zurückgekehrten Statthalter Christi alle Welt kannte , zum Cardinal erhoben wurde ... Quid vobis videtur ? hatte es aus des heiligen Vaters Munde im Consistorium geheißen und alles blickte auf Fefelotti ... Die alte Regel , zu solchen persönlichen Willensacten des Papstes zu schweigen und ihm die volle Gerechtsame seines Herzens zu lassen , Cardinäle nach eigener Gemüthsregung zu ernennen , wurde auch hier innegehalten so sehr sich die Zeiten verändert und die Porporati den Charakter einer Ständekammer angenommen hatten , aus deren Majorität weltlichverpflichtete Minister kamen ... Die Trauer eines Sohnes um seine Mutter war die nächste Ursache dieser Erhöhung ... Ein Erzbischof mußte hierher nach Rom zu solchem Leide kommen - - ! Der heilige Vater konnte ihm dafür nur den Purpur schenken ... Fefelotti schäumte vor Wuth über die ewigen » Rückfälle « des » unverbesserlichen Schwärmers « , der die dreifache Krone trug ... Er stürmte zu Lucinden , warf ihr die Veränderung ihrer Gesinnungen für den Verhaßten vor , reizte sie durch Paula ' s Glück , die gleichfalls in Rom war , und verlangte von ihr geradezu - jenes Gewisse , das sie gegen die » Creatur einer ihm feindlichen Partei « , wie er Bonaventura nannte , seit Jahren in Händen hätte ... Die düstern schwarzen Augenbrauen zusammenziehend stellte Lucinde ihre ehemalige Aeußerung wiederholt in Abrede ... Jetzt zumal , wo sie mit Bonaventura auf dem Fuß neuer Hoffnungen stand ... Ihre Jahre schreckten sie nicht - ... Sie hatte die drei verbundenen Freunde Bonaventura , den Grafen Hugo und Paula nicht aus dem Auge verloren ... Sie beobachtete scharf ... Sie hatte in Erfahrung gebracht , daß sich im Herzen dieser drei Verbundenen große Kämpfe vollzogen ; Bonaventura sprach für die Wünsche des Grafen , der ganz nach Wien übersiedeln oder wieder in Militärdienste treten wollte ... Paula stand an einem Scheidewege - ob Rom , ob Wien ... Ging sie nach Wien , so waren die Würfel gefallen - Diese Ehe hatte dann ihre natürliche Ordnung gefunden ... Und Bonaventura - ? ... Lucinde war so erregt von dem Gedanken , Bonaventura wäre als Cardinal nun an Rom gebunden , müsse dann und wann von Coni herüber kommen , könne sich ihr , ihrer Macht , ihrem Einfluß nicht entziehen , daß sie Fefelotti mit Indignation von sich wies und diesen Gegenstand nie wieder zu erwähnen bat ... Auffallend war es , daß der neuernannte Cardinal , dem am Tage der Uebergabe des Purpurhutes eines der ersten Fürstenhäuser Roms die üblichen Honneurs machte - Olympia , die Herzogin von Amarillas wohnten diesen Festen nicht bei - doch noch so lange in Rom verblieb ... Der Herbst war gekommen - sogar auf den Winter kehrte der jüngste der Cardinäle immer noch nicht nach seinem Erzbisthum zurück ... Niemand wußte die Veranlassung dieser verzögerten Abreise ... Bonaventura selbst schützte für sein Bleiben Studien über Rom vor ... Sein einziger Umgang war Ambrosi und die Salem-Camphausen ' sche Familie ... Selbst als es mit Olympia zu den unangenehmsten gesellschaftlichen Reibungen kam , blieb dennoch Bonaventura bis in das neue Jahr hinein ... Er will den Carneval sehen ! hieß es ... Man beruhigte sich scheinbar , nur Fefelotti umgab ihn mit Spionen ... Auch Lucinde forschte ... Ganz leise hatte sie einige Fäden von einem Verkehr aufgegriffen , welchen der neue Cardinal mit Neapel , ja mit dem Silaswalde unterhielt ... Ende August schon hatte sie in Erfahrung gebracht , daß Frâ Hubertus und jener Einsiedler , welcher ihnen vor Jahren soviel zu schaffen gemacht , auf Befehl der Inquisition gefangen genommen worden ... Noch zuckte Fefelotti , den sie deshalb befragte , die Achsel und sagte : Die Jesuiten ließen diesen Ketzer allerdings gefangennehmen , mußten ihn aber mit seinen Genossen an die Dominicaner ausliefern ! Sie kennen die Eifersucht der weißen Kutten gegen die schwarzen ! ... Lucinde hörte , daß Bonaventura ' s Verbleiben in Rom mit Geheimnissen des Sacro Officio zusammenhing ; die klare Uebersicht des Tatsächlichen fehlte ihr noch ... Sie durfte erbangen über ein Wiederbegegnen mit Hubertus ; aber sie wollte glücklich sein , wollte hoffen - faßte alles im heitersten Sinne auf und fürchtete für nichts ... Heute saß sie in der allerlebhaftesten Spannung ... Der Grund , warum sie heute noch nicht zur Ruhe gehen wollte und konnte , war kein anderer , als die noch wie im Sturm der Mädchenbrust gefühlte Spannung ihrer Ungeduld , ob die für morgen früh beim ersten Morgengrauen angesetzte endliche Abreise des Grafen - mit oder ohne Paula stattfand - ... Das gräfliche Paar lebte sehr zurückgezogen in einem der großen Hotels an Piazza d ' Espagna ... Der Schleier des Geheimnißvollen , welcher Bonaventura , der seinerseits bei Ambrosi wohnte , und die Freunde umgab , war selbst für Lucinden in den meisten Dingen undurchdringlich ... Lucinde hatte auch für die gegenwärtige Situation nichts anderes erspähen können , als die Absicht des Grafen , in erster Morgenfrühe die längst beabsichtigte und immer wieder aufgeschobene Reise nach Deutschland anzutreten ... In erster Morgenfrühe sollte ein Bekannter eines ihrer Bedienten von Piazza d ' Espagna , wo dieser im Hotel aufwartete , die Nachricht bringen , ob Graf Hugo - mit oder ohne seine Gemahlin abgereist war ... Reiste der Graf mit Paula , so war es ihre Absicht , für ihre noch immer glühende Liebe eine neue Demonstration zu versuchen ... Sie wollte beim Cardinal Ambrosi vorfahren , wollte die Urkunde Leo Perl ' s , eingesiegelt , mit einem Schreiben an Bonaventura versehen , am Palast der Reliquien abgeben - sie wollte die Bitte hinzufügen , den Empfang ihr durch eine ausdrückliche Meldung an ihren Wagenschlag oder einen Gruß am Fenster beantworten zu wollen ... Reiste Paula nach Wien , so hatte sie die Absicht , sich aufs neue in der Glut ihrer nur mit dem Tode ersterbenden Liebe zu zeigen , selbst mit Gefahr , den Bund , der sich gegen Bonaventura verschworen zu haben schien , zu