es entdeckt wäre , daß dieser mit Hackert , dem wahrscheinlichen Beförderer der Flucht , auf das Vertrauteste bekannt war . Man verwies die Brüder auf die feierliche Übergabe , den eignen Frevel der Flucht und der Wiederaneignung , man erklärte sich nur vor einem Nichteinhalten der Emissionstermine wahren zu wollen und verwies die Bittsteller auf die Folgen ihrer Unternehmungen , die sie sich selber zuzuschreiben hätten . Am Tage des Nikodemus , den 15. September , sollte der erste Bundestag auf dem Tempelstein gefeiert werden . Der Königliche Hof war zufällig zu gleicher Zeit in Buchau zugegen . Leidenfrost richtete es im Interesse der Sicherheit der Versammlung so ein , daß schon den 8. September alle Arbeiter des Baues auf zwölf Tage entlassen wurden . Die Löhnung wurde gezahlt , als wenn sie arbeiteten , aber die Pause sollte , hieß es , benutzt werden zu künstlerischen Arbeiten , zu denen fremde Steinmetzen , fremde Maler , fremde Bildhauer kämen , die man einige Tage allein auf dem Bau wollte walten lassen . Den 20. wieder sollten alle Arbeiter , die bisher in Thätigkeit gewesen waren , zurückkehren und bis in den Winter an einem Werke schaffen , das Jahre brauchte , um so vollendet zu werden , wie Dystra und Leidenfrost es im Geiste vor sich sahen und Dankmar Wildungen es für die Schleier , die er lange auf die hier zu haltenden Versammlungen des Bundes werfen wollte , für nöthig halten mußte . Sein Herz bebte bei jedem Tage , den er näher zum Ziele kam . Alles fügte sich nach Wunsch , jede selbst unerwartete günstige Wendung traf überraschend ein , nur der Schrein blieb aus . Hackert war entweder todt oder verschollen oder entflohen . Dankmar ' s Verzweiflung gränzte an völlige Trostlosigkeit . Er hatte gerade diesen Besitz für unerläßlich zu der nächtlichen Versammlung auf der Tempelabtei im Walde gehalten , er hatte nichts zurückgenommen von den hochherzigen Verheißungen , die er und sein Bruder der Zukunft des Bundes gegeben . Hatte der Erfolg des Prozesses auch hinter den Erwartungen zurück bleiben müssen , es war genug gewonnen worden , um seine Absicht zu unterstützen , dies Erbe des Johanniter- und Templerordens den neuen Rittern vom Geiste als ein Eigenthum zuzuführen , von dem er für sich und den Bruder nur so viel beanspruchte , um als Verwalter desselben gegen Sorge und Noth sichergestellt zu sein . Er wollte auf halbem Wege nicht mehr still stehen . Was er einst verheißen , mußte erfüllt werden und jedes Bundesglied , es mochte so uneigennützig fühlen , wie die Brüder selbst , mußte doch zugestehen , daß ohne äußere Mittel ein Wettkampf mit den in Gold und Eisen gebetteten Irrthümern und Thatsachen dieser Zeit nicht möglich war . Am 10. September , als Dankmar Wildungen schon einen Aufruf um das unwiederbringlich verlorene Vermögen für alle Zeitungen geschrieben , kam Louis Armand mit der frohen Botschaft : Noch drei Tage und Murray , Hackert und der Schrein sind da ! Er zeigte einen Brief , den er durch Dystra empfangen . Murray schrieb Louis Armand von einem einsamen Fährhause am Rhein einen ausführlichen Bericht , von dem nicht Alles auf die Freunde berechnet war . Er las nur Das vor , was ihnen Beruhigung geben mußte . Der Hort ist da ! rief Dankmar und halb spottend setzte Leidenfrost hinzu : Der Nibelungen Noth hat ein Ende . Der Brief , der in seiner ganzen Ausdehnung nur für Louis Armand berechnet war , lautete so : » Mein theurer junger Freund ! Seit einem Jahr erfuhren Sie nichts von mir ! Ich benutze die Adresse des Herrn von Dystra , mit dem Sie wie mit Ihren Freunden verbunden geblieben sind , um Sie mit Vorfällen bekannt zu machen , die ich Sie bitte , sogleich irgendwohin und irgendwie den Brüdern Wildungen melden zu wollen . Ich weiß von Louise Eisold , daß Sie Alle um den Tempelstein verkehren und ich schreibe lieber Ihnen , weil ich mehr sagen muß , als was den Andern verständlich ist . Kurz vor Ihrer Ausweisung aus der Residenz hatt ' ich den Sohn gefunden , dessen Geschichte ich Ihnen unter Sturm und Regen in dem Eckzimmer des Schlosses Hohenberg in mir unvergeßlichen Stunden erzählte . Ja , Theurer , Ihnen dank ' ich diesen Fund ! Jener zerbrochene Ring , den Sie mir , als Sie aus dem Gefängniß mich erlösten , übergaben , dies Andenken an die düstre Vergangenheit , grauenhaft noch durch die letzte Erinnerung an das Forsthaus im Walde und den Tod , den ich dem eignen Bruder geben mußte , dieser Ring führte mir den Sohn zu , den ich so antraf , daß ich ihn zu bergen hatte , nicht jubelnd meinen Freunden darstellen konnte , selbst wenn ich vor Ihnen hätte wagen wollen , was ich selbst bei einem Engel an Güte und Liebe , der mein Sohn wahrlich nicht war , vor der Welt nicht wagen durfte . Ich zog mich in meinen Schmerz zurück . Ich sah in Hohenberg , wie ich verfolgt wurde . Ihr Zeugniß , das mich des Läugnens überhob , rettete mich , wenn ich Rettung diese Freiheit nennen darf , die mir die bittersten Erfahrungen zuzog . Meinen Sohn fand ich nur in dem Augenblicke bewegt , wo er einen Vater auf dem Friedhofe gefunden hatte . Nur zu bald sank er in jene sittliche Nacht zurück , die ich damals schon in Hohenberg ahnte . Gewaltsam wollt ' ich diese Nacht nicht erhellen . Ich erfuhr an Auguste Ludmer , wie das Auge des Geistes nur allmälig an den Glanz der Tugend sich gewöhnt . Ich zitterte vor dem Gedanken , noch einmal ein Gefäß der göttlichen Gnade durch gewaltsamen Eifer zu zersprengen . So ließ ich den Sohn gewähren und war nur froh , daß es ihm in meiner Nähe wenigstens - wie dem Hund am Ofen war ... Ich kehrte zu meiner Kunst zurück ,