ihm die angenehmste Zerstreuung . Im Übrigen hing er auf ' s Lebendigste mit allen den Beziehungen zusammen , die durch die Namen der Brüder Wildungen vertreten sind . Dankmar flüchtete sich zu ihm und wohnte drüben jenseits des Gebirgskammes . Siegbert kam zuweilen von Antwerpen . Rudhard kam mit den Kindern Rurik und der heranwachsenden Paulowna . Leidenfrost war immer zugegen ; denn er war es , der den Tempelstein ausbaute . Niemand kannte ihn . Er galt für einen fremdherverschriebenen Architekten . Auch Werdeck , der in Paris lebte , ließ sich zuweilen mit Vorsicht sehen . Louis Armand lieferte die Ausstattung der Zimmer , die Boiserie , die Vergoldungen , das Glas . Er machte seine Einkäufe in Belgien und den Niederlanden . Man kannte die Hundert von Menschen nicht , die hier ab-und zugingen . Dystra machte nur die Bedingung der Vorsicht und sie wurde ihm gewährt , noch gewissenhafter befolgt . Siegbert ' s Zeichnungen für die Glasfenster , die Leidenfrost in einer nahegelegenen Glashütte selber brennen lassen wollte , erregten die Bewunderung der Laien und Kenner . Es hieß , sie kämen von belgischen Malern aus Antwerpen . Wer forschte da weiter ? Die Fürstin Adele wäre gern von Brüssel gekommen , um die Fenster zu sehen , wie sie dann wirklich fertig waren und in den kostbaren Gemächern hingen , aber Dystra sagte : Die erste Frau , die außer Louise Eisold sein Schloß beträte , wäre ihm verfallen ; wäre sie verheirathet , so müßte der Mann mit ihm hier die erste Lanze brechen , wäre sie Jungfrau oder Wittib , so dürfte nur ein Lindwurm sie ihm streitig machen und auch an den würde er sich wagen . Kurz er scherzte über eine Bedingung , die die Fürstin so ernst nahm , daß sie sich überwand nicht zu kommen und , wie einmal bedungen war , Olga die Vorhand ließ . Durch Dankmar Wildungen erfuhr Dystra die neuesten Vorfälle des Jahres , seine Flucht , den Verlust des Schreins . An Louise Eisold sah er die Wirkung sowol des Erfolgs wie des Mislingens auf ein leidendes und in Leiden erstarktes Gemüth . Sie hatte die Flucht geordnet . Franziska Heunisch hatte ihr Anerbieten dazu mit Selma Rodewald vermittelt . Sie war in Tempelheide gewesen , hatte Peters im Pelikan gewonnen , hatte von Danebrand , der sonst am Baue arbeitete , sich begleiten lassen , hatte das Unglaubliche erreicht durch Hackert ' s einzig zum Ziele führenden überraschenden Beistand . Danebrand war ein Opfer dieser kühnen That geworden , die gute , treue , uneigennützige Seele ... Louise schauderte bei dem Gedanken , daß von den Beiden , die im Wege standen , Mangold ' s Wünsche zu erhören , der Eine vom Tod hinweggerafft war und der Andre ... Was ist nur mit ihm ? Wo weilt Hackert ? Hatte er Alle , auch sie betrogen ? Sie allein sah an Hackert die schlimmsten Seiten nicht , sie hatte sich aus seinem Leben wie jenes Huhn im Hofe aus dem Dünger einen Edelstein gescharrt , sie glaubte fest und heilig daran , daß hier nichts als nur der Sonnenschein der Liebe gefehlt hätte . Als Hackert ihr die That gelobte und Beistand versprach , in seiner Weise ohne Emphase , ohne Begeisterung , aber sicher , schlau , pfiffig Alles berechnend , was allein zum Ziele führte , als er ihr andeutete , daß er genugsam vertraut wäre mit allen Persönlichkeiten des Gerichtshauses , um sich durch verliebte Frauen , näschige Kinder , schwachsinnige Greise , trunkene Männer , die Schlüssel der Gefängnisse und Kassen anzueignen , da hatte sie zwar nicht gesagt , nicht sagen können : Hackert , ich belohne dich für alles Das mit meinem Herzen ! Aber die stürmischen und kecken Liebkosungen , mit denen sie der nie rein Denkende sogleich überschüttete , hatte sie doch fast mit den Worten abgelehnt : Lassen Sie ! Lassen Sie , Hackert ! Vielleicht wenn es gelungen ist , dann ! Und nun hatte die Flucht diese Wendung genommen ! Danebrand das Opfer , so gestorben wie einst ihr Bruder ! Der Schrein und Hackert verschollen ... ein unermeßliches Glück der Brüder Wildungen verloren , trotz des Briefes , der von Hackert ' s Hand einst mit dem Postzeichen eines kleinen Städtchens , wo alle Nachfrage nichts fruchtete , an sie gekommen . Noch glaubte , noch hoffte sie . Sie sagte zu Dankmar , als er eines Augusttages über den waldigen Bergwipfel kam , scheinbar als Schmuggler kam , da er so mit den Grenzwächtern - am besten stand und Siegbert gerade mit Louis Armand und dem Bruder zugleich anwesend war , um die Wirkung der Fenster zu sehen : Glauben Sie mir , Sie können vertrauen ! Hackert ist zu eitel , irgend einem Menschen , der ihn für schlecht hält , Recht zu geben . Er wird ehrlich sein nicht aus Liebe zur Tugend , sondern um Sie und uns Alle zu täuschen , zu verhöhnen , nicht einmal um mich zu erfreuen . Er liegt irgendwo krank , hat sich verletzt am Tage der Flucht . Mit genauer Noth nur wird er sich irgend wohin geflüchtet haben , vielleicht zu Schlurck , der in der Nähe des Profoßhauses wohnt . Er wird langsam uns folgen , denn ich sehe ja in den Zeitungen , wie man Sie und den Schrein mit Steckbriefen verfolgt . Zu kenntlich ist Hakkert und die große Lade wäre gleich verrathen , wenn er auf gewöhnlichem Wege käme . Vertrauen Sie ! Die Freunde hörten gern ihre Ermuthigungen , hielten es indeß für hoch an der Zeit , daß etwas geschah , um über diesen unermeßlichen Verlust Gewißheit zu haben . Ihre Zuschrift an die Behörden war schnöde und ablehnend beantwortet worden . Um so mehr , hieß es , könnte die Amortisation nicht gestattet werden , als auch der Stecher der Platte zu den Stadtkämmereischeinen seit einiger Zeit verschwunden und