von seinem zitternden Weibe liebevoll los ... Über Melanie blitzte ein Schimmer von Glück , ein Strahl von Hoffnung , von dem sie sich sagte : Endlich die Wärme des Gemüths ? Was ist ihm ? Was bricht da das Eis dieses ewig kalten Verstandes ? Ist er denn auch der Liebe fähig und wärst du dann noch würdig , ihn zu besitzen ? Ein Glück für sie , daß sie den Namen nicht wußte , der gleichsam von Rodewald hier als ein triumphirendes Paroli gegen Egon geboten war , den Namen Fritz Hackert ' s , Paulinen ' s Sohn ! ... So blieb die Freude ... ungetrübt . Dreizehntes Capitel Der Tempelstein An dem äußersten Ende eines der vielen kräftigen Nebenarme unsres großen , meergrünwallenden Stromes bilden die Uferwände einen Ausgangspaß auf fremde Länder , neue Sprachgebiete . Düster blicken wie Grenzwarten die tannengeschirmten Gipfel des Gebirgskammes , der Deutschlands natürliche Grenze ist und der im Süden uns noch Lothringen zuweist und das Elsaß . Auf diesen Höhen horsten noch Adler . Die Noth des Winters treibt noch Wölfe von ihren waldigen Schluchten herab . Niederwärts sich senkend , erheitert sich aber die Flur und dem Strome zu wächst die Rebe und der Nußbaum und volkreiche Städte , Weiler , Kirchen , Kapellen und Schlösser verrathen , wie traulich es sich am mäandrischen Versteckspiel seines Pfades wohnen läßt , unbekümmert um den Wolf und den Adler , die dem Grenzjäger oder Schmuggler begegnen mögen und Denen , die in der Höhe über Geklüft und Dickicht die verstecktesten Wege kennen . Sonst waltete hier die milde Herrschaft des Krummstabes . Noch sind die Alleen von Buchau lebendige Zeugen der Weltherrschaft des Geschmackes von Versailles , noch hat des treuen Mangold englische Naturkunst die Kunstnatur der erzbischöflichen Gärten nicht ganz austreiben können . Und zu den geschweiften Formen des Schlosses , zu diesen chinesischen Pavillons , zu diesen Friesen und Kannelirungen gehört ja auch die alte Gartenscheere , gehört ja auch der Zopf Lenotre ' s , der Puderstaub auf Blätterwuchs und Baumgeheg . Schloß Tempelstein , das sich auf eine Stunde Weges vom ebengelegenen Buchau und der Krümmung des Stromes wegen doch ihm fast gegenüber erhebt , ragt schon mit Thürmen und Altanen aus Baumgruppen , Felsvorsprüngen , Waldumkränzungen frei und zwanglos empor . Noch ist der Bau nicht vollendet , den Dystra mit seltenen Hülfsmitteln sich in dieser abgeschiedenen Gegend zu einem englischen Kastell mit Jagdgeheg und Boulingreen , zu einem Alhambra mit Springquellen aus Löwenmund , Bogengängen und Blumenterrassen zaubert . Es wird lange währen bis zu seiner ganzen Vollendung . Aber in diesem Sommer ist die alte Ruine schon nicht mehr aus ihrer neuen Umkleidung zu erkennen . Der Weg empor ist schon gebahnt . Ein untres Wohnhaus für den Winter , selbst dem verwöhntesten Lebemann , bewohnbar . Bis zur Brücke , die zwei Felsen verbindet und an ihren Rändern gestattet , auf ihnen die Spitzen von tief aus der Schlucht aufragenden Buchen und rothen Blutfichten mit der Hand berühren zu können , ist Alles eben , links und rechts mit großen Gewächsvasen aus gebranntem Thon geziert . Dann kommen Stufen , die schon sicher und bequem zu betreten , wenn auch noch nicht geschmückt und eingefaßt sind . Oben schon sprudelt die Fontaine , die das große Plateau zieren wird . Auf diesem Plateau will Dystra die Dorfjugend tanzen lassen , wenn er in seinem Geschmack immermehr , wie er sagt , den » Rosen des Herrn von Malesherbes « näher käme . Wie glatt mußte dieser Marmor also geschliffen sein ! Die Platten lagen schon im Vorrath und wurden schon bearbeitet . Das Burgthor öffnet sich . Das Wappen Dystra ' s hatte sich hier als eine verzeihliche Konsequenz seines Ahnenstolzes eingefunden , da er meinte , man sollte ihm diesen Stolz auf die Vorfahren lassen , da es doch schiene , als wenn ihm schwerlich noch etwas nachfahren würde . Die Zugbrücke war von Ketten und Eisendrähten . Alle Mauern hatten Nischen zu Statuen , Blumen , Springquellen oder , sagte Dystra , zu ewigen Lampen , wenn entweder Olga oder Paulowna oder ihre Mutter , denn Einer droht das Glück , Baronin Dystra zu werden , in Verzweiflung darüber auch katholisch würde . Nur einen Nepomuk auf die Zugbrücke , sagte er zu Rudhard , der ihn von Brüssel oft besuchte , nur den würd ' ich mir verbitten ; dieser Heilige macht mir bei jeder Brücke erst recht den Schwindel , den er vertreiben soll . Der dritte Theil des Schlosses war schon bewohnbar . Die ausgesuchteste Einrichtung zierte vom Dollond eines Belvedère herab bis zur praktikabelsten Kochmaschine des Kellergeschosses den linken Flügel , dessen nächste Umgebung bereits jetzt von Kalk , Mörtel und dem Lärm der Maurer und Steinmetzen verschont war . Wild und wüst freilich sah es in der Mitte und am rechten Flügel noch aus , der theilweise in einen Felsen hineingebaut wurde und einen schroffen , jähen Abhang darbieten sollte , für etwa verzweifelt Liebende , wie Dystra sagte , oder für Blaubärte , die sich hier ihrer neugierigen Frauen entledigen wollen , falls der unterirdische Gang , der hinten in den Wald und die Tempelabtei führt , nicht von strengen Ehemännern zu den Marterkammern und lebendigen Einmauerungen lieber benutzt wird . Diese Abtei war als Ruine ganz im alten Style gelassen und nur vom Schutt und Gerölle befreit und an zu schadhaften Stellen durch Ergänzungen unterstützt . Ein schöner Rest mittelalterlicher Kirchenbaukunst lag die Abtei fast schon im Walde und bot einen heiligen , das innerste Herz bewegenden Anblick . Dystra lebte nun fast ein Jahr schon am Fuße des Schlosses Tempelstein , das selbst er nur zuerst von seiner Schicksalsverhängten aus der Familie Wäsämskoi bewohnt haben wollte , in der eleganten Villa am Aufgange , dicht am Flusse , nicht tausend Schritte weit entfernt von dem Dorfe Buchau , das den Tempelstein vom Schlosse Buchau trennt . Der Verkehr mit gegen Hundert Arbeitern bot