zu : Es gibt ein Weib , das der namenlose Drang des Ehrgeizes verführt hat , von Extrem zu Extrem besinnungslos zu taumeln ! Ein Weib , das ein Erdendämon sogar den Irrweg zum Herzen meines Sohnes führte ! Rodewald , sagen Sie dieser Frau , flüstert mir die Fürstin zu , sagen Sie ihr , daß Sie in Amerika wirklich Ihre Vergangenheit ließen , wirklich vergaßen , an Das zu denken , worauf Pauline noch meinem Sohne gegenüber mit giftigem Stachel deuten kann ; sagen Sie ihr aber auch , daß in Amerika noch eine zweite Vergangenheit begraben liegt , die Vergangenheit Paulinen ' s von Harder ! Ein Friedrich Zeck hat gelebt und an dem Ufer des Hudson , in dem er sich das Leben nahm , ein Geheimniß hinterlassen , das einzig auf der Welt nur Sie und mein Sohn wissen sollen ! Nicht genug , daß der Falschmünzer Baron Grimm auf zwanzig Jahre durch Pauline von Harder und ihre Helfershelferin Charlotte Ludmer in einen Kerker geworfen wurde , in dem der Unglückliche schon nach dem ersten Jahre hätte sterben müssen , wenn nicht Zeck , genannt Baron Grimm , die Mittel zur Flucht vor seinem gewissen Tode gefunden hätte ; auch das Kind , das Pauline von Ried , geborne von Marschalk , jenem falschen Spieler und Abentheurer , dem Kupferstecher Zeck , geboren , Paul Zeck , getauft in der Stille zu Seehausen vom Pfarrer Lattorf , wurde von ihr den ruchlosen Verwandten des Betrügers übergeben , verkauft , von diesen , Mördern und Gaunern , ausgesetzt und wuchs herauf zur abschreckendsten Ähnlichkeit mit seiner Mutter ! Noch lebt Paul Zeck , lebt unter uns , in dieser Gesellschaft , ein Jüngling von dreiundzwanzig Jahren , voll Lug und Trug , verschmitzt , verworfen , zu jeder Gewaltthat fähig und nichts , nichts , als den Namen seiner Mutter suchend ! Jetzt geh ' ich zu dem Mäkler Reichmeyer , der Fürst aber geht zum König , und Sie , Pauline , sollten gehen und Paul Zeck suchen , einen Fund , dessen Verdienst in seiner Unermeßlichkeit ich Ihnen nicht schildern kann . Denn Paul Zeck muß leben , darf nicht auf ' s Neue Mördern anvertraut werden , darf nicht auf ' s Neue um ein Judasgeld von dreitausend Thalern von der Erde weggeweht werden , Paul Zeck darf seine Mutter nur unter dem Schutze der Gerichte finden , damit er nicht verschwindet , gemordet von Charlotte Ludmer , Pax und den Helfershelfern Paulinen ' s von Harder ! Wenn Rodewald nach diesen Worten das Zimmer hätte verlassen wollen , würde er durch die Art , wie die Geheimräthin diese Enthüllung aufnahm , daran verhindert gewesen sein . Denn jedes seiner entsetzlichen Worte hatte ihm gleichsam Pauline abgeschnitten , jeder neuen Thatsache hatte sie sich gleichsam körperlich entgegengeworfen . Sie suchte sich dem furchtbaren Sprecher bei jedem Athemzuge zu nähern , wollte seinen Arm ergreifen , versuchte vor Verzweiflung fast mit ihm zu ringen . Als er aber dennoch geredet , dennoch geendet und schon längst die geöffnete Thür in der Hand hatte , stürzte Pauline , die vor ihm auf der Schwelle stand , ihn zurückhalten wollte , von dannen und rannte wie eine von den Furien Gepeitschte auf die Ausgänge der Zimmer und der Etage des Hauses zu , sank wie Eine , die in der Luft dieses Palastes zu ersticken fürchtete , fast die Stiegen hinab ... Die draußen harrenden Bedienten mußten sie für wahnsinnig halten , als sie die Treppe niedertaumelte und besinnungslos vor dem Portal in ihrem Wagen verschwand . Wie sie schon davonrollte , lag Egon noch dankerfüllt , zum Himmel aufblickend in Rodewald ' s Armen . Er war auf den Vater , wie befreit von Harpyenkrallen , zugestürzt , hatte in stürmischer Überwallung seiner erlösten Gefühle ihn an sein Herz gezogen , ihm Stirn und Wangen schon mit Küssen bedeckt ... schon das Wort auf den Lippen ... das entscheidende , das entsetzlich geheimnißvolle ... aber Rodewald ließ Nichts davon geschehen ... er nahm kein Recht in Anspruch , verrieth keines zu besitzen , gebot der Stimme der Natur , blieb demüthig , zog sich zurück , wollte fliehen , schwieg , indem er seine Thränen für sich reden ließ . Hinaus ! hinaus ! hauchte er leise ... Nein , einen Augenblick , Vater ! rief Egon mit bebender Stimme , riß sich los , stürmte in sein Nebenzimmer und kehrte nach wenigen Sekunden mit einem versiegelten Pack Papiere zurück . Lies ! sagte er . Es ist das Testament der Mutter ! Rodewald nahm schweigend und staunend die Papiere , wollte sie mit abgewandtem Antlitz ablehnen , hielt sie mit der linken Hand fest und bedeckte sich zugleich mit ihr die Augen , mit der Rechten streichelte er des Fürsten Wange , abgewandt , fast blind tastend nur , wie in den heiligen Büchern jener Erzvater that , als er die rauhe oder glatte Haut seines Sohnes fühlen wollte , um den rechten Liebling zu erkennen ... Da mehrte sich die Scene . Die Fürstin trat hinzu ... staunend über die Scene , betroffen von Paulinen ' s schneller Entfernung ... Herr Rodewald ? sprach sie , den Mann prüfend und die Bewegung dieser beiden Männer nicht verstehend ... Egon begrüßte sein Weib ... Rodewald sich sammelnd sagte mit fester Stimme : Durchlaucht sind zu gnädig ! Ich werde diese Bedingungen lesen ! Ich gehe zu dem Bankier , um ihm die Befehle des Fürsten von Hohenberg selbst zu überbringen . Damit ging Rodewald in der That , der Fürstin sich achtungsvoll verbeugend ... Die Fürstin , sich nicht zurechtfindend , fragte , als sie allein waren : Aber hattet Ihr Scenen ? Was war Das ? Nur eine Verständigung ! sagte Egon . Ich gebe mein politisches Amt auf . Die Güter behält Rodewald . Wir Beide reisen . Jetzt zum König und das glänzende Elend auf immer geendet ! Egon rang sich