fast wie ein Schatten entgegengetreten , der ihr den Sohn entriß und zurück in die Arme des Vaters führte . Wie ? Entsagung diesem wunderbaren Wollen und Wirken ? Nein ... Sie trat ein ... Die Männer staunten . Rodewald erkannte Paulinen sogleich , ob sie gleich furchtbar gealtert war . Doch ihre Hoheit verrieth sie sogleich . Er erkannte das düsterblitzende Auge , er sah die Momente der Eifersucht aus alten Zeiten wieder . Das ist Pauline ! sagte er sich . Fürst , die Ungeduld treibt mich ... Haben Sie einen Entschluß gefaßt ? Herr Rodewald ! sagte der Fürst , den Dritten gleichsam vorstellend ... Ich weiß , sagte sich abwendend Pauline . Rodewald ! Ich bin Pauline ! Sie kennen mich ? Rodewald ! Was wollen Sie , Rodewald ? Warum sind Sie hier ? Hier in diesem Hause ? Was mischen Sie sich in Verhältnisse , Rodewald , die keinen Bezug auf Ihr Leben haben können - wenn Sie ein Mann von Ehre sein wollen ! Egon übersah , daß Pauline , die so losbrechend Rodewald für eine Wahnsinnige hätte halten können , gelauscht hatte ... Die Möglichkeit unzeitiger Ausbrüche von Drohungen und Enthüllungen dieser Frau war ihm peinlich genug . Aber es war Egon ' s Art nicht , wenn er fürchtete , gleich feige zu sein . Er stampfte fast mit dem Fuße und fragte : Was ist ? Hängen meine Entschließungen nicht von mir selbst ab ? Durchlaucht ! rief Pauline in bitterm und drohendem Tone . Dann sich zu Rodewald wendend , sprach sie herrschend : Was wollen Sie mit den Gütern ? Gehen Sie ! Sie haben noch keine Aufträge vom Fürsten empfangen . Herr von Reichmeyer wünscht keine Unterhändler ... Gehen Sie , gehen Sie , Herr Generalpächter ! Man vermißt Sie vielleicht in Tempelheide ... ich glaube , Ihre Angelegenheit mit Sr. Durchlaucht ist im Reinen ... Die Wirkung dieser schneidenden Worte war auf die beiden Männer die verletzendste . Sie hatten sich ja Beide nichts zu gestehen , hatten sich ja nichts zu sagen , was ihre Stellungen geändert hätte . Aber wie sich denn doch ein Drittes da so gewaltsam zwischen ihre zart in Eins gesponnenen Lebensfäden warf , zuckte es in ihren Nerven wie mit einem einzigen Schlage ; sie waren verbunden und handelten übereinstimmend , sie wußten nicht wie ... Doch mäßigte sich Rodewald . Er sagte nur , sich zum Gehen wendend : Frau von Harder , ich bin hier , um die Befehle meines Herrn zu vernehmen ... Ich bin der Pächter Rodewald , ich trage die Spuren der Mittagssonne auf meiner Stirn und meine Hände fassen sich härter an , als einst , obgleich sie doch noch keine Schwielen haben und mich nicht zum Bauern und Knechte entwürdigen ... Vergessen Sie nicht ! rief Egon dem Scheidenden nach . Was ich von Herrn von Reichmeyer sagte ... es bleibt dabei ... Und Sie , gnädige Frau , die Zeit drängt . Ich will zum Könige ... Damit deutete Egon an , daß er allein in seine Zimmer zurück und auch Paulinen entlassen wollte . Diese faßte aber seine Hand ... Er lehnte sie ab und rief mehrmals : Ich habe Eile , ich muß zum König ! Pauline ertrug aber diese Abweisung nicht . Eine solche Form ihres Verhältnisses zu Egon , Rodewald zur Schau gestellt , ließ den Zorn in ihr überschäumen . Sie war die Allmächtige gewesen , sie hatte sich gewöhnt , Egon zu beherrschen , sie wußte , einzig , außer der Ludmer und Rodewald , welches Geheimniß auf dem Ursprunge des Fürsten lastete und in diesem Augenblicke verließ sie die Großmuth . Sie rief dem Fürsten , der schon an der Thür stand , nach : Was ist hier beschlossen worden ? Bleiben Sie ! Rodewald ! Ich bewundere Sie , Fürst , daß Sie mich zwingen , den Abschied zu stören , den Rodewald von den Zügen jenes Bildes zu nehmen scheint ... Rodewald hatte sich in der That dem Bilde der Fürstin zugewandt , hatte in der That ihm gleichsam allein den Anblick seines Schmerzes in der Stille anvertraut ... Frau von Harder ! rief Egon zusammenzuckend ... Die Erinnerungen erwachen - hüthen Sie sich , Egon ! antwortete diese leise und dann steigernd . Zweimal hat dieser Mann , der in Amerika seine Vergangenheit hätte begraben sollen , das Vertrauen der treuesten Menschen betrogen ... ich kenne in diesem Hause des Fürsten Waldemar von Hohenberg keine Thür , die mich zurückführt ! Fürst Egon , seien Sie besonnen ... ich meine , dem König gegenüber ! Diese zuletzt grelllauten Worte kamen wie aus der Hölle . Egon verstand sie sogleich , Rodewald errieth sie . Der Fürst erblaßte . Er sah die wuthgeborene schäumende Rache , die ihm drohen konnte : Vergiß nicht , wer du bist und wer da weiß , wer du bist ! Rodewald aber , vor der Betonung des Fürsten Waldemar , des Fürsten Egon schaudernd , bebend selbst vor dem Blicke des Hohnes und der Superiorität , die in den Worten der in der Leidenschaft ihrer selbst nicht mächtigen Frau lag , überschaute sogleich das ganze Verhältniß mit einem Schlage und mit blitzschnell in ihm auffahrender Gewißheit : Allmächtiger Gott , Egon kennt sein Verhältniß zu dir und dies Weib ist die Einzige , die es ihm verrathen hat ! trat er entschlossener vor , ergriff den rechten Arm der wilden Frau , hob diesen empor und rief feierlich : Pauline von Harder ! Rodewald ! erwiderte die Unbesonnene wie im Echo , höhnend , trotzend sich losreißend und den Fürsten so kalt , so herzlos von Unten nach Oben messend , daß Egon zitterte , Rodewald aber sich nicht länger hielt , sondern wie ein Seher in flammendem Zorn , dicht auf sie zutretend , hervorbrach : Pauline von Harder ! Ich betrachtete in diesem Augenblicke die Engelzüge Amanda ' s von Hohenberg ! Sie flüsterten mir