gesprochen wurde ... Ambrosi hatte Bonaventura in eine Falle gelockt ... Er wollte ihn aufheitern ... ... Als beide ankamen , lachte die Versammlung grade über die Art , wie sich eine Lobpreisung des Höchsten im Polnischen ausnahm ... Bonaventura glaubte anfangs in einen Concertsaal zu treten ... Bald entdeckte er die kleine Fürstin Rucca , die in elegantester Toilette neben ihrem Ercolano saß und so vertraulich mit diesem lachte , als hätte die zehnjährige Episode ihres Lebens mit Benno gar nicht stattgefunden ... In einer gestickten ordenüberladenen Uniform saß Ercolano , lorgnettirte die Damen und klatschte wie im Theater mit seinen hellen Glaçeehandschuhen Beifall , wenn eine gewandte Zunge rasch über die schwierigen Passagen der fremden Idiome hinwegkam ... Neben Olympien saß zur andern Seite die Herzogin von Amarillas mit schneeweißen Haaren ; sie blickte mit unversöhnlichem Groll auf Bonaventura ... Olympia beugte sich demuthsvoll dem Cardinal Ambrosi und verzehrte ihn noch jetzt mit süßlächelndem Gruß - eine Geberde , die ihr auch jetzt noch angenehm stand ; gegen Bonaventura dagegen verwandelte sie die süßen Züge in jene ihr eigne plötzliche Kälte und verneigte nicht einmal ihr Haupt , wie dies die Herzogin doch beiden that ... Gräfin Sarzana fehlte nicht ... Sie hatte in ihrer Nähe so viele , die sich mit ihr unterhielten , daß ihr Olympia schon neidische Blicke zuschoß ... Der von Ambrosi den Freunden bestellte Sitz war zufällig dem der Gräfin Sarzana so nahe , daß sie mit Bonaventura einige Worte wechseln konnte ... Natürlich galten diese der Abreise Paula ' s ... Schließlich sagte sie : Morgen in der Frühe , um zwölf Uhr - find ' ich Sie da in Ihrer Wohnung , Eminenz ? ... Zu keinem Besuch ... Nur einen gewissen Gegenstand wollt ' ich an Ihrem Portal abgeben und eine Beruhigung über den richtigen Empfang haben ... Und denken Sie sich - diese Nacht sollte - bei mir - ... Ein schallendes Gelächter machte ihre fernere Rede für Bonaventura unhörbar ... Ein Neger hatte eben madagassisch gesprochen und Gurgeltöne hervorgebracht , die noch kaum der menschlichen Sprache anzugehören schienen - ... Bonaventura war über Lucindens Anblick , ihre Rede , ihr Bedauern wegen Paula ' s ergriffen ... Welche glänzende Toilette hatte die Gräfin gemacht - ! ... Sie trug ein schwersammetnes Kleid von dunkelrother Farbe ... Arme und Hals waren frei ... Den allzu grellen Effect milderte ein schwarzer um den Hals festzugehender Spitzenüberwurf ... Um den Nacken schlang sich eine Kette von schwarzen Perlen - mit jenem goldenen Kreuze , das sie nie ablegte ... Hier und da war ihr Haar schon grau ; ein kleines schwarzes Spitzentuch , das an beiden Seiten mit Brillantnadeln festgehalten wurde , lag darüber ... Die unter den Spitzen vorschimmernden immer noch wohlgerundeten braunen Arme trugen am Handgelenk kleine zierlich gewundene Schlangen aus schwarzer Lava ... Vorzugsweise schien Fürst Ercolano die Claque zu leiten ... Eine Côterie ihm ähnlich aufgeputzter Dandies schlug auf seinen Wink die Hände zusammen , so oft eine halsbrechende Passage ohne Stocken von den Lippen der Sprecher glitt , unter denen sich Neger und Malaien befanden ... Selbst das heilige Hebräisch fand keine Gnade vor den Ohren dieser Zuhörer , denen die andächtiger gestimmten Fremden schon zuweilen zischen mußten ... Freilich klangen einzelne Sprachen komisch genug ; andere desto melodischer ; z.B. Türkisch ... Als türkisch gesprochen wurde , schlug Gräfin Sarzana die Augen nieder ... Fürchtete sie , um Abdallah Muschir Bei beobachtet zu werden - ? ... Das Arabische klang schroff , rasch , » wie Rosseshuffschlag « 2 ... Ein syrischer Priester sprach kurdisch ; in sanftem Wellenschlag flossen oft die Idiome der wildesten Völker ... Dunkel dagegen und trübe erklangen die Sprachen des Nordens , das Englisch der Irländer und Schotten ... Einige förmliche Wettreden wurden aufgeführt , an denen mehrere Sprecher theilnahmen ... Auch das Holländische wurde hörbar - Deutsch durch den rauhesten oberbairischen Dialekt , der nicht im mindesten Anklang fand und vorzugsweise von Olympien lächerlich gefunden wurde , indem sie höhnische Blicke auf Bonaventura warf ... Ein unverkennbarer Blick aus den Augen der Gräfin Sarzana sagte : Sprächest Du das Deutsche , so wär ' es Wohllaut und die Sprache der Götter ! ... Die Stimmung , in welcher sich Bonaventura befand ( vor ihm lagen die Fenster der von Paula heute verlassenen Wohnung ; sie waren geöffnet , mit Spuren der Abreise ihrer bisherigen Bewohner ) bestimmte ihn , ihrem Blick durch milden Ausdruck des seinigen zu erwidern ... War es eine durch die deutsche Sprache geweckte Rührung beim Gedanken an die Heimat , beim Hinblick auf alles , was sein Leben , das Leben seiner Nachbarin auf dem Boden des Vaterlandes schon durchlaufen hatte und wie sie beide das Gewand einer fremden Nationalität angezogen hatten und jetzt in der That durch ihre Lage Verbundene waren - oder welches andere Gefühl ihn ergriffen haben mochte - sein Blick blieb voll Milde und Antheil ... Lucinde hätte gewünscht , die Rückgabe der Urkunde schon für heute angesagt zu haben ... Sie suchte nach einer Gelegenheit , sich ihm verständlich zu machen und hatte ihn auf alle Fälle wegen Neapels zu befragen - ... Vor Bonaventura saßen mehre Mönche in schlichten Ordensgewändern ... Unter ihnen befand sich Pater Lanfranco , der General der Dominicaner ... Ambrosi blinzelte seitwärts